Gesund füttern mit Hefe und Malz
Bedeutende Brauereien setzen immer noch prächtig ausgestattete Pferdegespanne als Sympathieträger ein. Aber auch für die Fitness der Pferde leisten die Brauereien einen Beitrag: Die Bierhefe ist eines der am meisten bewährten Nahrungsergänzungsmittel für Pferde. Dazu passt als weitere Komponente sehr gut das Malz. In Gestalt von Malzbier findet man diese Kombination neuerdings recht häufig in Turnier- und Rennställen.
Die Erfahrung zeigt, dass gestresste Sportpferde damit wieder mehr Appetit auf ihr Futter bekommen und mit mehr Elan und Nervenstärke ihre Leistung bringen. Man fragt sich, welche Bestandteile von Hefe und Malz dafür wohl verantwortlich sein können.
Was macht Bierhefe so wertvoll?
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Im Braukessel wird das geschrotete Malz
mit Wasser vermischt und schonend erhitzt
Die Bierhefe wird gerne als wertverbessernde Zutat in Ergänzungsfuttermittel eingemischt. Dafür ist die inaktivierte und zur besseren Verdaulichkeit aufgeschlossene Hefe besonders gut geeignet.
Im Standardwerk „Pferdefütterung“ (4. Auflage) von Meyer und Coenen wird die günstige Wirkung der Bierhefe bei Schädigung der Darmflora, Appetitlosigkeit und allgemeiner Leistungsschwäche hervorgehoben.
Die verdauungsfördernden Mikroorganismen der Darmflora profitieren von der Bierhefe auf doppelte Weise. Zum einen kann die Bierhefe schädliche Darmbakterien wie E-Coli und Salmonellen binden und damit die Konkurrenz der Darmflora kurz halten. Zum anderen dienen bestimmte Hefeinhaltsstoffe den nützlichen Darmbewohnern als wertvolle Nahrungsquelle. Die Nährstoffe aus der Hefe werden auch vom Organismus der Pferde genutzt.
Die Bierhefe enthält zum Beispiel Eiweiß mit einer sehr günstigen
Aminosäurenzusammensetzung. Dadurch wird die oft einseitige Eiweißqualität der pflanzlichen Futterstoffe aufgewertet. Auf ein gutes Aminosäuremuster des Futtereiweißes sind zum Beispiel Zuchtstuten und Fohlen für Wachstumsprozesse besonders angewiesen. Auch die Vermehrungsfähigkeit der Zellen des Immunsystems und die Ausbildung der Muskulatur bei Sportpferden können vom reichhaltigen Hefeprotein, zum Teil auch von den Nucleinsäuren der Hefezellkerne profitieren. Die schwefelhaltigen Aminosäuren der Hefe leisten unter anderem im Bereich der Hufe und der Haut wertvolle Aufbauhilfe.

Vitalstoffe der Bierhefe
Die B-Vitamine, von denen die Bierhefe mehr als jedes andere natürliche Futtermittel enthält, sind für Verdauungs- und Stoffwechselprozesse, die Blutbildung und die Nervenfunktion des Pferdes von großer Bedeutung. Eine weitere Besonderheit der Bierhefe: Sie enthält einen Glucosetoleranzfaktor und natürlich gebundenes Chrom, das ebenfalls in die Zuckerverwertungsprozesse eingebunden ist. Davon können möglicherweise auch Pferde mit gestörtem Zuckerstoffwechsel profitieren (siehe Artikel zum „Metabolischen Syndrom“ in dieser Ausgabe). Bei diabetischen Menschen und einigen Säugetieren wurde ein positiver Effekt der Bierhefe bereits nachgewiesen. Die natürlichen Bierhefekomponenten Lezithin bzw. Cholin und Glutathion spielen unter anderem für das Nervensystem, die Muskelfunktion und die Leber eine bedeutende Rolle. Glutathion und die ebenfalls enthaltenen Spurenelemente Zink, Mangan und Selen sind Bestandteile wichtiger Radikalfängersysteme.
Diese wichtigen Schutzmechanismen des Körpers können die Zell- und Gewebeerosion abmildern, die durch aggressive Sauerstoffverbindungen aus dem Stoffwechsel verursacht wird.
Das Besondere an Malz
Malz entsteht durch Fermentation aus Gerste oder Weizen. Die dabei aktivierten Malzenzyme wandeln die Stärke des Getreidekorns in energieliefernde Zuckerverbindungen um. Außerdem sind im Malz eiweiß-, fett- und zellulosespaltende Enzyme enthalten. Enzymaktives Malz als Futterzusatz fördert auch im Pferdedarm die Verdauung solcher Nährstoffe. Gerade die Stärkeverdauung kann sonst bei manchen Pferden zum Engpass werden und Darmprobleme bis hin zur Hufrehe heraufbeschwören.
Zur zusätzlichen Unterstützung von Verdauung und Stoffwechsel liefert das Malz ähnlich wie die Bierhefe ein beträchtliches Spektrum an B-Vitaminen. Malzbier als süß schmeckender Kraftfutterzusatz weckt zudem selbst bei mäkeligen Pferden zuverlässig den Appetit.
Auch die körpereigene Krankheitsabwehr erfährt zusätzlichen Nutzen: In Laborversuchen wurde gezeigt, dass ungekochtes Malz, die sogenannte „Vorderwürze“, auf komplexe Weise das Immunsystem stimulieren kann.
Hefe und Malz sind also ein Gespann, dessen immunitäts-, verdauungs- und appetitfördernde Eigenschaften sich sehr gut ergänzen.
Vital mit Malz und Hopfen
Im Malz sind eine Reihe natürlicher Phenolverbindungen wie Flavonole, Catechin und Anthocyanogene enthalten. Damit wird das Spektrum natürlicher Antioxidantien aus der Bierhefe noch beträchtlich erweitert. Auch das Xanthohumol des Hopfens im Malzbier steuert antiradikalische und virushemmende Eigenschaften bei.
Der Schutz von Herz, Blutgefäßen (Rehevorbeugung!), Muskulatur, Haut und Nervensystem der Pferde gegen die allgegenwärtigen Sauerstoffradikale dürfte dadurch noch beträchtlich gewinnen. Die übliche Fixierung in der Fütterungslehre auf Vitamin E und Selen als vermeintlich einzig wichtige Zellschutzfaktoren ist ohnehin überholt und kann eigentlich nur durch beträchtliche Defizite in der Pferdeforschung erklärt werden. Es gilt, auch für das Pferd die ganze Vielfalt der natürlichen Antioxidantien und Radikalfängersysteme nutzbar zu machen. Bierhefe, Malz und Hopfen sind dafür eine machtvolle Option.
Wer profitiert von Hefe und Malz
Hefe und Malz sind von besonderem Nutzen
- für alle stark geforderten, gestressten und nervösen Pferde
- zur Vorbereitung der Be- deckung (Hengste und Stuten)
- für Zuchtstuten ab Hochträchtigkeit und Absatzfohlen
- für Rekonvaleszenten und ältere Pferde
- bei Fressunlust und Futterumstellung
- bei geschwächter Immunabwehr
- nach Anwendung von Anti-biotika und Wurmkuren
- bei Verdauungsstörungen
- bei Haut- und Hufproblemen sowie im Haarwechsel
Beim Metabolischen Syndrom und Neigung zu Hufrehe sollte besser die reine Bierhefe verwendet werden, da übliches Malzbier oft etwas zu viel Zucker enthält. Insgesamt bietet ein konzentrierter und wertschonend hergestellter Hefe-Malz-Extrakt mit mäßigem Zuckergehalt die meisten Vorteile. Damit kann vielen Pferden zu mehr Robustheit, Nervenkraft und Vitalität verholfen werden.

Dr. Eberhard Moll










