Bescheiden geblieben

03-IntroJörn Kubelke: Still und leise auf Platz 25 der Deutschen Dressurreiter

Wir befinden uns zwischen Bremen und Stade, dicht am kleinen Ort Mulsum. Dort liegt die Reitanlage Mulsumer Berg, die von Jörn Kubelke und seiner Frau Ulrike bewirtschaftet wird. Das Paar ist seit 1994 miteinander verheiratet und geht seitdem miteinander diesen privaten und beruflichen Weg.

Jörn Kubelke steht im Gegensatz zu anderen professionellen Ausbildern weniger im Rampenlicht. Er ist bescheiden und wirkt mit seinen 38 Jahren immer noch so jungenhaft und schüchtern wie 10 Jahre zuvor.

Mittlerweile hat er sich – typisch für ihn - still und leise auf Rang 25 der Deutschen Dressurreiter geritten. Er hat seine Erfolge in Schweren Prüfungen bis Grand Prix Spezial durch eigene Leistung ohne die Mitunterstützung von Sponsoren erreicht, was gerade in der heutigen Zeit fast unmöglich erscheint. Dieser Weg ist nicht einfach und mit einer Menge Arbeit und Selbstdisziplin gepflastert. Wir haben Jörn Kubelke auf seiner Reitanlage interviewt:

FutterJournal:
Wie kann man sich den Beginn einer großen Reitkarriere vorstellen, Herr Kubelke?
Jörn Kubelke:
Zunächst begann ich mit 8 Jahren mit dem Voltigieren. Von meinem gesparten Taschengeld kaufte ich mein erstes Pony. Später erwarb ich von einem Pferdehändler, der gleichzeitig auch mit Schlachtpferden handelte, das erste eigene Großpferd von meinem Konfirmationsgeld. Der dreijährige Wendelin von Wendelstein zeigte sich als Glücksgriff. Ich war mit diesem Pferd sogar recht erfolgreich.

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Jörn Kubelke erweckt beim Reiten den
Eindruck unglaublicher Leichtigkeit

FutterJournal:
Hatten Sie einen Lehrer oder waren Sie auf sich alleine gestellt?
Jörn Kubelke:
In dem jetzigen Bundestrainer für junge Reiter, Dolf-Dietram Keller, fand ich einen guten Lehrer, so dass ich mit Wendelin bis in die Plazierung in der M-Dressur ritt. Plazierungen im M-Springen scheiterten leider an Wendelins Abneigung gegen Wassergräben.

FutterJournal:
Sie sind ein bekanntes Gesicht auf den Auktionen des Hannoveraner Verbandes. Man sah Sie nicht selten Pferde vorstellen, die sehr hohe Preise erlangten.
Jörn Kubelke:
Bereits mit 14 Jahren ritt ich auf Auktionen. Ich hatte schon früh Spaß daran mich auf besondere Pferde einzulassen und mich ganz auf deren Eigenpersönlichkeit zu konzentrieren.

FutterJournal:
Sie haben immer viel Wert auf ihre Ausbildung gelegt und sich besonders gute Lehrmeister gesucht.
Jörn Kubelke:
Es war ein großes Glück für mich, dass ich meine Ausbildung als Bereiter bei dem jetzigen Bundestrainer der Dressur, Holger Schmezer, absolvieren konnte.

FutterJournal:
Eine Besonderheit Ihres Reitstils ist, dass man das Gefühl hat, es wäre alles sehr einfach und die Pferde machten von sich aus mit.
Jörn Kubelke:
Viel habe ich auch bei Arthur Kottas-Heldenberg in Wien gelernt. Nach meiner Lehre verbrachte ich bei ihm als Betriebsleiter eineinhalb Jahre in seinem Privatstall. Herr Kottas ist einer der ganz großen Künstler in der Reiterei. Er arbeitet ohne Druck mit den Pferden. Es faszinierte mich sehr und ich hatte bei ihm die Gelegenheit vor allem die hohen Lektionen wie Piaffe und Passage zu erlernen. Kottas arbeitet nicht mit Kraft, sondern ausschließlich mit reiner Technik und mit Gefühl. Diese Art der Reiterei habe ich mir zum Ziel gesetzt.

FutterJournal:
Anschließend haben Sie wieder für den Verband Hannoveranischer Pferdezüchter gearbeitet und waren als Bereiter angestellt.
Jörn Kubelke:
Ja, ich habe dort auch meinen Meister gemacht. Mein Ziel war jedoch mich selbstständig zu machen, was mir dann 1994 nach meiner Hochzeit gelang.

FutterJournal:
Reiten ist schwer, wie wir alle wissen. Was ist Ihr Geheimnis in der Reiterei?
Jörn Kubelke:
Ich versuche dem Pferd – auch in schwierigen Fällen – nicht den Willen zu brechen. Auch lasse ich mich nicht vom Pferd provozieren. Ich möchte mit dem Pferd das Miteinander anstreben, nicht das Unterordnen. Druck bringt Druck, Zug bringt Zug.

FutterJournal:
Das ist vergleichbar mit der Arbeitswelt des Menschen. Hier hat man sich auch in den letzten Jahren vom autoritären Führungsstil und hierarchischen Systemen zur Teamarbeit und zur Bildung von Netzwerken hinentwickelt. Zumin- dest aus intelligenten Mitarbeitern kann man so mehr herausholen. Vielleicht wird das der Weg der Reiterei in der Zukunft?
Jörn Kubelke:
Vielleicht kann man es so vergleichen. Man kann weder Menschen noch Pferde in eine Schablone pressen. Bei mir wird jedes Pferd anders behandelt. Entsprechend seiner Persönlichkeit. Es kann nicht ein einziger Weg zum Ziel führen.

FutterJournal:
Interessant ist, dass Sie doch hochkarätige Ausbilder hatten. Wie sieht es aber heute aus? Haben Sie ausgelernt?
Jörn Kubelke:
Natürlich habe ich einen Trainer, Jonny Hilberath. Er war schon deutscher Meister der Berufsreiter, erfolgreicher Trainer im B-Kader und Trainer junger Reiter. Ich versuche mich ständig weiterzubilden, frei nach Emmanuel Kant: Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden.

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Unterstützung erfährt Jörn Kubelke durch
seine Frau Ulrike

FutterJournal:
Welche Pferde reiten Sie am liebsten?
Jörn Kubelke:
Ich bevorzuge junge Pferde. Es ist sehr schön ihre Talente zu entdecken und zu fördern. Jedes Pferd hat eine Chance verdient. Natürlich sage ich einem Besitzer auch, wenn ein Pferd begrenzt ist. Es wäre für manche Pferde auch eine Quälerei sie weiterzutrainieren.

FutterJournal:
Haben Sie noch reiterliche Vorbilder?
Jörn Kubelke:
Ich sehe gerne Hubertus Schmidt. Seine Reitweise gefällt mir sehr gut.

FutterJournal:
Ihre Reitanlage ist voll belegt. Sie haben über 40 Pferde zu versorgen.
Jörn Kubelke:
Es ist natürlich anstrengend, neben der Leitung eines Stalles, mit alleine vier Bereiterinnen bzw. Lehrlingen und vorwiegend Berittpferden auch dem Turniergeschäft nachzugehen. Gottlob haben wir sehr gute Kunden, davon viele alte Stammkunden, die ihre Pferde auch zum Verkauf bei mir ausbilden lassen.

FutterJournal:
Sie geben auch selbst Unterricht bis nach Australien und die U.S.A!
Jörn Kubelke:
Das kommt auch noch dazu, dass ich hier mittlerweile ebenso engagiert bin und eine große Nachfrage besteht.

FutterJournal:
Ist es schwierig, ohne Sponsor auf sich gestellt zu sein?
Jörn Kubelke:
Es ist nicht immer leicht alles alleine zu machen. Man kämpft um Startgenehmigungen und dann ist das Pferd krank. Hat man nur ein gutes Pferd, tut das weh. Da ist nicht einfach.

FutterJournal:
Sie legen sehr großen Wert auf die Fütterung, lassen sich die Sättel maßanfertigen. Das sieht man selten in der üblichen Reiterei.
Jörn Kubelke:
Wir sind offen für alle Seiteneinflüsse, die auf eine gute Reiterei wirken. Nur ein Pferd, dem es körperlich und psychisch gut geht, ist zu Hochleistung fähig, zumindest langzeitig. Zu einer modernen Reiterei gehört auch die Berücksichtigung von hochwertiger Fütterung, Osteopathie, einem gutem Schmied und passenden Sätteln.

FutterJournal:
Wer also ein Pferd von Ihnen ausgebildet haben möchte, kann sicher sein, dass es in gute Hände kommt?
Jörn Kubelke:
Wir tun auf alle Fälle unser Bestes.

FutterJournal:
Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und Gesundheit im Stall!

Das Interview führte Dr. Susanne Weyrauch

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Reitanlage Mulsumer Berg

Mulsum, Landkreis Stade
Tel.: 0171-21020 35