Kämpfen lohnt sich

Tabert1Interview mit Angelika Trabert

Hoch zu Ross begrüßt uns eine gutaussehende, sympathische Frau, die fest in ihrem, eigens für sie gebauten Sattel sitzt und eine aufmerksame, unerschrockene Stute an den Rand des Reitplatzes lenkt. Am Rand des Sandplatzes steht ein Rollstuhl, der vermeintlich zufällig da platziert ist.

Die Reiterin heißt Angelika Trabert, 39 Jahre alt, ist promovierte Fachärztin für Anästhesie und geht gerade ihrem liebsten Hobby nach, welches Sie sehr erfolgreich betreibt. Durch eine Missbildung beider Beine und nur 3 Fingern an der rechten Hand ist die sportliche Frau seit Geburt an gehandicapt.

Seit ihrem 6. Lebensjahr ist sie mit dem „Pferdevirus“ infiziert. Was als Mädchentraum anfing, hat schon sehr reiche Früchte getragen. Die international und national sehr erfolgreiche Dressurreiterin ist achtmalige Silbermedaillen- und einmalige Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics. Die Platzierungen bis Klasse M im Regelsport sprechen für eisernen Willen und vor allem Kraft, sich im Leben und bei den Pferden durchzusetzen.

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Mit ihrer 12jährigen Hannoveraner Stute „Walmorel“ hat sie sich nicht unbedingt das einfachste Pferd ausgesucht, aber mit viel Geduld, Pferdeverstand und ihrem zuverlässigen Trainer, Heinrich Brähler, hat sie aus der sensiblen Stute, sie sich am Anfang nicht einmal satteln ließ, ein zuverlässiges, sehr fein zu reitendes Dressurpferd gemacht.

Ein Hilfsmittel dazu ist z.B. ein Gertenhalter für die rechte Hand, genannt MCX-Whipholder, den sie speziell mit ihrem Freund Marc Coumans entwickelt hat. Der Pilot und Flugzeugmechaniker verunglückte 2005 beim Feuerlöschen mit dem Flugzeug in Frankreich tödlich. Er hat, zusammen mit Angelika Trabert, sehr viele praktische Hilfsmittel für Menschen mit Handicap entwickelt. Als Team waren die beiden noch bei sehr vielen anderen Freizeitsportarten aktiv unterwegs, wie z.B. Tauchen, Ski fahren oder Kanu fahren. Weiteres Hilfsmittel sind die speziellen Leiterzügel, mit dem sie auch mit der rechten Hand ganz einfach die Zügel verkürzen und verlängern kann.

Während der Unterhaltung mit Angelika Trabert vergisst man völlig, dass man einem Menschen mit einem schweren Handicap gegenüber sitzt, weil ihre Energie und ihr Engagement schier unerschöpflich scheinen. Man verliert komplett die Berührungsangst, die man gegenüber anderen Menschen mit einer Behinderung manchmal hat.

FutterJournal:
Sie sind eine sehr beschäftigte Frau, engagierte Ärztin und erfolgreiche Dressurreiterin und wir freuen uns, dass Sie Zeit für uns gefunden haben. Was bedeutet für Sie der Pferdesport?
Angelika Trabert:
Er gibt mir seit 1991 auf den Paralympics, Welt- und Europameisterschaften die Möglichkeit, internationale Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Ich habe heute noch Kontakt zu manchen Pferdebesitzern, deren Leihpferde ich geritten habe, bevor wir mit eigenen Pferden starten durften. Ansonsten ist es mir wichtig, mich mittels kompensatorischer Hilfsmittel mit Reitern im Regelsport messen zu können.

FutterJournal:
Was hat man noch für sportliche Ziele wenn man schon so viel erreicht hat?
Angelika Trabert:
Mein großes sportliches Ziel war bis letztes Jahr im Regelsport in der Klasse M mitzureiten, was harter Arbeit bedurfte und worauf ich auch sehr stolz bin. Man steckt sich Ziele, wenn man eines erreicht hat, automatisch immer höher. Wer weiß was noch kommt.

FutterJournal:
Sie haben zusammen mit Ihrem Freund Marc Coumans viele Hilfsmittel für Menschen mit Handicap entwickelt. Haben Sie nicht daran gedacht, damit Geld zu verdienen?
Angelika Trabert:
Nein. Wir haben in unserer Werkstatt im Keller daran herum gebastelt, weil es uns Spaß macht, gehandicapten Menschen zu helfen. Warum sollen wir diesen Menschen Geld dafür abnehmen? Für Marc waren Ideen und Erfindungen immer nur bis zum Prototyp interessant. Zufrieden war er, wenn es in der Praxis funktioniert hat.

FutterJournal:
Was hat Sie dazu bewogen „Walmorel“ zu kaufen?
Angelika Trabert:

Ich brauchte damals ein geeignetes und für mich bezahlbares Pferd, was zu mir und meinen Anforderungen passte. „Walmorel“ habe ich damals probegeritten, sie ging in alle Richtungen nur nicht vorwärts und hatte hochgradig Sattelzwang. Trotzdem habe ich mich direkt wohl gefühlt und gemerkt, dass sie etwas ganz Besonderes ist. Vor allem mutig und unerschrocken. Sie reagiert sehr sensibel auf Gewichtshilfen und inzwischen kann ich sie vom Rollstuhl aus immerhin selbst putzen und bandagieren. Mit meinem Trainer Heinrich Brähler trainieren wir ca. 4 Mal pro Woche. Man muss ca. 1 – 1,5 Jahre Training investieren, um mit einem Pferd entsprechend zusammen zu wachsen. Wie dies auch bei Reitern ohne Handicap der Fall ist.

FutterJournal:
Benötigt man eine spezielle Bindung zwischen Pferd und Reiter?
Angelika Trabert:
Ich habe die Erfahrung während meiner 10jährigen Tätigkeit im Bereich des „Reitens als Sport für Behinderte“ gemacht, dass Pferde das beste kompensatorische Hilfsmittel sind. So sind sie oft vorsichtiger im Umgang mit behinderten Menschen und auch mit Kindern. Dass ist sehr angenehm, lässt aber auch wieder nach, wenn man die Pferde auch als Mensch mit Handicap richtig fordert.

FutterJournal:
Haben Sie noch einen guten Rat, den Sie anderen gehandicapten Menschen mit auf den Weg geben möchten ?
Angelika Trabert:
Nein. Es gibt keinen generellen Rat. Man kann niemanden zu irgendwelchen Aktivitäten zwingen. Jeder muss mit dem zufrieden sein, was er tut. Ob er auf der Couch liegt oder sportliche Höchstleistungen erbringt. Die Energie muss von jedem selber ausgehen. Aber für mich gilt: It´s Ability, not Disability, that counts! Eben diese Möglichkeiten kann jeder bei sich entdecken, man muss nur suchen.

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