Die Hundemalaria hält Einzug in den Norden
Jedes Jahr freuen wir uns auf das Frühjahr, wenn wir ärmellos mit dem Hund über die Wiesen und durch die Wälder toben können. Aber regelmäßig wird diese Freude durch allerlei Getier verleidet, das nicht nur den Hund, sondern auch Herrchen und Frauchen gleichermaßen angreift, aussaugt und unerfreuliche Krankheiten beschert.
Kaum haben wir uns daran gewöhnt, uns nach dem Spaziergang nach Zecken abzusuchen, müssen wir uns schon wieder einer neuen Gefahr stellen:
Kleine Schwester der Malaria
Die Babesiose ist eine durch Zecken übertragene und durch Einzeller (Babesien) hervorgerufene Infektionskrankheit bei Hunden, die eine Zerstörung der roten Blutkörperchen und damit eine Blutarmut (Anämie) verschiedenen Grades hervorruft. Die an der sogenannten Hundemalaria erkrankten Hunde leiden an Fieber, neurologischen Symptomen und sterben aufgrund multiplem Organversagen ohne Behandlung zumeist binnen weniger Tage.
Bei den Babesien unterscheidet man bereits jetzt einige Arten, die sehr unterschiedlich in den Ansteckungs- und Krankheitsverläufen sind. Wichtig ist aber in jeden Fall, sich mit dieser „neuen“ Krankheit vertraut zu machen und schnell zu reagieren, denn nicht immer finden wir die Zecke in der Haut als Ursache für dubiose und nicht leicht zuordenbare Krankheitsanzeigen wie allgemeines Unwohlsein, Fieber oder Schmerzen. Die Babesien werden hauptsächlich durch eine spezielle Zeckenart übertragen.

Die Babesiose ist ein Mitbringsel aus südlichen Regionen
Gefahr aus dem Auwald
Die Hundemalaria wird von einer Zecke mit dem schönen Namen Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) übertragen. Die sieht etwas anders aus als unsere bisher bekannten Zecken. Die vornehmlich in Ungarn, Österreich und Norditalien heimische Zecke bevorzugt als Lebensraum feuchtere Gebiete wie Auwälder, Moore und feuchte Biotope wie Sumpfniederungen. Sie ist kältetolerant und überwintert durch eine „Kältestarre“ in einer Art Winterschlaf mit eingeschränktem Stoffwechsel. Größer und bunter als andere Zeckenarten ist sie nüchtern etwa fünf, vollgesogen mit Blut bis zu 16 Millimeter groß. Ein weißer Schild mit dunklen Flecken bedeckt beim Weibchen den vorderen Teil des Rückens, bei der männlichen Auwaldzecke den ganzen Rücken. Durch den Tourismus bzw. durch das Mitbringen von Hunden aus dem Ausland begünstigt, hat die Auwaldzecke seit 1970 auch unsere Gefilde erobert und trat bei uns bisher hauptsächlich am Oberrhein, im Saarland und in Rheinland-Pfalz auf. Heute findet man die Auwaldzecke zusätzlich in Süddeutschland, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, in der Mark Brandenburg und in Berlin.
Gefährlicher als Borreliose
Wichtig ist bei der Babesiose, dass die Erreger sofort nach dem Festbeißen der Zecke am Wirt übertragen werden. Im Unterschied zur Borreliose spielt es also keine große Rolle, wie lange die Zecke in der Haut sitzt und saugt.
Die Inkubationszeit beträgt 7-21 Tage. Nach dem Saugakt vermehren sich die einzelligen Babesien in den roten Blutkörperchen des Wirbeltieres durch sehr schnelle wiederholte Zellteilung. Die roten Blutkörperchen werden dabei zerstört, die Babesien werden frei und können weitere Erythrozyten besetzen.
Durch den Saugakt einer Zecke an einem infizierten Tier werden Erythrozyten mit Babesien aufgenommen. In der Zecke vermehren sich die Protozoen (Einzeller) und werden beim nächsten Saugakt an den neuen Wirt weitergegeben. Die rasche Ausbreitung der Erkrankung ist durch die transovarielle Übertragung bedingt, bei der alle 3000-5000 Eier in einer Zecke infiziert sind.
Uneinheitliche Symptomatik
Die Symptome sind uneinheitlich, Oft liegen unspezifische Allgemeinsymptome vor, wie Apathie, Futterverweigerung, Fieberschübe, Atemnot, Magen-Darm-Störungen, Blutarmut und Gelbsucht. Manchmal ist der Urin rotbraun gefärbt. Selten sieht man Anfälle ähnlich denen bei Epilepsie. Nicht behandelt tritt der Tod durch Anämie, Nierenversagen und Atemnot ein.
Während indirekte Nachweismethoden sehr unsicher sind, gibt es die Möglichkeit, durch speziell gefärbte Blutausstriche den Erreger nachzuweisen, wenn der Verdacht auf diese Krankheit besteht.
Rasante Ausbreitung
Während in früheren Jahren nur vereinzelt die Diagnose Babesiose gestellt wurde, sind 2005/2006 in Deutschland bereits ca. 2200 Fälle gemeldet worden. Hiervon waren 900 Hunde Urlaubsmitbringsel aus Südeuropa, 500 Hunde aus Deutschland, die mit im Urlaub waren und ca. 850 Hunde, die nie im Ausland waren. Die Dunkelziffer wird auf 3000-4000 Fälle im Jahr geschätzt. Diese Zahl könnte geringer sein, wenn die Hundebesitzer aufgrund besserer Information schneller reagieren könnten.
Schnell handeln
Präventivmaßnahmen sind die „Leibesvisitation“ des Hundes sofort nach dem Spaziergang, um die Zecken noch vor Beginn des Saugaktes vom Hund zu entfernen und das Verwenden von geeigneten Medikamenten, die den Zeckenbefall verhindern. Ihr Tierarzt weiß über das richtige Mittel gerade in Ihrer Umgebung Bescheid. In Frankreich gibt es eine Schutzimpfung und Arzneimittel, die prophylaktisch bzw. zur Therapie eingesetzt werden können. Ihr Tierarzt kann Sie auch darüber kompetent informieren.
Trotz Therapie ist jeder 10. Hund verstorben, weshalb die Prognose bei dieser Erkrankung vorsichtig zu stellen ist. Gefahr für den Menschen besteht durch den Babiose-Erreger aber aus heutiger Sicht nicht.
Es scheint uns wichtig, an dieser Stelle über diese Krankheit zu schreiben, auch wenn das Thema eher unerfreulich ist. Es lohnt sich für jeden einzelnen Hund, der überlebt hat, weil der Besitzer durch richtige Information rechtzeitig reagieren konnte
Markus Vogelbacher, prakt. Tierarzt -:- Cordula Becker










