Das schwarze Gold Ägyptens
Türken bestreuen traditionell ihre Fladenbrote mit den kleinen schwarzen Körnern. Wie viele Orientalen lieben sie das pfeffrig scharfe Schwarzkümmel-Gewürz in ihrem Brot schon seit der Antike und schätzen sein Öl als Heilmittel bei vielerlei Beschwerden. Ägyptische Priester sollen es als Vitalitätsdroge und als Aphrodisiakum verwendet haben.
Kranke Pharaonen erhielten es von ihrem Leibarzt und nach dem Tod als wertvolle Grabbeigabe für den Weg ins Jenseits. Die schöne ägyptische Königin Nofretete pflegte mit dem kostbaren Öl ihre Haut. Vor eineinhalb Jahrtausenden befasste sich sogar der Prophet Mohammed mit den segensreichen Wirkungen des ägyptischen Schwarzkümmels und schrieb in seinem Buch Hadith: „Ägyptischer Schwarzkümmel heilt jede Krankheit - außer den Tod“.
Behandlungserfolge bei Asthma
Dass die schwarzen Samen im 20. Jahrhundert auch in Europa berühmt wurden, ist vor allem dem deutschen Immunologen Dr. Peter Schleicher zu verdanken: Baronesse, das erfolgreiche Dressurpferd seiner Tochter litt plötzlich unter Asthmaanfällen. Wegen der gefürchteten Nebenwirkungen lehnte der Arzt die sonst übliche Cortisontherapie ab und suchte nach alternativen Heilmethoden. Er fand einen ägyptischen Tierarzt, der ihm empfahl, Schwarzkümmelkörner ins Futter der Araberstute zu mischen - seit Jahrhunderten eine bewährte Behandlungsmethode bei Atemwegsproblemen von Pferden im Orient. Daraufhin wurde „Haba el Baraka“ - der „segensreiche Samen“ aus Kairo eingeflogen - und wirkte: schon nach wenigen Tagen konnte die kranke Stute wieder aufatmen!
Als 1996 ein deutscher Regierungspolitiker mit Schwarzkümmelöl von seinen lebensbedrohlichen Asthmaanfällen geheilt wurde und diverse Medien öffentlichkeitswirksam darüber berichteten, gewann Schwarzkümmel auch bei uns zunehmend an Bedeutung und immer mehr begeisterte Anhänger.

Schwarzkümmelsamen
Ein Hahnenfußgewächs
Der Echte Schwarzkümmel heißt botanisch Nigella sativa und stammt aus dem vorderen Orient. Kultiviert wird die bläulich blühende, zierliche Pflanze seit langem vor allem in Ägypten, heute auch in der Türkei und in Syrien. Die hierzulande beliebte Zierpflanze „Jungfer im Grünen“ oder „Venushaarige“ (Nigella damascena) sieht dem Echten Schwarzkümmel sehr ähnlich, hat aber viel feinere Blätter mit haarförmig-fein zerschlitzten, langen Zipfeln. Beide Arten aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) sind weder mit unserem bekannten Gewürz-Kümmel noch mit dem orientalischen Kreuzkümmel verwandt. Diese beiden gehören zur Familie der Doldenblütler.
Echter Schwarzkümmel ist ein einjähriges Kraut, wird 30 bis 80 Zentimeter hoch und blüht von Juni bis August. Die begehrten schwarzen, dreikantigen Samenkörner bilden sich in mohnähnlichen Kapseln. Ihr schwach bitterer und gleichzeitig scharfer, leicht pfeffriger Geschmack ist auf den Gehalt von 0,5 bis 1 Prozent ätherischer Öle sowie des Bitterstoffs Nigellin zurückzuführen.
Mehr als eine Ölfrucht
Hauptbestandteile des schwarzen Samens sind 21 Prozent hochwertiges Eiweiß sowie 35 Prozent fettes Öl. Die-ses ist gelblich und riecht stark aromatisch. Es enthält circa 85 Prozent gesundheitsfördernde ungesättigte Fettsäuren: zu etwa 25 Prozent einfach ungesättigte Ölsäure und zu etwa 60 Prozent zweifach ungesättigte Linolsäure (Omega-6-Fettsäure). Ölsäure wirkt Cholesterinspiegel senkend und allgemein günstig auf das Herz-Kreislauf-System. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Linolsäure sind lebensnotwendig und müssen dem Körper mit der Nahrung zugeführt werden. Sie steuern zahlreiche wichtige Stoffwechselfunktionen im Organismus, dienen als Bausteine zur Synthese körpereigener Hormone (zum Beispiel Prostaglandinen), wirken regulierend auf das Immunsystem und hemmen allergische sowie entzündliche Prozesse.
Wissenschaftlich untermauert

Quelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomè -
Flora von Deutschland, Österreich und
der Schweiz - 1885, Gera, Deutschland
Die vielfältigen Wirkungen des Schwarzkümmels bestätigen moderne Studien aus aller Welt: sie erweisen seine heilsamen Wirkungen bei Akne, Hautentzündungen, Neurodermitis und Schuppenflechte, Asthma, Allergien, Rheuma und sogar bei der Bekämpfung von Tumoren. Amerikanische Forscher wiesen im Reagenzglas außerdem die immunregulatorische und entkrampfende Wirkung von Schwarzkümmelsamen nach.
Innerlich und äußerlich
Bei wunden Stellen, Satteldruck, Hufentzündungen und Geschwülsten kann Schwarzkümmelöl Linderung verschaffen. Dazu bringt man einige Tropfen reines Schwarzkümmelöl auf die betroffenen Stellen und massiert sie sanft ein. Kleine Verletzungen und nicht zu tiefe Schnittwunden kann man ebenfalls mit einem Gemisch aus Schwarzkümmel- und echtem ätherischen Lavendelöl durch Auftragen mit einem Wattetupfer oder Auftropfen behandeln. Im Orient mengt man die schwarzen Körner deshalb seit Jahrhunderten auch dem Futter wertvoller Pferde bei, insbesondere bei Atemwegskrankheiten, vor allem Husten sowie bei allergischen Reaktionen und Ekzemen der Tiere, aber auch zur Stabilisierung und allgemeinen Stärkung der Abwehrkräfte. Das im Schwarzkümmel enthaltene ätherische Öl verhindert zudem Pilz- und Bakterienwachstum und wirkt antiparasitär.
Dr. Christina Paulson










