Wechselhafte Geschichte

Friese-IntroFriesen – die schwarzen Spezialisten

Groß, lackschwarz und frech. Das war mein erster Eindruck als sechsjähriges Mädchen, als mein Vater den ersten Friesen gekauft hatte. Durk war für mich das klügste Pferd der Welt, weil er so neugierig war und auf mich wie ein Zirkuspferd wirkte, wenn er einen Eimer mit sich herumtrug oder meine Reitkappe anfraß. Zwei Jahre später kaufte Vater den zweiten Friesen. Ganz anders im Charakter war er eher ein Einmann-pferd, nicht so verschmust, aber immer leistungsbereit.

Heute sind die beiden weit über 20 Jahre alt, unzertrennbar und eingespielt wie ein altes Ehepaar. Nur wenn es Durk einmal langweilig wird, klettert er unter der Boxenabsperrung durch und geht spazieren.

Eine uralte Pferderasse

Die Vorfahren der heutigen Friesen sind viel älter, als man vermuten würde. Knochenfunden nach zu urteilen, züchtete der Volksstamm der Friesen schon im ersten Jahrhundert n.Chr. eine für damalige Verhältnisse sehr große Pferderasse mit einer Widerristhöhe von 1,50cm. Die Römer brachten die Friesen mit nach England. Dort wurden sie zu Stammvätern verschiedener Rassen, wie beispielsweise des Shirehorses, sowie der Fell- und Dalesponys. Auch die Merensponys in Frankreich, die oft als kleine Friesen bezeichnet werden, haben den Urfriesen in ihrem Stammbaum. Die wohl bekannteste von Friesen geprägte Rasse sind die Orlow-Traber.

Die Geschichte unserer heutigen Friesen begann im 16. und 17. Jahr hundert in den Niederlanden. Zu dieser Zeit waren die Niederlande von Spanien besetzt. Es wütete der 80-jährige Krieg, der letztendlich mit der Unabhängigkeit der Niederlande endete. Während dieser Auseinandersetzungen jedoch brachten die Spanier Iberische Pferde mit, die mit den alten Friesen gekreuzt wurden. Über 80 Jahre waren die Iberischen Pferde im Land und der Friese wurde veredelt. Die Spanischen Pferde brachten die hochweiten Bewegungen und das edle Auftreten mit. Die „neue Rasse“, die die einzige eigene Rasse der Niederlande werden sollte, führte damit das gleiche Blut wie beispielsweise die Lipizzaner oder die Kladruber, da schon früher Iberische Pferde in der sogenannten Barockpferdezucht, und dadurch auch in der Friesenzucht, eingesetzt wurden.

Friese-Titelbild

Man kennt die Friesen nur schwarz

Die schwarze Farbe war nicht immer selbstverständlich. Anfangs gab es alle Farben, vereinzelt sogar Schimmel. Nach und nach wurden nur noch die schwarzen Pferde als Friesen anerkannt, da die schwarze Farbe schon damals als besonders edel und begehrenswert geachtet wurde. Heute tauchen noch manchmal fuchsfarbene Friesen auf.

Der frühe Einsatz als Ritterpferd

Die Friesen waren durch ihre starke Statur bei geringer Widerristhöhe als Ritterpferd prädestiniert. Des Weiteren waren sie auch vor den Streitwägen und später als Arbeitspferde sehr beliebt. Sie wurden an Königshäusern und von reichen Bauern gehalten. Ein Friese war außerhalb der Niederlande als Königsgeschenk sehr beliebt. Auch im Trabrennsport wurden die Friesen auf kurze Distanzen eingesetzt. Als die Distanzen länger wurden, kamen aber auch im Trabsport leichtere Rassen zum Zug. Durch die extremen Trabbewegungen, die die Friesen mitbrachten, blieb ihr Erbgut teilweise im Trabsport erhalten. In den Orlow-Trabern wurden die guten Trabveranlagungen der Friesen und die Schnelligkeit der Vollblüter miteinander vereint.

Kritisches Aussterben

Als elegantere Pferde in Mode kamen und das Schlachtross nicht mehr benötigt wurde, starben die Friesen beinahe aus. Die heutige Friesenpopulation geht daher auf drei Friesenhengste im 19. Jahrhundert zurück. Der Erhalt dieser Rasse ist wenigen Züchtern zu verdanken, die mit sehr viel Idealismus an dem Erhalt der Rasse gearbeitet haben. Daher sind die heutigen Friesen, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen, sehr nah miteinander verwandt. Manche Friesen können, anhand eines Merkmals, wie zum Beispiel dem speziell gebogenen Hals oder dem Gesichtsausdruck, einem Stammhengst zugeordnet werden. Durch diese enge Verwandtschaft können mögliche erbliche Belastungen nicht einfach weggezüchtet werden.

Rassetypische Merkmale

Die Friesen zeichnen sich durch die schwarze Farbe, den meist sehr üppigen Behang, einen starken Körperbau und nicht zuletzt durch einen extremen Kötenbehang aus. Sie werden meistens größer geschätzt als sie sind, da sie ein sehr majestätisches Auftreten haben. Durch einen Modetrend, der immer elegantere Vertreter fordert, wird diese Rasse immer leichter gezüchtet. Den typischen Friesen gibt es fast gar nicht mehr.

Bei einer Größe von 1,55- 1,65 Meter Stockmaß haben die Friesen meistens einen sehr starken Hals und eine gute Hinterhandmuskulatur. Die Hengste und Wallache sind etwa fünf bis acht Zentimeter größer als die Stuten. Durch die Tatsache, dass die Hengste und Wallache ein eleganteres Auftreten haben, sieht man im Allgemeinen weniger Stuten in der Reiterei. Der gute Charakter dieser Rasse erlaubt sehr oft das Halten von Reithengsten.

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Der Friese ist eine alte und edle Pferderasse, die heute wieder sehr beliebt ist

Gerne im Fahrsport gesehen

Wie schon in alten Zeiten, wird der Friese heute noch sehr gerne im Fahrsport eingesetzt. Das ist durch das imposante Auftreten, die ureigene Art sich zu bewegen und den sehr guten Charakter zu erklären. Oft werden sogar Züge mit vier und mehr Pferden ebenso im Freizeitsport gefahren. In der barocken Reiterei erfreuen sich die „schwarzen Perlen“ zusehends größerer Beliebtheit. Die „neuen Friesen“, also die sehr leichten und hochbeinigen Exemplare, sind vereinzelt auch im großen Dressursport erfolgreich unterwegs.

Auch Freizeitreiter schätzen den ausgeglichenen freundlichen Friesen. Nicht zu vergessen sind natürlich die zirzensischen Fähigkeiten dieser Rasse. So werden sie sehr gerne für Schauprogramme ausgebildet und sind auch in fast jedem größeren Zirkus zu finden. Durch den Körperbau haben die Friesen ein kleineres Lungenvolumen als andere Pferde mit dem gleichen Gewicht. Daher sollte das Training speziell auf die rassentypischen Merkmale abgestimmt werden.

Fütterung anpassen

Die meisten Friesen sind sehr leichtfuttrig. Das heißt, sie verwerten ihr Heu oder Gras bis zum letzten Krümel sehr gut. Da sie von sich aus schon eine sehr kompakte Figur haben, ist darauf zu achten, dass die Fütterung nicht zu üppig ausfällt. Sehr wichtig ist eine eiweißreduzierte Kost. Das schließt besonders im Sommer einen nur begrenzten Weidegang mit ein. Da viele Friesen für Haut- und Fellerkrankungen anfällig sind, ist ein besonderes Augenmerk auf eine gute Mineralstoff- und Spurenelementversorgung zu legen. Damit zeigt sich ein deutliches Problem in der Fütterung dieser Rasse: wird ein Friese nicht ausreichend bewegt, nimmt er schnell zu und der Futtermeister muss das Futter reduzieren. Die damit verbundene geringere Versorgung mit Ölkomponenten, Mineralien und Vitaminen kann langfristig zu Mangelerscheinungen führen, die sich in Verfärbungen des schwarzen Fells in braun (Kupfermangel), Mauke (Zinkmangel) oder Ekzem (allgemeiner Vitalstoffmangel) zeigen können.

Die vorsichtige Fütterung der Friesen meines Vaters hat sich gelohnt. Auf diese Weise kann man die beiden über 20-jährigen Opas immer noch reiten.

Dipl. Ing. agr. (FH) Eva Beuttler