Urtica dioica – Eine Heilpflanze mit Feuer
Das haarige Nesselgewächs, das sich gerne an halbschattigen Plätzen niederläßt, wird oft als "wildwucherndes Unkraut" verkannt. Dabei ist diese fantastische Heilpflanze ein Segen der Natur. Man muß sie eben nur einmal näher kennenlernen. Wir laden Sie daher ein zu einer Begegnung der besonderen Art mit dieser "gefürchteten" Staude.
Botanischer Steckbrief
Man findet die Brennessel in den eher dunkleren Winkeln hinter Häusern, an Mauern, Hecken und am Waldrand. Sie wächst überall dort, wo es ihr gefällt. Trotz ihrer Wuchshöhe von 0,5 - 1,5 m ist sie eigentlich ein eher unscheinbares Gewächs. Die mit Borsten versehenen Blätter sind ei- bis herzförmig, vorne zugespitzt, mit grob gesägtem Rand. Am vierkantigen Stiel sind Blätter und Blüten angebracht. Selbst ist die Frau bzw. der Mann, denn die Blütenrispen pro Pflanze sind entweder nur männlich oder nur weiblich. In Zeiten der Befruchtung ist der sie umspielende Wind ein unerläßlicher Partner, um die in die Luft geschleuderte Blütenstaubwolke zu übertragen.
Unauffällig und doch prägnant
Das Nesselgewächs ist nicht besonders farbenprächtig, ja sogar in der Blütenzeit bleibt die Brennessel unauffällig. Dennoch ist sie von Mutter Natur recht kraftvoll ausgestattet worden. Selbst die zarteste Berührung ist wohl bei jedem von uns als schmerzvolle Erinnerung verhaftet. Sie versteht es eben auf andere Weise, als durch ihr Aussehen einen Eindruck zu hinterlassen. Zugegeben: zwar enthalten die Haare der Brennessel eine Flüssigkeit, die zu unangenehmen Hautreizungen führen kann, betrachtet man aber die ganze Pflanze -einschließlich ihrer Wurzeln und Früchte- so entdeckt man eine Vielzahl gesundheitsfördernder Inhalte.

Quelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomè - Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz - 1885, Gera, Deutschland
Ein Innenleben das begeistert
Zu den Inhaltsstoffen der Brennessel gehören Chlorophyll, Acetylcholin, verschiedene Flavonoide, Eisen, Magnesium, Kalium, Calcium, Natrium, Vitamin C und Vitamin A. In den Brennhaaren findet sich vor allem Ameisensäure, Kieselsäure, Essigsäure und Histamin. Die Brennesselfrüchte, die oft fälschlicherweise als Samen bezeichnet werden, enthalten polyensäurehaltiges Pflanzenöl (hauptsächlich Linolsäure), Phosphor, Vitamin E, Gerb- und Schleimstoffe, sowie bestimmte Enzyme. Diese Enzyme stimulieren die Verdauungsdrüsen von Magen, Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse und Galle.
International
Ihr lateinischer Name Urtica dioica kommt von lat. "usere" und bedeutet "brennen". "Dioica" bedeutet zweihäusig, womit das Auftreten von nur weiblichen bzw. nur männlichen Blüten gemeint ist. Als sogenannter Kosmopolit ist sie fast überall auf der Erde zu finden, auch in rauhen Höhen bis 2.500 m. Für einige Tiere, wie z.B. die Schmetterlinge, ist sie lebensnotwendig. Sie dient vor allem ihren Raupen als Nahrung. Den Boden bereichert sie mit Mineralien und kann hervorragenden Humus bilden. Sie gilt dabei als Anzeiger für stickstoffhaltige Böden.
Die Zubereitung
Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Die Wurzel erntet man am besten im September bis Anfang November, das Kraut kann man jederzeit ernten. Die Wurzel muß gründlich gereinigt werden. Die Pflanzen zur Trocknung an einem luftigen und schattigen Ort aufbewahren. Die getrockneten Pflanzenteile lassen sich circa ein Jahr, am besten in einem dunklen, gut schließenden Gefäß lagern. Natürlich kann man auch ohne Trocknung Saft aus der Brennessel gewinnen. Oder sie als Tinktur erwerben.
Ihre Tugenden
Schon seit der Antike sind die heilenden Kräfte der Brennessel für Mensch und Tier bekannt. Sie wird zur Blutreinigung, Blutbildung, Blutzuckersenkung und bei Eisenmangel eingesetzt. Außerdem wirkt sie harntreibend, entgiftend und entschlackend. Die Pflanze wird daher bei Rheuma, Nieren- und Harnwegserkrankungen unterstützend eingesetzt. Auch bei Mineralstoffmangel, Stoffwechselstörungen und Hautkrankheiten leistet sie ihre Dienste. Bei träger Darmperistaltik, Magen-Darm-Geschwürneigung, Durchfall und zur Verdauungsförderung findet sie ebenso Verwendung. Kurzum sie ist ein Multitalent, das generell gesund ist und sich auch hervorragend zur Mischung mit verschiedenen andern Teesorten eignet.
Zum Verzehr empfohlen
Pferde fressen die Brennessel instinktiv in welkem Zustand. Man kann ihnen die getrocknete Brennessel ins Futter oder übers Heu geben. Auch als Tee, Saft oder Tinktur ist die Brennessel empfehlenswert, innerlich wie äußerlich. Es sind keine Gegenanzeigen, Neben- oder Wechselwirkungen bekannt. Eine Daueranwendung ist möglich.
Eine neue Sichtweise
Vielleicht sehen auch Sie diese uns von der Schöpfung geschenkte, wertvolle Heilpflanze nun in einem anderen Blickwinkel. Wenn Sie ihr wieder einmal begegnen, halten Sie einfach inne und betrachten Sie sie mit Ihrem neuen Wissen über dieses einzigartige Geschöpf.
Christine Bauer










