Das Morgan Horse
Das erste Morgan Horse lernte ich vor 2 Jahren kennen, als ein Bekannter sich einen jungen Hengst kaufte. Obwohl er im besten Flegelalter war, machte er auf mich in jeder Situation einen gelassenen, sanftmütigen Eindruck.
Als ich letztes Jahr gebeten wurde, beim Treffen der Deutschen Morgan Horse-Freunde zu fotografieren, stellte ich fest, dass dieses angenehme, ruhige und auf den Menschen bezogene Wesen die maßgebliche Charaktereigenschaft der Rasse ist. Wie vielseitig diese Pferde zudem sind, wurde bei der Präsentation in einem kleinen Showprogramm demonstriert. Die Pferde wurden in verschiedenen Reitweisen unter dem Sattel, bei der Bodenarbeit, sowie vor der Kutsche vorgestellt. Alle Pferde, auch die Hengste, zeigten sich sehr gelassen.
Ursprung
Im Jahr 1789 wurde ‘Figure’, der Stammvater der Morgans geboren. Er war braun, mit schwarzem Behang, hoher Aufrichtung, hatte ausdrucksstarke Augen, eine breite Stirn und einen kurzen, bemuskelten Rücken. Obwohl er sehr temperamentvoll war, hatte er einen umgänglichen, sanften Charakter. Diese Merkmale gab er an alle seine Nachkommen weiter, egal, welcher Stute er zugeführt wurde.

Nervenstark, zuverlässig und aufrichtig – das Morgan Horse
“Figure” gelangte als junges Pferd an den Komponisten und Lehrer Justin Morgan. Der Hengst machte u.a. durch seine unglaubliche Vielseitigkeit von sich reden. So ließ ihn sein Besitzer bei Wettbewerben im Gewicht ziehen antreten. Trotz seines geringen Stockmaßes von 140cm stellte er die Leistungen von Kaltblütern in den Schatten, wenn es darum ging, Baumstämme zu bewegen. Er zog den Pflug oder auch Wagen mit Holz. Bei Rennen unter dem Sattel und im Geschirr gelang es ihm gegen Herausforderer in jeder Gangart anzutreten und sie zu besiegen. So veranlassten seine außergewöhnlichen Fähigkeiten den damaligen Präsidenten James Monroe, “Figure” als Paradepferd ausbilden zu lassen. Mit seiner Bekanntheit wuchs sein Einsatz als Zuchthengst. Aufgrund seiner durchschlagenden Vererbung stieg seine Nachfrage. Diese Leistungen, die er in Zucht und Arbeit erbrachte, führten dazu, dass man nur noch von: „Morgans Pferd“ sprach. So erhielt die Rasse ihren Namen. Der Hengst verstarb im Alter von 30 Jahren. Seine Nachkommenschaft war zahlreich genug, um eine neue Rasse zu begründen, geprägt von einem Stammhengst.
Ab 1840 beherrschten die Morgans die Trab- und Galopprennszene und wurden von der amerikanischen Regierung als Kavalleriepferde ausgebildet und gefördert. Für die Armee waren sie die ideale Rasse. Sie waren gelehrig, leicht zu trainieren, konnten hart arbeiten und kamen mit wenig Futter aus. Das Morgan Horse wurde in Amerika in viele Rassen eingekreuzt, z.B. das Quarterhorse, das Saddlebred, den Tennessee Walker, um von der Schönheit und dem Charakter des Morgans zu profitieren. Das Morgan Horse selbst hat sich in seiner Reinheit erhalten und ist die einzige Pferderasse, die jemals von der amerikanischen Regierung gefördert wurde.
Typ und Erscheinungsbild
Das Morgan Horse ist gut proportioniert und hat viel Präsenz. Vor allem Füchse, Braune und Rappen beherrschen das Bild. Der Kopf ist edel und trocken mit guter Ganaschenfreiheit, breiter Stirn, kleinen, weit auseinander gesetzten Ohren. Das klare Auge hat einen klugen, sanften aber lebhaftem Ausdruck. Typisch ist auch das üppige und volle Langhaar. Der Widerrist ist deutlich ausgebildet und der Rücken kurz, breit und muskulös mit guter Sattellage, gute Brusttiefe und -breite. Der Lendenbereich ist kurz und solide, die Hinterhand ebenfalls gut bemuskelt. Das Fundament ist trocken mit stabilen Gelenken, das Röhrbein ist kurz und stark, die Hufe sind kräftig, rund zur Proportion des Pferdes passend. Größe: 145 -160 cm. Sie gelten als Spätentwickler. Man sagt, mit acht Jahren sind die Morgans mental und körperlich ausgewachsen.
Die Bewegungen des Morgan Horse sind raumgreifend und elastisch im Schritt, energischer Antritt im Trab, frei aus der Schulter kommend mit viel Schub aus der Hinterhand. Der Galopp ist weich, leicht und ruhig.
Morgans haben einen ausgeglichenen, angenehmen Charakter. Sie sind intelligent, anpassungsfähig, aufmerksam, handlich, ausdauernd, verlernen nichts, was sie einmal gelernt haben und sind sehr menschenbezogen.
Hauptzuchtgebiet ist die Ostküste der USA, wobei die Neuenglandstaaten als Ursprungsgebiet dieser Rasse anzusehen sind. Daneben ist die Rasse heute in allen US -Staaten, in Kanada, sowie in Europa verbreitet. Besonders England und Schweden verfügen über einige Zuchtstätten für Morgans. In anderen Ländern gilt diese Rasse noch als Rarität. In Deutschland gibt es im Moment ungefähr 150 Morgans, die das Herz ihrer Anhänger erobert haben.
Vielseitig einsetzbares Pferd
Eine Zuchtlinie bei den Morgans war die ‘Western Working Linie’. Diese Pferde wurden für die Arbeit auf den Ranches im Westen der USA eingesetzt. Aus diesen Linien tauchen immer wieder Morgans auf, die mit Quarterhorses gekreuzt wurden.
Auch heute wird das Morgan Horse zur Kreuzung mit Quartern eingesetzt, da die Morgans bekannt sind für ihre guten Hufe, stabilen Gelenke und ein sehr gutes Fundament besitzen.
Bei der Zucht unterscheidet man zwei Rassetypen - das Parkhorse und das Pleasure Horse. Die so genannten Parkhorses verfügen über eine hohe Aktion der Vorderbeine und werden besonders für die Shows gezüchtet. Das Parkhorse wurde so genannt, weil es vorwiegend in den Parks des Südstaaten Amerikas geritten wurde. Mit spektakulärer hoher Aktion gehen sie im leichten Geschirr vor eleganten Buggys oder unter dem Sattel. Hierfür werden in Amerika und Kanada spezielle Showlinien gezogen. In Deutschland kennt man diese Showszene nicht. Hier werden die meisten Pferde western geritten, gehen auf Wanderritte, werden dressur- oder freizeitmäßig genützt. Morgans präsentieren sich als Familien-, Freizeit-, Spring-, Dressur-, Vielseitigkeit-, Distanz-, Fahr- und Therapiepferde. Ebenso weisen Morgans internationale Erfolge im Fahr- und Distanzsport auf. Durch sein ruhiges Wesen und seinen kräftigen Körper, sowie seine relativ geringe Größe eignet sich der Morgan sowohl als Reitpferd für Erwachsene, als auch für Kinder.
Das Morgan Horse freut sich, wenn es seinen Besitzer sieht und braucht Beschäftigung und Ansprache. Es möchte Abwechslung, die man ihm aufgrund seiner Vielseitigkeit auch geben sollte. Auf Geländeritten beweist es seine Nervenstärke und Zuverlässigkeit. Leichtfüßig bewegt es sich in der Bahn und gibt durch seine hohe Aufrichtung ein stolzes und elegantes Bild ab. Eine besondere Ausstrahlung ist diesen Pferden zu eigen, die die Herzen ihrer Freunde und Besitzer höher schlagen lässt.
Fütterung
Morgans sind gute Futterverwerter und ausgesprochen leichtfuttrig, haben aber hohe Ansprüche an gut verwertbare Mineralstoffe und Spurenelemente. Dieser Bedarf sollte nicht vernachlässigt werden, sonst besteht im Laufe der Zeit die Gefahr, dass sich pferdische „Zivilisationskrankheiten“ einschleichen, wie z.B. Haut- oder Hufprobleme, Allergien, Verdauungsstörungen oder gar Hufrehe. Ein ausgewogenes Futter auf der Basis von aufgeschlossenem Getreide, Keimlingen, Kräutern, Ölen und hochwertigen Vitalstoffen sorgt für einen gesunden Stoffwechsel, Verdauung, Haut, Hufe, glänzendes Fell und den rassetypisch vollen Behang. Die Basis der Fütterung ist, wie bei allen anderen Pferden, qualitativ gutes Heu.

Wer sich für das Morgan Horse interessiert, kann sich an die Deutsche Morgan Horse Association wenden, Vorsitzende Frau Franziska Wiedemann, Tel. Nr. 06152 / 62559
Internet: www.morganhorse-dmha.de
Nicole Kumpf










