Ein Mann geht aufs Ganze

Inhalt-KlaiberNaturheilkunde mit Heinz Klaiber

Oft ist es einfach nur dieses Gefühl, dass mit dem Pferd „etwas“ nicht stimmt. Manchmal ist es auch nicht zu übersehen: taktunreiner Gang, ungleichmäßig ausgebildete Muskulatur, mangelnder Schwung oder aber auch eine offensichtliche Stoffwechselentgleisung mit all ihren Begleiterscheinungen.

Der Pferdehalter, der offen für neue Entwicklungen in der Pferdeheilkunde ist, weiß um die Begrenztheit der Schulmedizin. Solche Problemfälle bedürfen einer „Spezialbehandlung“, die über eine rein schulmedizinische hinausgeht.

Wer heilt hat Recht

Der Tierheil- und Chiropraktiker Heinz Klaiber, selbst erfolgreicher Trabrennfahrer, behandelt sowohl Probleme des Bewegungsapparates, vornehmlich die der Wirbelsäule, als auch Stoffwechselprobleme wie Funktionsstörungen der Leber und Niere. Klaiber, der schon als Kind gemeinsam mit dem Großvater Pferde behandelte, genoss im Ausland eine umfangreiche Ausbildung. Heute lebt er im Emsland. In Neulehe betreibt er ein Rehazentrum für Pferde. Sein Wirkungskreis erstreckt sich über ganz Deutschland und das angrenzende europäische Ausland. Zu seinen Kunden gehören seinen Angaben zufolge unter anderem die vierfache Dressurolympiasiegerin Nicole Uphoff, der ehemalige Deutsche Meister im Springreiten Otto Becker oder die Familie Schockemöhle in Mühlen. Der Hauptschwerpunkt seiner Arbeit liegt in der chiropraktischen Behandlung von Blockaden im Rückenwirbelbereich.

Technik mit Tradition

Diese biomechanische Behandlungsmethode basiert auf Techniken, die die normale Beweglichkeit der Gelenke - besonders an der Wirbelsäule - wiederherstellt. Dabei berücksichtigt sie sowohl das gestörte Gelenkspiel (joint play) als auch die Verschiebung (Subluxation). Als Begründer und Namensgeber ist der Amerikaner David Daniel Palmer (1845-1913) zu nennen, der die beiden Begriffe Chiro- (gr. „cheiros“, bedeutet „Hand“) und -praktik (gr. „praktos“ bedeutet „getan“) zusammenfügte. Die Chiropraktik beinhaltet verschiedene Techniken. Die wohl bekannteste ist die Manipulation, bei der mit einer schnellen Impulsbewegung bei geringem Kraftaufwand ein Gelenk bis an die Grenze des natürlichen Bewegungsraums ausgelenkt wird. Hierdurch kann die Beweglichkeit des Gelenks wieder hergestellt werden, indem die gelenksnahe Muskulatur gedehnt wird. Über neurologische Reflexe wird die Grundspannung der Muskulatur korrigiert und die Schmerzempfindlichkeit reduziert.

Klaiber-010
Fast vierzig Jahre Erfahrung in der Behandlung von Pferden haben Heinz Klaiber geprägt

Ganzheitlich und natürlich

Seit einigen Jahren hat die Chiropraktik auch in der Pferdewelt Einzug gehalten und sich als wirkungsvolle Behandlungsmethode etabliert. Als unschöner Nebeneffekt ist allerdings an dieser Stelle auch die Schar an unqualifizierten „Wunderheilern“ zu nennen, die mit ihren wirkungslosen bis schädigenden Praktiken durch die Lande reisen und den Ruf der Chiropraktiker mitunter negativ belasten. Ein häufiges Problem ist ganz einfach die mangelnde „Haltbarkeit“ durchgeführter Behandlungen. So werden Pferde oft mit (zu)viel Kraft behandelt, um dann nach wenigen Monaten oder gar Wochen dieselbe Problematik zu zeigen und weitere (oft ähnlich erfolglose) Behandlungen notwendig machen. Klaiber nennt hier vor allem die ausschließliche Behandlung der Symptome als Grund für erfolglose Therapie. Er legt eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Pferdes zugrunde und kann mitunter Zusammenhänge zwischen immer wiederkehrenden Rückenproblemen und einem entgleisten Stoffwechsel erkennen. Nur wenn alle Problemkreise erkannt und behandelt werden, kann die Therapie von dauerhaftem Erfolg sein. „99,5 Prozent meiner Behandlungen halten – nur in Einzelfällen muss ich zur Nachbehandlung kommen“, unterstreicht Klaiber den Erfolg seiner Therapie.

Homöopathie zur Unterstützung

Als eines der häufigsten Probleme nennt er Entgleisungen des Stoffwechsels, die durch fehlerhafte Fütterung hervorgerufen werden. „Die Pferde sind dann entweder zu gut oder zu falsch gefüttert worden“, so Klaiber. Neben einer allgemeinen Leistungsschwäche können stumpfes Fell, blasses Zahnfleisch und bei schwereren Fällen auch „Rillen“ im Huf auf Störungen im Bereich von Leber und Niere hinweisen. Bei der schulmedizinischen Diagnostik im Blutbild sieht man Veränderungen erst, wenn schon große Teile des Gewebes zerstört sind. Liegt eine Fehlfunktion des Stoffwechsels vor, die laut Klaiber zum Teil mit einem „säuerlichen Geruch“ des Pferdes einhergeht, muss „das Schwammsystem der Niere mit homöopathischen Mitteln angehoben werden“, damit es seine Funktionstüchtigkeit wieder erlangt. Ist das System wieder hergestellt, nennt Klaiber eine ausgewogene und bedarfsgerechte Fütterung als Basis für einen dauerhaften Heilungserfolg.

Umfassende Behandlung als Erfolgsrezept

Neben der erfolgreichen Behandlung von Störungen des Stoffwechsels und denen im Fortpflanzungsgeschehen von Stuten hat sich Klaiber auf die Behandlung von Rückenproblemen spezialisiert. Schmerzempfindliche Druckpunkte neben der Wirbelsäule im Bereich der Sattellage korrespondieren oft mit einer „schlechten Seite“ und dem diagonal gelegenen, kürzer tretenden Hinterbein. Als häufigste Ursache für solche Probleme nennt Klaiber Traumata die durch Ausgleiten auf der Weide, Festliegen in der Box oder auch mal durch zu eng gerittene Wendungen hervorgerufen werden können. Ist ein solches Problem diagnostiziert, ist es mit einer ausschließlich chiropraktischen Behandlung nicht getan. Klaiber legt hier besonderes Augenmerk auf eine anschließende Folgebehandlung durch den Pferdebesitzer, der eine dreiwöchige kontrollierte Bewegungstherapie mit dem Patienten durchführen sollte. Oft ist eine begleitende homöopathische Behandlung notwendig, die die Selbstheilungskräfte aktiviert und unterstützt.

Diese Kombination ist es, die die Arbeit Klaibers so erfolgreich und vor allem nachhaltig macht. „Richtige Diagnose, richtige Mittel“, so Klaiber, sind sein Erfolgsrezept, das auch bei Behandlungen von Hunden und anderen Tieren zugrunde liegt.

Klaiber-002

Sarai Feuerbach