Während man bei einem jungen, dreijährigen Pferd noch die ganz großen Hoffnungen hat, weis man spätestens fünfjährig, wohin die Reise geht. Ein achtjähriges Pferd ist im besten Lebensalter und kann das Gelernte gut umsetzen. Das Pferd ist reif, "erwachsen" geworden. Ab dem 12. oder 14. Lebensjahr beginnen die ersten alters-, bzw. nutzungsbedingten Zipperlein. Schließlich kann man ein Pferd mit 20 Jahren alt nennen.
Ein graues Haar … … wieder geht ein Jahr
Wer sein Pferd liebt und nicht mehr vorhat, es abzugeben, der muß sich mit den Folgen des Älterwerdens auseinandersetzen. Rein äußerlich erkennt man diesen Prozeß an Änderungen in der Farbe und Struktur der Fellbeschaffenheit. Das Winterfell kündigt sich früher an, das Deckhaar wird allgemein länger und der Fellwechsel im Frühjahr zieht sich hin bis April. Die ersten grauen Haare zeigen sich im Gesichtsbereich, ebenso können Farbveränderungen auf-treten. Der Bewegungsablauf wird stumpfer. Die ersten Schritte aus dem Stall sind klamm und die Zeit, in der sich das Pferd warm- bzw. einläuft, wird immer länger.
Die Sünden der Jugend
Die "Sünden der Jugend", wie Überlastungen, häufiger Turniereinatz, verschleppte Infekte oder eine nicht bedarfsgerechte Fütterung zeigen sich nun im Alter als chronische Erkrankun-gen. Spat, Arthrose, Bronchitis, Verdauungsprobleme oder Altersekzem schleichen sich ein und beeinträchtigen das Wohlbefinden des Pferdes.

Lebens- und Bewegungsfreude im Alter sind nährstoffabhängig.
60 Jahre und kein bisschen Weise …
… das gilt manchmal auch für den Pferdesenioren. Seine Lebenserfahrung hat ihn klug und manchmal auch gewitzt gemacht. Als alter Hase weiß er, was er von seinem Reiter zu erwarten hat oder was der von ihm will. Ob er "seinem Herren" folgt, ist seine Ermessenssache. Das ältere Pferd hat aber ebenso große Vorteile. Seine Zuverlässigkeit und Lektionstreue machen ihn zum idealen Freizeitpartner. Willig übernimmt er die Verantwortung für den Reitanfänger. Wortloses Verstehen in kritischen Situationen macht die Partnerschaft zwischen Reiter und Pferd entspannt und sicher.

Eine vitalstoffreiche Kost sorgt für
Ausgeglichenheit und Wohlbefinden,
nicht nur im Alter.
Natürlich hat das in die Jahre gekommene Pferd Schwierigkeiten, wenn die verlangten Lektionen seinen alten Körper überstrapazieren. Wenn er Glück hat, ist dies seinem Reiter bereits bekannt und es ist nicht tragisch, daß er bestimmte Aufgaben nicht mehr mit dem Schwung und der Elastitzität eines Athleten ausführen kann, für die er einst so bewundert wurde. Aber dafür gehören manche Auseinandersetzungen der Vergangenheit an. Über die Jahre ist eine tiefe Verbundenheit zwischen Reiter und Pferd entstanden. Zusammengeschweißt durch die Höhen und Tiefen des Lebens kann sich der eine auf den anderen verlassen. Entspannte Ausritte, befriedigende Dressurstunden oder einfach nur die Gewissheit, sich auf den anderen verlassen zu können, sind nur ein Bruchteil der Vorteile, die an dieser Stelle aufgezählt werden könnten.
Seniorenkost
Die Zeichen der Zeit können aber herausgezögert werden. Dazu trägt eine bedarfsgerechte Ernährung bei. Mit dem Alter ändern sich die Nährstoffbedürfnisse des Pferdes. Wie beim Menschen wird der Energiebedarf geringer, da der Grundumsatz sinkt. Es steigt jedoch der Bedarf an qualitativen Vitalstoffen, wie essentiellen Aminosäuren, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.
Magnesium fürs Herz
Bei den Mengenelementen ist besonders auf die Deckung des Bedarfs an Magnesium zu achten. Magnesium ist u.a. wichtig für die Herzfunktion. Insbesondere in Verbindung mit dem Muskelvitamin E können angelaufene Beine und Wetterfühligkeit vermieden werden.
Vitalstoffe gegen das Altern
Der Bedarf an Spurenelementen, insbesondere an Zink, Kupfer, Selen, Man-gan und Cobalt steigt. Wird der Bedarf nicht gedeckt, kommt es zu schlechterem Hufwachstum, Fellproblemen, Störungen im Fellwechsel, Juckreiz, Ekzembildung, Infektanfälligkeit, aber auch Abmagerung und Appetittlosigkeit.
Zahnprobleme abklären
Abmagerung ist ein typisches Problem für ganz alte Pferde. Zahnprobleme erkennt man durch langsames Fressen oder die sogenannte "Röllchenbildung" beim Heufressen. Man beugt Zahnproblemen durch regelmäßige Tierarztkontrollen vor.

Vitalität hat nichts mit dem Alter zu tun. Dieser ältere Herr scheint noch ziemlich augeweckt zu sein.
Rohfaser ist lebenswichtig
Hat das Pferd bereits wichtige Zähne verloren und ist nicht mehr in der Lage, Heu in seiner natürlichen Struktur zu fressen, müssen sinnvolle, gesunde Rauhfutteralternativen gefunden werden. Der Rauhfutterbedarf von 1,5 kg Rauhfutter pro 100 Kilogramm Lebendgewicht kann nicht mit Gras alleine gedeckt werden! Erst nach einer Aufwuchshöhe von 30 cm bietet Gras genügend Struktur für die Verdauung des Pferdes. Aufgeweichte Qualtitäs-Wiesencobs (10% Rohprotein) können langfristig als Heuersatz gefüttert werden. Dabei ist bei den Heucobs auf genügend Struktur zu achten.
Verdauungsprobleme
Oft werden auch Verdauungsstörungen wie Fehlgärungen beim alten Pferd beobachtet. Die regelmäßige Fütterung von Mash, Hefe und Spurenelementpräparaten können hier Abhilfe leisten.
Lahmheiten
Altersgemäße Abnutzung führt oft zur reiterlichen Unbrauchbarkeit des Pferdes. Auch hier können spezielle Ernährungsmaßnahmen fruchten, wie z.B. der Einsatz von meeresfrüchtehaltigen Spezialitäten und Algenbestandteilen.
Langes Leben mit guter Fütterung
Prinzipiell sorgt eine rauhfutterreiche, getreidereduzierte und vitalstoffreiche Ernährung, sowie eine auf den individuellen Nährstoffbedarf angepaßte Fütterung langfristig zu Gesundheit und Wohlbefinden des Pferdes.
Dass sich der Senior an manchen Tagen nicht ganz so wohl fühlt, sollte ihm einfach nachgesehen werden.
Dr. Susanne Weyrauch










