Vitamin E schützt Muskeln und Gelenke
Vitamin E gehört zu den fettlöslichen Vitaminen und galt von jeher als das Leistungsvitamin. Mancher Pferdehalter verspricht sich durch die zusätzliche Fütterung von Vitamin E eine verbesserte Muskulatur seines Pferdes. Weit über dies hinaus dient Vitamin E der Gesunderhaltung der Blutgefäße und hält Entzündungen in Schach. Ein Gesichtspunkt der Wirkungsweise von Vitamin E ist seine Aufgabe als Antioxidans. Die neuere Forschung zeigt jedoch, dass Vitamin E noch viel mehr kann.
Schutz im Energie- und Fettstoffwechsel
Vitamin E schützt in Gemeinschaft mit Selen vor allem die mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor Oxidation, sprich vor dem Ranzigwerden oder dem Verderb. Daher findet man Vitamin E vor allem in der fettsäurehaltigen Zellmembran. Die Hälfte des Vitamin E ist jedoch in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, in denen ständig Fett zu Energie umgebaut wird, lokalisiert. Hier entstehen Freie Radikale, die durch das Vitamin E in seiner Funktion als Antioxidans abgefangen werden, wodurch die Zellen vor der Selbstzerstörung bewahrt werden.
Freie Radikale bedrohen die Zellgesundheit
Wie bereits ausführlich im Futterjournal Nr. 5/2003 beschrieben, sind Körperzellen ständig einer Zerstörung durch sogenannte „Freie Radikale“ ausgesetzt. Das sind Moleküle, die aufgrund eines fehlenden Elektrons einen Bindungspartner suchen und sich dieses Elektron dann in zerstörerischer Art und Weise aus anderen Molekülen herausreißen. Diese beraubten Moleküle werden nun selbst zu Freien Radikalen. Die so in Gang gesetzte Kettenreaktion führt zum Angriff vor allem auf Zellwände und damit zum Untergang ganzer Zellverbände. An dieser Stelle setzt Vitamin E an. Vitamin E stellt ein Elektron zur Verfügung, wird dabei selbst oxidiert und schützt somit vor allem die sensiblen Fettsäuren vor der Zerstörung.

Der Vitamin E - Bedarf steigt im Hochleistungsbereich stark an
Stark gegen Entzündungen
Die zweite, noch nicht so lange bekannte Wirkungsweise von Vitamin E ist der Schutz vor Entzündungen im Bereich der Gelenke (z.B. bei Arthritis). Bei Messungen der Blutwerte im Bereich entzündeter Gelenke wurde festgestellt, dass die Vitamin E -Werte im Blutplasma um ein Drittel niedriger lagen als im gesunden Teil des Körpers. Vitamin E scheint dabei eine große Rolle als Hemmer entzündungsfördernder Stoffe (Leukotriene) zu spielen.
Prinzipiell steigt der Bedarf an Vitamin E bei Erkrankungen, bei denen Entzündungen eine Rolle spielen, wie. z.B. Hufrehe, Sehnenverletzungen oder Muskelentzündungen.
Zerstörerischer Mangel
Im Falle eines Vitamin E- Mangels können die Zellen nicht mehr ausreichend geschützt werden. Dies kann zu Leberveränderungen, zur Schädigung von Kapillaren, Nervenschädigungen und Fruchtbarkeitsstörungen führen. Der gesamte Organismus wird durch eine abnehmende Antikörperbildung insbesondere in Verbindung mit einem Selenmangel geschwächt. Bei Fohlen mit Vitamin E -Mangel tritt vermehrt die Gelbfettkrankheit auf, die damit zusammenhängt, dass ungesättigte Fettsäuren im Unterhautgewebe oxidieren und eine gelbe Farbe annehmen. Die antioxidative Aufgabe des Vitamins E in Bezug auf Muskelschutz und Absicherung des Muskelaufbaus führt im Falle eines Mangels längerfristig zu einem Schaden nicht nur an der Skelett- sondern auch an der Herzmuskulatur. Das lässt sich dadurch erklären, dass nur bei ausreichender Vitamin E – Zufuhr neu gebildete Muskelzellen von Anfang an geschützt sind.
Höherer Bedarf als vermutet
Der tägliche Bedarf eines Pferdes an Vitamin E ist von der Leistung sowie vom Lebensalter abhängig. Ein Fohlen benötigt 100mg Vitamin E je 100kg Körpergewicht und Tag. Ein erwachsenes Pferd mit 600kg ist im Erhaltungsbedarf mit 600mg oder in der Zucht mit 1200mg Vitamin E täglich gut versorgt. Der Bedarf an Vitamin E erhöht sich aber sehr stark, wenn ein Pferd im Hochleistungsbereich eingesetzt wird. Hier wird von Bedarfswerten von 400mg je 100kg Körpergewicht ausgegangen. Der Bedarf an Vitamin E liegt sicherlich niedriger, wenn zusätzlich andere natürliche Antioxidantien gegeben werden wie z.B. Vitamin C, ß-Carotin, OPC aus Weintrauben oder Polyphenole aus Äpfeln und anderen Pflanzenarten. Vieles spricht dafür, dass solche Kombinationen von Antioxidantien eine noch umfassendere Schutzwirkung haben als reines Vitamin E.

Vitamin E-Anreicherung im Plasma nach Belastung in Abhängigkeit von der verabreichten Vitamin E Form.
Vitamin E und Öl gehören zusammen
Der Gehalt an Vitamin E in der Körperzelle ist abhängig von der Nahrungsaufnahme. Die höchsten Vitamin E-Werte finden sich in Fett-, Leber-, Nieren- und Muskelgewebe.
Vitamin E wird ausschließlich von Pflanzen synthetisiert. Hohe Gehalte findet man besonders in Weizenkeimen (2,4g pro Liter Öl), in Maiskeimen (0,84g pro Liter Öl), aber auch in Leinsamen, Sonnenblumen oder Raps. Bei der herkömmlichen Verarbeitung von Ölen geht ein Teil von Vitamin E verloren. Daher sollte bei einer Fütterung mit reinem Öl zusätzlich Vitamin E, und zwar je 100ml Öl 200mg Vitamin E, gefüttert werden, um die Peroxidbildung beim Umbau der Fette im Körper zu begrenzen.
Im Raufutter sind je nach Qualität 20-100mg/kg, in frischem Gras 25-80mg/kg und in etwas älterem Gras nur noch 5-15mg/kg Vitamin E enthalten. Mit der Lagerung baut sich das Vitamin E ab. Die Verfütterung ganzer Ölfrüchte oder kaltgepresster Öle hat dadurch enorme Vorteile für den Erhalt natürlichen Vitamins E.
Natürliches oder synthetisches Vitamin E
Als Mischfutterzusatz wird heute meist das synthetisch hergestellte Vitamin E (dl-alpha-tocopherol) verwendet. Im Gegensatz zum natürlichen Vitamin E (d-alpha-tocopherol) enthält das synthetische Vitamin E acht verschiedene Isomere und verliert dadurch einen Teil seiner Effizienz. Dies haben interessante Studien des Kentucky Equine Research Instituts für das Pferd bestätigt.
Es wurde gezeigt, dass bei steigenden täglichen Vitamin E-Gaben der Gehalt von synthetischem Vitamin E im Blutplasma nur halb so hoch ansteigt wie bei der Gabe natürlichen Vitamins E. Mit Hilfe weiterer Versuche wurde gezeigt, dass bei steigender Belastung der Pferde der Blutplasmaspiegel bei der Gabe von natürlichem Vitamin E um ein Drittel höher liegt als bei der Gabe von synthetischem Vitamin E. Damit ist der Einsatz von natürlichem Vitamin E effizienter und langfristig gesünder für das Pferd.
Der Bedarf an natürlichem Vitamin E kann dementsprechend um 30 – 40% niedriger angesetzt werden. Vitamin E ist ein sehr vielseitiger und vor allem essentieller Nährstoff, auf dessen Verfügbarkeit der Pferdehalter unbedingt ein Augenmerk haben sollte.

Durch den Stress entstehen bei Hochleistungspferden enorme Mengen “Freier Radikale”
Eva Beuttler










