Ein Gestüt setzt neue Maßstäbe
Im Münsterland, nähe Hebern, liegt ganz verträumt Schloß Itlingen inmitten einer idyllischen Parklandschaft. In der Form eines Hufeisens, romantisch von Wasser umgeben, besteht diese Mischung aus Burg und Schloß bereits seit 500 Jahren.
Heute treffen wir hier Graf und Gräfin Stauffenberg. Beide betreiben auf Itlingen eine Vollblutpferdezucht mit Pensionsgestüt. Futterjournal hatte die Möglichkeit, Graf Stauffenberg persönlich ein paar Fragen zu stellen.
FutterJournal:
Graf Stauffenberg, Ihr Name ist in der Vollblutszene wohl bekannt. Gerade im letzten Jahr gewann das Pferd Samum – nun zum Galopper des Jahres ernannt - das Derby und den renommierten Preis von Baden-Baden (1,6 Millionen Mark). Sie waren als Gestütsleiter unter anderem an der Entwicklung des Futters für die Mutterstute und den kleinen Samum maßgeblich beteiligt. Wie sieht der Werdegang eines so erfolgreichen Mannes aus?
Graf Stauffenberg:
Seit 35 Jahren bin ich mit Pferden verbunden. Meine Passion habe ich zum Beruf gemacht, als ich bei Fritz Ligges Berufsreiter lernte. In die Vollblutszene wechselte ich als stellvertretender Gestütsleiter zu Familie Ostermann. Als verantwortlicher Gestütsleiter übernahm ich den Aufbau und die Entwicklung des Vollblutgestüts Karlshof, das im Jahr 2000 die Nr. 1 in Deutschland war.

FutterJournal:
Seit 1994 leiten Sie die Vollblutagentur Stauffenberg Bloodstock, die sich mit dem Ankauf von Pferden, der Deckplanung, sowie dem Gestüts- und Rennstallmanagement befaßt. 1996 begannen Sie Ihre eigene Vollblutzucht mit mehreren Mutterstuten. Sie führten die Klassischen Siegerinnen Centaine und Que Belle zum Erfolg. Nun können Sie auf dem von Ihnen langfristig gepachteten Gestüt Itlingen Ihre Vorstellungen verwirklichen und Ihre gesammelten Erfahrungen in die Tat umsetzen. Welche Vorzüge bieten Sie den Mutterstuten in Ihrem Gestüt?
Graf Stauffenberg:
Die Erfahrung hat mich gelehrt, daß die Weidefläche je Mutterstute und die damit verbundene Rauhfutterversorgung eine erhebliche Rolle in der Zucht spielt. Der gesamte Betrieb umfasst ca. 120 ha, von denen z. Zt. 64 ha als Koppelfläche zur Verfügung stehen. Unser Prinzip, keinen Deckhengst und nicht mehr als 15 Mutterstuten im Gestüt zu halten, bietet somit für jede Mutterstute und deren Nachzucht zumindest 4 ha Weidefläche. Dies entspricht dem vierfachen der üblichen Fläche. Es werden maximal 3-6 Pferde auf einer Koppel gehalten. Einer kurzen Freßzeit von 8 bis 10 Tagen folgt eine drei- bis vierwöchige Ruhezeit, während der sich die Grasnarbe erholen kann.
FutterJournal:
Das sind traumhafte Bedingungen, die an eine extensive Haltung anlehnen und dem Pferd als Steppentier und selektivem Fresser entgegenkommt.
Graf Stauffenberg:
Ja, wir halten eine strikte Weidepolitik ein. Nach der Beweidung durch die Pferde wird das überständige Gras zur Vermeidung von Gailstellen gekürzt, regelmäßig nachgesät, geschleppt, gewalzt und gelüftet. Die Weiden werden so regeneriert und die Grasnarbe kann in einem optimalen Zustand erhalten werden.
FutterJournal:
Das Gestüt Itlingen hat einen guten Namen. In der Vollblutpferdezucht spielt die Qualität der "Scholle", also dem Land auf dem die Pferde aufwachsen, eine große Rolle.
Graf Stauffenberg:
Unzählige Klassische und Große Sieger sind hier geboren und aufgewachsen, so z.B. die Derbysieger TARIM , ZANK , ZAHROFF und ZINNTALER. Viele Klassepferde von Gestüt Itlingen haben bereits von den guten Böden profitiert.
FutterJournal:
Welche Maßnahmen treffen Sie, um neben der extensiven Beweidung die Qualität der Böden zu erhalten?
Graf Stauffenberg:
Mit vorher genannten Pflegemaßnahmen sorgen wir in Verbindung mit einer jährlichen Bodenprobe und der dementsprechenden Ergänzung für einen optimalen Mineralstoffhaushalt und ein gesundes Mikroklima des Bodens.
FutterJournal:
Welche Ernährung bieten Sie Ihren Zuchtstuten über die Weidehaltung hinaus?
Graf Stauffenberg:
Wir kaufen nur bestes Heu und Hafer für die Pferde und haben zusammen mit unserem Futtermittelhersteller ein eigenes Futter entwickelt. Regelmäßige Kontrollen und Proben gewährleisten die ideale Versorgung unserer Pferde. Damit wird den verschiedenen Ansprüchen Rechnung getragen - ob nun für ein Fohlen, Absetzer, Jährling oder das letzte Drittel der Trächtigkeit - alle Faktoren werden regelmäßig beobachtet und dann unter dem erfahrenen Management entsprechend berücksichtigt. In Verbindung mit unserem Futtermittelberater können wir so eine ausgewogene und bedarfsgerechte Fütterung garantieren.
FutterJournal:
Für viele Pferdehalter ist die Weideumzäunung ein Thema. Wie haben sie dieses Problem einer sicheren Koppeleinfriedung gelöst?
Graf Stauffenberg:
Alle Koppeln wurden komplett mit neuen Holzzäunen umgeben. Hecken und Bäume grenzen an die Koppeln und schaffen ein gesundes Mikroklima. Daneben bieten sie Vögeln und Kleintieren Schutz und Nahrung.
FutterJournal:
Ihre Stallungen sind sehr großzügig und licht. Ich glaube jeder Pferdehalter würde sich "von" schreiben, wenn sein Pferd die Nacht in solchen Boxen verbringen dürfte!
Graf Stauffenberg:
Die historischen Gebäude wurden unter den Aspekten Luft, Platz und Sicherheit komplett renoviert und dementsprechend Boxen mit einer Größe von 16 bis 27 qm integriert.
FutterJournal:
Die Geburt der Fohlen birgt doch einige Risiken. Auch die Aufzucht junger Pferde erfordert große Fürsorge und Verantwortungsbewußtsein. Welche Maßnahmen haben Sie diesbezüglich getroffen?
Graf Stauffenberg:
Der Abfohlstall und die Boxen für die Stuten mit Fohlen sind mit einem Kamerasystem versehen, das eine ständige Überwachung ermöglicht. Wir wohnen ganz in der Nähe der Stallungen und können sofort parat sein. Wir verfügen über eine exzellente tierärztliche Versorgung und haben genug Möglichkeiten, jedes Tier individuell zu betreuen. Dies gilt selbstverständlich nicht nur für die Fohlen, sondern ebenso für die Absetzer, Jährlinge und Mutterstuten.
FutterJournal:
Graf Stauffenberg, auf Ihrem Gestüt werden die natürlichen Bedürfnisse des Pferdes an Platz, Bewegung und Luft, guter Fütterung und Betreuung befriedigt. Die meisten Pferdebesitzer können von diesen Verhältnissen nur träumen. Vielleicht aber geben Sie uns mit Ihren Grundsätzen eine Perspektive, an der sich Pferdehalter orientieren und halten dürfen. Wir danken Ihnen recht herzlich für dieses Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.
Dr. Susanne Weyrauch










