Ein guter Freund kommt in die Jahre

Inhalt-HundSelbst blieben wir bisher verschont, aber an unserem Vierbeiner entdecken wir eines Tages das erste graue Haar – meist an der Schnauze oder an den Ohren. Nach den bis jetzt verbrachten wunderschönen gemeinsamen Jahren mit großen Spaziergängen und Herumtollen auf der Wiese stellt sich für den verantwortungsbewussten Hundehalter nun die Frage, wie es denn jetzt weitergeht. Ist der Hund alt und muss in Rente gehen?

Wie berechnet man das Hundealter?

Zuerst einmal gilt es festzustellen, wie alt – in Menschenalter gerechnet – der Hund nun eigentlich ist. Es gibt viele Formeln und Tabellen. Einige bei meiner mittelgroßen elfjährigen Shiba-Inu-Mischlingshündin angewandt, ist sie irgendwo zwischen 63 und 80! Fegt sie beim Vögeljagen durch den Garten, ist sie 30, liegt sie dann anschließend im Flur und keucht, scheinen die 80 Jahre reeller...

Tatsache ist, dass kleine Hunde wesentlich älter werden als große Rassen – und demzufolge auch relativ gesehen langsamer altern. Während viele kleine Hunde durchaus auf die 20 zugehen können, ist eine Dogge mit 10 Jahren bereits im biblischen Alter. Sicher haben aber individuelle Einflüsse wie genetische Veranlagungen, Ernährung, Haltung und gehäufte Krankheiten eine entscheidende Einwirkung auf das Altern unserer Hunde.

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Alte Hunde brauchen mehr Verständnis

Alter ist keine Krankheit

Alter selbst ist keine Krankheit, sondern der letzte Teil eines biologischen Ablaufs im Körper, der mit der Geburt beginnt. Dass unser treuer Begleiter in die Jahre kommt und jetzt mehr auf unsere Hilfe und unser Verständnis angewiesen ist, sehen wir an untrüglichen äußerlichen Veränderungen, ganz ähnlich denen, die wir auch bei uns feststellen können: Die Haare werden grau, meist von der Schnauze aus über die Ohren und dann allmählich über den ganzen Körper ausgebreitet.

Wir stellen auch fest, dass der Mundgeruch mit den Jahren deutlich unappetitlicher wird. Das kann ein Hinwies auf schlechte Zähne, Parodontose, dauerhaft entzündete Rachenmandeln oder aber eine gestörte Verdauung sein. Oft lässt die Sehkraft deutlich nach. Da der Hund das lange durch den verstärkten Einsatz anderer Sinnesorgane wie Nase oder Ohren kompensieren kann, fällt es dem Hundehalter oft erst auf, wenn der Hund fast blind ist und die zugeworfene Lieblingswurst an der Nase vorbei auf den Boden fällt. Aber auch das Gehör und der Geruchssinn, der dem des Menschen immer um ein Vielfaches überlegen war, können mit den Jahren wie bei uns Menschen auch schlechter werden.

Der Hund braucht mehr Schlaf

Ein weiteres Merkmal ist die Tatsache, dass der Hund mehr schläft als früher oder einfach in Situationen, wo er früher aufsprang und durch die Wohnung flitzte, jetzt auf seinem Schlafplatz liegen bleibt und allenfalls ein Auge riskiert. Diese verringerte Bewegungsfreude hat dann aber auf Dauer auch noch zur Folge, dass bei gleicher Fütterungsmenge und -qualität in Verbindung mit dem langsameren Stoffwechsel die Taille breiter wird. Das so langsam entstehende Übergewicht wirkt sich nun wiederum negativ auf Gelenke, Muskeln und Bindegewebe aus.

 

Mit diesen sichtbaren Zeichen einher geht die verlangsamte Zellteilung, was bedeutet, dass sich der Hund nach Anstrengungen oder Krankheiten langsamer regeneriert. Stoffwechselendprodukte werden nicht mehr so schnell ausgeschieden, bleiben zu lange im Körper und belasten das physiologische Gleichgewicht. Ernährung und Sauerstoffversorgung lebenswichtiger Organsysteme, vor allem des Gehirns, verlangsamen sich.

Hinter all diesen Anzeichen, die uns bei unserem vierbeinigen Senior sicher nicht gefallen, kann sich auch eine ernsthafte Erkrankung verbergen. Die Möglichkeit steigt mit zunehmendem Alter deutlich. Im Zweifelsfall sollte der Tierarzt gefragt werden, denn eine schnelle Reaktion kann Schmerzen und Verschlimmerung verhindern.

Fettpölsterchen im Alter

Damit der Hund auch bei weniger Bewegung nicht zu sehr zunimmt, sollte die Ernährung jetzt auf „Senior“ umgestellt werden. Hochwertiges Eiweiß wie Ei, mageres Rind- oder Hühnerfleisch, gekochtes Gemüse und Früchte bei reduzierter Kohlenhydratfütterung sollte jetzt die Nahrung unseres Seniors sein. Bei nachlassendem Kauvermögen oder wenn vielleicht Zähne gezogen werden mussten sollte das Futter notfalls auch püriert werden. Denn die ganz hinunter geschluckten Brocken, die nicht mehr zermahlen werden können, belasten die Darmpassage unnötig.

Der Hund kommt mit dem Älterwerden normalerweise ganz gut zurecht, aber ich glaube, er braucht jetzt, wo er weniger von der Umwelt wahrnimmt als vorher, weil die Nase, die Ohren und die Augen nicht mehr so richtig mitmachen, noch ein bisschen mehr Nähe als vorher, und die Sicherheit, dass wir ihn immer noch lieb haben, auch wenn mal ein Malheur passiert…

Cordula Becker