Vitamin A und Beta-Karotin sind sehr wichtig
Bei dem Begriff Vitamin A wird in erster Linie an die Sehfähigkeit gedacht, frei nach dem Motto, Hasen brauchen keine Brillen, sie essen ja soviel Möhren. Möhren enthalten nun tatsächlich große Mengen an Beta-Karotin, aus dem der Pferdekörper das Vitamin A bildet.
Die Funktionalität von Vitamin A geht aber weit über das Sehvermögen hinaus. Die Speicherung des fettlöslichen Vitamins erfolgt zu 90 Prozent in der Leber. Besonders hohe Gehalte an Vitamin A findet man in Milch und tierischen Produkten. In pflanzlichen Produkten, vor allem in grünen Pflanzen, kommt nur die Vorstufe von Vitamin A vor. Zu nennen ist hier das Beta-Karotin, welches zur Gruppe der Karotinoide gehört. Als Vegetarier nimmt das Pferd Beta-Karotin z.B. mit frischem Gras auf. Ein enzymatischer Aufschluss in der Dünndarmschleimhaut ermöglicht dann erst die Aktivierung in Vitamin A.
Ohne Zink kein Vitamin A
Was allerdings weniger bekannt ist, dass an der Umwandlung von Beta-Karotin in Vitamin A das Spurenelement Zink beteiligt ist, da Zink ein Bestandteil zahlreicher Enzyme ist. Das heißt, dass Störungen, die auf einen Mangel an Vitamin A hinweisen, verdeckte Zinkmangelerscheinungen sein können.
Wichtig für die Sehkraft
Vitamin A ist maßgeblich an der Bildung des Sehpurpurs (Rhodopsin) in der Netzhaut beteiligt. Durch das Rhodopsin wird es dem Auge ermöglicht, sich der Dämmerung anzupassen. Ein Vitamin A Mangel kann somit zu schlechtem Dämmerungssehen bis hin zur Nachtblindheit führen. Da Zink vorwiegend im Auge lokalisiert ist, könnte auch dies eine Rolle bei schlechtem Sehvermögen spielen.

Huf, Haut und Knochen
Vitamin A hat entscheidende Funktionen beim Wachstum, dem Knochenbau und der Hufgesundheit. Diese Wirkung zeigt sich an der Beteiligung der Zelldifferenzierung und beim Knochenwachstum. Daher ist bei Knochenbrüchen u.a. auf eine gute Versorgung mit Vitamin A zu achten, da positive Effekte auf den Heilungsprozess eintreten können. Vitamin A wird auch als Epithelschutzvitamin bezeichnet, da es die Bildung von Zellschichten -zum Schutz der Gewebe oder zum Stoffaustausch- in starkem Maße beeinflusst.
Ein Vitamin A Mangel kann daher zu gestörtem Knochenwachstum und einer schlechten Eiweißverwertung führen. Damit verbunden sind auch Störungen bei der Gewichtszunahme. Eine weitere Mangelerscheinung beim ausgewachsenen Pferd können brüchige und zur Spaltbildung neigende Hufe sein.
Das Schleimhautvitamin
Vitamin A ist an der Bildung von Zellmembranen, Immunglobulinen und Hormonen, sowie an der Bildung von Hyaluronsäure und schleimbildenden Substanzen beteiligt. Daher gilt Vitamin A auch als Schutzvitamin für die Schleimhäute der Atemwege, des Verdauungstraktes, der Harnwege und der Geschlechtsorgane. Bei Mangel kann es zu Symptomen wie Austrocknung, Verhornung, Abschuppungen und Verfärbungen der Schleimhäute kommen. Durch diese Vorgänge werden die Schleimhäute besonders durchlässig für krankmachende Keime, die zu vermehrten Infektionen führen können.
Fördert die Fruchtbarkeit
Ein Vitamin A Mangel kann zur Verkleinerung (Atrophie) der Keimdrüsen (Hoden und Eierstöcke) und damit zum Verlust der Fruchtbarkeit führen. Während der embryonalen Entwicklung kann ein Mangel zu Missbildungen bis hin zum Absterben der Frucht führen. Daher wird allgemein die zusätzliche Versorgung mit Beta-Karotin während der Trächtigkeit empfohlen. Aus Versuchen mit Rindern geht hervor, dass Beta-Karotin im Gelbkörper gespeichert werden kann. Es wurden dieselben Enzyme nachgewiesen wie in der Dünndarmschleimhaut. Dadurch können die für die Follikelreifung und Fruchternährung benötigten Mengen Vitamin A vor Ort synthetisiert werden und die Protein- sowie die Hormonsynthese kann, ohne langen Transportweg des Vitamins von der Leber bis zu den Ovarien, gewährleistet werden. Diese Thesen sind noch nicht endgültig bewiesen, ergeben jedoch einen Sinn.
Der Bedarf
Ein ausgewachsenes Pferd benötigt nach Professor Helmut Meyer 7500 Internationale Einheiten (IE) Vitamin A je 100 Kilogramm Körpergewicht. Das heißt, ausgehend von 600 Kilogramm Lebendgewicht benötig ein Pferd etwa 45000 IE pro Tag. Aus 1 Milligramm Beta-Karotin synthetisiert das Pferd, je nach Angebot bis zu 400 IE Vitamin A durch Enzyme in der Dünndarmschleimhaut. Wir sprechen hier also von einem Tagesbedarf von etwa 112 Milligramm Beta-Karotin für ein ausgewachsenes Pferd.
Ein Fohlen benötigt etwa 15000-20000 IE Vitamin A je 100 Kilogramm Körpergewicht und eine hochtragende oder laktierende Stute 10000-15000 IE Vitamin A je 100 Kilogramm Körpergewicht. Das entspricht einem Beta-Karotin Bedarf für eine Zuchtstute mit 600 Kilogramm Körpergewicht von 150-225 Milligramm täglich. Dieser Bedarf spiegelt wider, wie wichtig für Zuchtstuten der Weidegang ist.
Weidegang ist wichtig
Gras ist der Beta-Karotin Lieferant schlechthin. Es enthält je nach Alter und Zusammenspiel der Gras- und Kräutersorten, 30-75 Milligramm Beta-Karotin je Kilogramm Frischsubstanz. Je verholzter das Gras ist, desto geringer ist der Gehalt. In getrocknetem Zustand, also als Heu finden sich nur noch etwa 5-20 Milligramm Beta-Karotin je Kilo, weil es sich während der Lagerung kontinuierlich abbaut.
Ein Pferd nimmt täglich etwa sieben Prozent seines Körpergewichts an frischem Gras auf. Das entspräche im Falle der oben genannten Zuchtstute einer Menge von etwa 40 Kilogramm Frischgras. Also liegt die Beta-Karotin Aufnahme einer Zuchtstute zwischen 1200 und 3000 Milligramm Beta-Karotin täglich. Vor einer Überversorgung braucht man durch natürliche Futtermittel dennoch keine Angst zu haben, da nur so viel Vitamin A aus Beta-Karotin im Körper umgesetzt wird, wie gebraucht wird.
Im Winter knapp
Im Winter ist die Versorgung bei einer normalen Heu und Haferfütterung meistens nicht gewährleistet. Durch die in der Leber gespeicherten Vitamin A Reserven, kommt das Pferd über längere Zeit ohne Vitamin A Zugabe aus, ohne dass Mangelerscheinungen auftreten. Für eine zusätzliche Beta-Karotin Zufuhr im Winter sorgen Karotten, Grünmehl, Ergänzungsfuttermittel oder vitaminisierte Mineralfutter.
Diese Zusatzfütterung sollte bei tragenden und laktierenden Stuten mindestens in der zweiten Winterhälfte praktiziert werden, damit die Frucht nicht gefährdet wird. Fohlen kommen ohne Reserven in der Leber auf die Welt. Sie sind auf das Vitamin A aus der Muttermilch angewiesen.
Wird auf eine ausgewogene Fütterung des Pferdes geachtet, sollte ein Vitamin A Mangel kein Thema im Leben eines Pferdes sein.
A. Returner










