Richtig dosieren

Berechnung-IntroWie berechnet man die tägliche Zufuhr?

Der Pferdehalter muss sich heutzutage in einem unendlich scheinenden Angebot von Ergänzungsfuttermitteln zurecht finden. Auf der Suche nach einem bestimmten Nährstoff für sein Pferd sieht er sich verschiedensten Herstellerdosierungen ausgesetzt. Aber wie vergleicht man Produkte untereinander? Woher weiß man, welche tägliche Dosis das Pferd zugeführt bekommt?

Die Tatsache, dass auf der Inhaltsangabe der Packung ein bestimmter Nährstoff aufgelistet ist, sagt nur wenig darüber aus. Erst wer sich die Mühe macht und die Zufuhr anhand der enthaltenen Menge und der Fütterungsempfehlung berechnet, kann erfahren, wie viel sein Pferd von diesem Nährstoff aufnimmt.

Berechnung-Intro2Zur Berechnung interessiert uns zunächst der Gehalt an einem bestimmten Nährstoff (zum Beispiel Biotin, Zink, Rohprotein). Dieser ist unter Zusatz- bzw. Inhaltsstoffe zu finden. Während die Inhaltsstoffe in Prozent deklariert sind, werden die Zusatzstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in g, mg, µg oder IE angegeben. Alle Daten beziehen sich dabei auf ein Kilo des Futtermittels. Bei einem Biotin-Ergänzungsfuttermittel kann das zum Beispiel eine Menge von 2.000.000µg Biotin pro Kilo sein oder bei einem Kraftfutter zum Beispiel 12% Rohprotein oder 160mg Zink pro Kilo.

Die nächste Angabe, die zur Berechnung benötigt wird, ist die Fütterungsempfehlung. Hier gibt der Hersteller die täglich zu verabreichende Futtermenge in Gramm oder Kilo an. Da jeder Futtermittelhersteller andere Mengen von Zusatzstoffen verwendet und andere Fütterungsempfehlungen gibt, können die zugeführten Nährstoffmengen stark variieren. Dadurch wird ein Preisvergleich sehr schwierig. Auch aus diesem Grunde lohnt es sich also, ein wenig zu rechnen.

Kleine Mathematikstunde

Allgemein gilt folgende Formel für Futtermittel, die in Gramm gefüttert werden: Die enthaltene Nährstoffmenge wird mit der empfohlenen Futtermenge multipliziert und dieses Ergebnis durch Tausend (wegen Futtermenge in Gramm) geteilt.

Zufuhr = enthaltene Menge pro kg x tägl. Futtermenge in g / 1.000

Für Futtermittel, die in Kilogramm gefüttert werden, wird die enthaltene Nährstoffmenge mit der empfohlenen Futtermenge multipliziert:

Zufuhr = enthaltene Menge pro kg x tägl. Futtermenge in kg

Wir werden nun beispielhaft an den Stoffen Biotin, Zink und Rohprotein die Zufuhr ermitteln:

1. Rechenbeispiel:

ein Biotin-Präparat enthält 2.000.000µg Biotin und 2.500mg Zink
Die tägliche Futtermenge soll laut Hersteller 15g betragen.
Wie viel Biotin und Zink erhält unser Pferd also mit 15g?

Biotin-Zufuhr =
2.000.000 µg x 15 g / 1.000 = 30.000 µg Biotin = 30 mg pro Tag

Zink-Zufuhr =
2.500 mg x 15 g / 1.000 = 37,5 mg Zink pro Tag

Dieses Produkt wäre also nicht zur Bedarfsdeckung von Zink geeignet.

2. Rechenbeispiel:

ein Müsli enthält 12% Rohprotein und 160mg Zink.
Die Fütterungsempfehlung lautet 2,5kg täglich für Großpferde.
Wie viel Rohprotein und Zink erhält unser Pferd also mit 2,5kg?

Zwischenrechnung:
12% Rohprotein pro Kilo = 120 g pro 1.000 g

Protein-Zufuhr =
120 g x 2,5 kg = 300 g Rohprotein pro Tag

Zink-Zufuhr =
160 mg x 2,5 kg = 400 mg Zink pro Tag

In Kombination mit gutem Grundfutter wird hier sichtbar eine bessere Zinkversorgung erzielt.

Vielleicht können diese kleinen mathematischen Ausführungen helfen, Futter untereinander besser zu unterscheiden und bedarfsgerechter zu dosieren.Aber auch wenn wir die Zufuhr eines Nährstoffs korrekt berechnet haben, so bedeutet das leider noch nicht, dass diese Menge im Verdauungstrakt auch resorbiert wurde und bis in die Zellen zur endgültigen Verstoffwechselung angekommen ist. Denn anorganische oder stark verarbeitete Nährstoffe sind für den Organismus weniger bioverfügbar.

Legen Sie bei der Produktauswahl also nicht nur Wert auf eine gute Dosierung und „nackte Zahlen“, sondern auch auf eine hohe Bioverfügbarkeit, durch naturnahe oder organisch gebundene Nährstoffe.

Unsere Pferde zeigen uns meist sehr genau, ob wir die richtige Wahl getroffen haben. Denn neben aller Mathematik gilt nach wie vor „das Auge füttert mit“.

Berechnung-Titelbild

Christine Bauer