Der Haflinger – ein Bursche aus Tirol

03IntroUrsprünglich aus einem kleinen Stamm entstanden, hat sich der Haflinger ganz beträchtlich über sein Heimatgebiet, Tirol und Vorarlberg hinaus verbreitet.

Diese Bergpferderasse mit einem Stockmaß von 135 bis 145 cm wird seit über 100 Jahren nach den Kriterien Ausdauer, Genügsamkeit und Trittsicherheit gezüchtet.

Der Haflinger, der seinen Namen der Region um das kleine Bergdorf "Hafling" in der Nähe von Meran verdankt, galt als treuer Helfer der Bergbauern. Als Gebirgspferd, ausgestattet mit einer gehörigen Portion Lebhaftigkeit, dabei gutmütig, willig und von robuster Gesundheit wurde er später in die Dienste des Militärs eingesetzt.

03Haflinger2
Diese heranwachsenden Haflinger sind maßvoll gefüttert und strotzen vor Kraft.

Sanftmütige Lebenskraft

Über seine enorme Leistungsbereitschaft hinaus ist der Haflinger hübsch und fuchsfarben, wobei seine Farbnuancierung einem frisch gebackenen Brötchen ähnelt. Seine blonde Mähne, sein ziemlich edler Kopf sowie sein kräftiger, gut angesetzter Hals machen ihn zu einem Blickfang auf jeder grünen Wiese. Seine gedrungene, gutbemuskelte Körperform und Hufe wie aus Stein sind das züchterische Ergebnis einer Selektion auf lange Gebirgsmärsche in große Höhen auf steinigem Boden. Die europäischen Alpen mit schnellen Wetterwechseln und hohen Temperaturschwankungen haben seine Qualitäten als akklimatisiertem Trag- und Zugtier geprägt.

Vielseitiges Zuchtziel

In Deutschland begann der Aufbau der Haflingerzucht in den 30er Jahren vornehmlich in Bayern. Ab der 50er Jahre breitete sich die Zucht immer mehr nach Norden aus, und heute findet man den Haflinger in vielen Ländern Europas.

Als dann Anfang der 60er Jahre verstärkt der Ruf nach einem Kleinpferd laut wurde, das sowohl unter dem Sattel als auch zum Fahren eingesetzt werden konnte, setzte der Umzüchtungsprozeß des Haflinges zum vielseitig verwendbaren Freizeitpferd ein.
Im Gegensatz zu vielen anderen Pferderassen konnte die Zuchtzieländerung des Haflingers (vom Tragtier zum Wirtschaftspferd und zum universellen Freizeitpferd) dank seines vielschichtigen erbmäßigen Aufbaues in relativ kurzer Zeit vollzogen werden. Seine rassetypischen Eigenschaften sind jedoch erhalten geblieben. Dazu gehört sein großer Appetit, gekoppelt an entsprechende Figurprobleme, wenn er nicht genug gearbeitet wird.

03Haflinger1

Karge Fütterungsbedingungen

Die harten Existenzbedingungen in den Südtiroler Bergen haben den Haflinger zu einem exzellenten Futterverwerter gemacht, der auch in Notzeiten mit extrem wenig Futter auskommt. Allerdings hat er gewisse Ansprüche an die Futterqualität. Das Grundfutter basiert auf wertvollen Alpengräsern und Kräutern. Sein Rauhfutterbedarf verlangt hochwertige, gutstrukturierte Rohfaser. Das heißt gutes, staubfreies Heu und Stroh. Für die Fütterung von Getreide ist er nicht gerade geschaffen. Wohl aber für Samen, Getreidekeime und pektinhaltige Grundfuttermittel, wie z.B. Apfeltrester oder Zuckerrübenschnitzel. Bei erhöhten Anforderungen hilft eine sanfte Anfütterung mit kaltgepreßtem Öl. Mit der Fütterung von Kräutern wird man beim Haflinger nie falsch liegen.

Wird der Haflinger mit eiweißreicher Silage oder Getreide überfüttert, verliert er einen Teil seiner rassetypischen Merkmale. Fellprobleme, Verlust des Mähnenhaares, Hufprobleme und Nervosität stören sein Allgemeinbefinden. Auch das Immunsystem kann leiden und Atemwegsbeschwerden ist Tür und Tor geöffnet.

Bei einer hochwertigen, ausgewogenen und bedarfsgerechten Ernährung wird der Haflinger seine genetischen Eigenschaften auch im äußeren Erscheinungsbild ausprägen und seinen Besitzern viel Freude bereiten.

Katharina Kircher