Vom gesundheitlichen Wert ätherischer Öle
Herb-frischer Lavendel, verführerische Rose und betörender Jasmin sind wohl die berühmtesten unter den so genannten Aroma-Pflanzen. Rose, Lavendel und Jasmin gehören zu dem Drittel aller Pflanzen, die mehr oder weniger stark riechende ätherische Öle enthalten. Sie produzieren ihre Düfte allerdings nicht für unser Wohlbefinden, sondern für ihre eigenen vielfältigen Zwecke:
Das Anlocken von bestäubenden Insekten, die Abwehr von Fraßfeinden, der Schutz vor Bakterien-, Viren- und Pilzbefall, das Unterstützen des Heilprozesses bei Verletzungen und vieles mehr.
![]()
Die Nahaufnahme zeigt, wie
schön der Rosmarin blühen kann
All diese Wirkeigenschaften macht sich der Mensch seit Jahrtausenden, vor allem aber seit der Entdeckung der antientzündlichen, schmerzlindernden, antibakteriellen und sogar Pilz- und Viren abtötenden Wirkung vieler ätherischer Öle zunutze.
Kräuter enthalten ätherische Öle
In einigen Pflanzenfamilien kommen ätherische Öle vermehrt vor, wie zum Beispiel in Dolden- und Lippenblütlern. Zu diesen beiden Kategorien gehört fast die gesamte Riege der beliebten aromatischen Gewürz- und Heilpflanzen wie Anis, Dill, Kerbel, Koriander, Kümmel, Fenchel, Petersilie und Sellerie (Doldenblütler) sowie Basilikum, Lavendel, Oregano, Majoran, Minze, Salbei, Rosmarin, Thymian, Ysop und Zitronenmelisse (Lippenblütler). Auch Zitrus-, Lorbeer-, Kiefern- und Zypressengewächse enthalten reichliche Mengen der meist flüssigen oder harzigen und beim Zerreiben oder bei Wärme in den „Äther“ übergehende Essenzen. Die ätherischen Öle sind in Öldrüsen oder Drüsenhaaren, in Öl- oder Harzgängen, in speziellen Ölzellen oder mikroskopisch kleinen Behältern eingelagert. Diese befinden sich in unterschiedlichen Pflanzenorganen, wie Blüten, Blättern, Früchten, Wurzeln oder Baum-Rinden. Ätherische Öle entstehen beim pflanzlichen Stoffwechsel und gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Von den so genannten fetten Ölen (z.B. Sonnenblumenöl), in denen sie im Gegensatz zu Wasser gut löslich sind, unterscheiden sie sich unter anderem dadurch, dass Sie auf Papier oder Stoff keinen Fettfleck hinterlassen. Zur Gewinnung der leicht flüchtigen Essenzen extrahieren Destilleure sie aus den geernteten Pflanzen vor allem per Wasserdampfdestillation (z.B. aus Lavendel-Blütenständen) oder Kaltpressung (z.B. Zitrusfrucht-Schalen).

Aromatische Pflanzen beugen Erkrankungen vor
Ätherische Öle können über die Atemluft (z.B. beim Inhalieren über einem Futterbeutel), als Einreibung durch die Haut und natürlich auch mit der Nahrung in den Organismus gelangen und so ihre vielfältigen therapeutischen Wirkungen entfalten. Kräutermischungen leisten deshalb einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung auch bei Tieren, weil die ätherischen Öle vieler Heilpflanzen auf natürliche Weise von innen helfen etliche Beschwerden gar nicht erst entstehen zu lassen, sie zu lindern und Krankheiten zu heilen. Besonders im Winter ist das Zufüttern von Heilkräutern für das Allgemeinbefinden, die Vitalität und die Abwehrkraft der Tiere wichtig, da frische Kräuter und Gräser, die Frühling und Sommer bieten, nicht zur Verfügung stehen.

Knoblauch wirkt durch seine ätherischen Öle
insektenabweisend
Als Beimengung einer Qualitätsfuttermischung lösen aromatische Heil- oder Gewürzpflanzen über ihren Geruch Speichel- und Magensaftsekretionen aus und regen damit bereits vor dem Fressen die Verdauung an. Zum Beispiel wirken Oregano- und Majorankraut anregend auf den Appetit und die Magensaftsekretion. Sie beruhigen den Magen-Darm-Trakt und können auf sanfte Weise Krämpfe lösen. Zu den Verdauungshelfern zählen auch Anis-, Kümmel- und Fenchelfrüchte sowie Pfefferminzkraut. Sie mildern Blähungen und Koliken ebenso wie Melissenblätter und Kamillenblüten. Diese beiden beliebten Kräuter werden überdies für ihre entzündungshemmende Wirkung geschätzt. Auch Schafgarbe wirkt entzündungshemmend und krampflösend.
Im Falle von akuten Koliken ist es allerdings wichtig zu beachten, dass die entsprechenden Heilkräuter dann in aller Regel nicht ausreichend krampflösend wirken. Sie dürfen in diesem Fall nur begleitend zur unbedingt erforderlichen ärztlichen Therapie gegeben werden!
Salbei bekämpft vor allem im Mund- und Rachenraum Entzündungen und kann außerdem übermäßiges Schwitzen vermindern. Ist das Erliegen des Milchflusses bei Stuten erwünscht, ist Salbei hierbei in der Regel ebenfalls hilfreich. Lavendelblüten und Hopfenzapfen beruhigen bei Stress und Nervosität, dahingegen wirkt Rosmarin anregend und vitalisierend.
Wie ein natürliches Antibiotikum

Thymian ist schleimlösend und antibakteriell
Für gesunde Atemwege und Bronchien sorgen vor allem Thymian, Fenchel und Anis: Sie halten durch ihre desinfizierende Wirkung die Atemwege von Keimen frei und helfen bei Husten zähen Schleim zu verflüssigen und erleichtern somit das Abhusten. Die Beimengung dieser Kräuter im Pferdefutter ist deshalb vor allem bei Kälte wichtig. Auch Knoblauch in Pulverform als Futterzusatz eignet sich sehr gut als Schutz vor Atemwegsinfekten oder für deren Behandlung, weil sein ätherisches Öl Bakterien tötet. Es wirkt also als natürliches Antibiotikum. Außerdem unterstützt Knoblauch das natürliche Gleichgewicht der Bakterien im Darm als Grundlage für eine geregelte Verdauung. Nachgewiesenermaßen besitzt das Multitalent Knoblauch zudem eine antioxidative und antithrombotische Wirkung und beugt so arteriellen Gefäßveränderungen vor. Schließlich soll Knoblauch auch vor Wurmbefall schützen. Die in seiner Knolle enthaltenen und bekanntermaßen über die Haut ausdünstenden Schwefelverbindungen halten außerdem lästige Insekten fern. Hierzu ist auch ein Spray u.a. mit Lavendel-, Nelken- und Zedernholzöl aus der Fach-Apotheke hilfreich. In diesem Fall ist jedoch besondere Vorsicht geboten, dass die ätherischen Öle nicht in die Augen gelangen, da sie auf der empfindlichen Schleimhaut Reizungen und Brennen verursachen!
Nur die übertriebene Anwendung schadet
Als Beimengung im Qualitätsfutter ist die richtige Dosierung der verschiedenen Heilkräuter garantiert, denn bei einigen Kräutern wie zum Beispiel Thymian ist eine sparsame Dosierung angeraten, da dieser in größeren Mengen die Schleimhäute der Verdauungsorgane reizen sowie Durchfall provozieren kann. An tragende sowie säugende Stuten sollten Thymian, Salbei und auch Rosmarin sicherheitshalber nicht oder nur in geringen Mengen verfüttert werden, da sie Wehen auslösen könnten oder über die Milch den Verdauungstrakt des Fohlens reizen könnten. Aus dem gleichen Grund sollte auch Knoblauch an säugende Stuten nur vorsichtig verabreicht werden, um über die Milch die Verdauung des Fohlens nicht negativ zu beeinträchtigen.
Auf Qualität und richtige Dosierung achten

Nervenstärkend - die Melisse
Ätherische Öle von Eukalyptus und Knoblauch in der Raumluft können die darin befindlichen Keime abtöten und so die Übertragung von Krankheiten zwischen den Tieren zum Beispiel in feucht-warmen Transportern reduzieren. Kamillen- oder Lavendelduft kann die Pferde beruhigen, ihre Nerven stärken, Zitrone, Grapefruit- oder Jasminduft sie freudig stimmen, stimulieren oder aktivieren. Als Massageöl- oder Salben-Zusatz können geeignete Öle die Durchblutung fördern, die Muskulatur erwärmen und entspannen, Schmerzen lindern, Hautreizungen und Ekzeme lindern, die Wundheilung unterstützen und vieles mehr. Ihre vielfältigen Wirkeigenschaften beruhen auf der Vielfalt ihrer chemischen Zusammensetzung: so kann ein einzelnes Öl aus einem Gemisch von mehr als 400 verschiedenen Inhaltsstoffen bestehen. Die wohl wichtigste Stoffgruppe unter ihnen sind die so genannten Terpene (ungesättigte Kohlenwasserstoffe), die antiseptisch und antibakteriell wirken. Für den Einsatz in der Aromatherapie muss der Anwender allerdings streng auf gute Qualität und naturreine, unverfälschte Produkte achten. Diese sind zum Beispiel in Apotheken oder Reformhäusern erhältlich, wo meist auch eine fachkundige Beratung stattfinden kann. Synthetisch hergestellte oder verfälschte Öle können die naturreinen bezüglich ihrer Wirksamkeit nicht ersetzen. Sie sind stattdessen im besten Fall unwirksam, können aber auch schädlich sein und Allergien auslösen.
Wunder der Natur
Aber auch bei Anwendung naturreiner Öle gilt es, die richtige Dosierung der ätherischen Öle einzuhalten, eventuelle Kontraindikationen zu beachten sowie im Krankheitsfall in jedem Fall den Tierarzt hinzuzuziehen! Die hochwirksamen Essenzen dürfen innerlich niemals unverdünnt gegeben und mit wenigen Ausnahmen (z.B. Echtes Lavendelöl zur Wundheilung, Teebaumöl gegen Pilzbefall und Warzen) niemals unverdünnt auf der Haut eingerieben werden, da sie bei empfindlichen Tieren zu Haut- und Schleimhautreizungen führen können. Denn: Im extrahierten Aromaöl ist geballte Pflanzenkraft enthalten. Beispielsweise enthält ein Tropfen Salbei-Öl die Wirkmenge aus 42 Litern Salbeitee! Ätherische Öle müssen daher immer sparsam dosiert und für die innerliche Anwendung beispielsweise in Honig eingerührt und äußerlich nur verdünnt in einem so genannten fetten Basis- oder Trägeröl (z.B. Sonnenblumenkern-, Mandel-, Johanniskraut-, Olivenöl) oder in Vaseline bzw. Melkfett angewandt werden.

Die Schafgarbe fördert die Verdauung. alle Fotos: Dr. Paulson
Dr. Christina Paulson










