Süßes Holz

Inhalt-SuessholzSüßholz gegen Husten und Magengeschwüre

Wer „Süßholz raspelt“, versucht, einen anderen mit süßlichen Schmeicheleien zu becircen. Das Sprichwort kommt daher, dass schon die alten Griechen und Römer aus der zerkleinerten Wurzel der Süßholzpflanze nicht nur wohlschmeckende Erkältungs- und Magentees, sondern auch Süßigkeiten zubereiteten: damals war das purer Luxus!

Suessholz1Verschenkte man sie, war der Beglückte leichter für sich zu gewinnen. Ob man sie mag oder auch nicht: Süßholzleckereien kennt heute jeder als Lakritze. Die schwarze Farbe der meisten Lakritzspezialitäten entsteht durch Verkochen von Kohlenstoff beim Eindicken des Süßholzwurzelsaftes. Um diesen zu gewinnen, werden die Süßholzwurzeln im Spätherbst ausgegraben, gewaschen, geschält, an der Sonne getrocknet und ausgekocht. Anschließend wird der Saft eingedickt und unter Zusatz von Zucker, Mehl und Gelatine zu unterschiedlichen Lakritzformen gepresst oder gegossen.

Wurzel aus dem Mittelmeerraum

Süßholz (botanisch: Glycyrrhiza glabra) stammt aus dem Mittelmeerraum und wird unter anderem in Spanien, Italien, Frankreich, der Türkei sowie in Asien angebaut. Der rosa blühende Schmetterlingsblütler erreicht eine Größe von bis zu zwei Metern. Seine verholzten, etwa bleistiftdicken, außen hellbraunen und innen gelblich-weißen Wurzeln werden in den Produktionsländern auf den Gewürzständen der Wochenmärkte verkauft. In Süd-Italien sind die Süßholzwurzeln seit 2005 interessanterweise auch in einigen Tabakläden, den Tabacchi, erhältlich. Manche Raucher stecken sich nämlich seit dem italienischen Rauchverbot in Bars und Gaststätten statt einer Zigarette eine Süßholzwurzel in den Mund. Manche behaupten, die belebende Wirkung der Lakritze würde das Verlangen nach Nikotin vermindern.

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Der Name Süßholz stammt aus dem Altgriechischen: „glykos“ bedeutet süß, „rhiza“ Wurzel. Im Lateinischen wurde daraus Liquiritia und bei uns das Wort „Lakritze“. Tatsächlich ist das Glycyrrhizin, das der Wurzel den typisch aromatischen Lakritz-Geschmack verleiht, deutlich süßer als Haushaltszucker. Im Gegensatz zu diesem schadet Süßholz den Zähnen nicht, sondern beugt Karies sogar vor, indem es die Anlagerung von Plaque an die Zähne verhindert.

Ein wirkungsvolles Magenmittel

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So kann Süßholz als Tee aufgebrüht werden

Die medizinische Wirkung der Süßholzwurzel war schon in der Antike bekannt. Sie galt als Heilmittel gegen Husten und als Durstlöscher. Süßholzwurzel soll auch zur Standardausrüstung der römischen Soldaten gezählt haben, damit bei Feldzügen das Trinkwasser länger reichte. Indianer benutzten Süßholzblätter gegen Scheuerstellen bei ihren Pferden. Von Napoleon wird berichtet, dass er Süßholzwurzeln wegen seiner Magenprobleme gekaut habe.

In den 1940er Jahren konnten Wissenschaftler die lindernde Wirkung der Süßholzwurzel bei Sodbrennen nachweisen. Später fanden sie heraus, dass ihr Saft durch die Verhinderung des Abbaus von körpereigenem Kortison und Aldosteron entzündungshemmend wirkt, insbesondere bei Magenschleimhautentzündungen, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren. Im Laborversuch stellten sie weiterhin fest, dass der Saft das Wachstum des für Magengeschwüre verantwortlichen Bakteriums Helicobacter pylori hemmt.

Natürliche Hustenlinderung

Bei Erkältungen, Husten und Heiserkeit wirkt die Süßholzwurzel außerdem schleimverflüssigend, auswurffördernd, krampflösend und abschwellend. Als traditionelles Arzneimittel zur Schleimlösung im Bereich der Atemwege wurde Süßholzwurzelextrakt bereits Anfang des 20ten Jahrhunderts in Kombination mit Ammoniumchlorid und Anisöl zu Salmiakpastillen verarbeitet und diese Rezeptur 1925 in einem Handbuch der pharmazeutischen Praxis beschrieben. Vor allem in Norddeutschland sind diese „Salmis“ bis heute recht beliebt und man lutscht sie dort gerne - nicht nur bei Erkältungen.

Anfang diesen Jahrhunderts geriet Süßholzwurzel aus einem weiteren Grund in die Schlagzeilen: Wissenschaftler hatten entdeckt, dass sie gegen die in Asien ausgebrochene Lungenkrankheit SARS wirkte. Denn die vielfältig wirkende süße Wurzel erschwert sogar das Wachstum von Herpes- und SARS-Viren. Japaner setzen sie des weiteren auch zusammen mit Aminosäuren als Leberschutzmittel ein. Neue Süßholz-Studien machen Hepatitis C-Patienten, die nicht auf Interferone ansprechen, ebenfalls Hoffnung auf Heilung. Nach einer neuen klinischen Studie wirkt Süßholz-Extrakt außerdem stimulierend auf das Immunsystem.

Dosierung beachten

Bei Pferden gelten die gleichen Einsatzbereiche der Süßholzwurzel wie beim Menschen und sie gilt vor allem bei Husten, Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren als Mittel der Wahl. In diesen Fällen mischt man täglich 10 bis 20 Gramm geraspelte Süßholzwurzel dem Futter bei und setzt nach Abklingen der Symptome, jedoch spätestens nach sechs Wochen die Medikation ab.

Denn: So hilfreich die süße Wurzel auch ist, ihr Dauereinsatz in hoher Dosierung ist nicht ganz unbedenklich, weil der Inhaltsstoff Glycyrrhizin den Elektrolythaushalt des Körpers beeinflusst. Die Natriumausscheidung wird verringert und die Kaliumausscheidung erhöht. Als Folgen sind Blutdruckanstieg, Herzbeschwerden und Kopfschmerzen möglich. Außerdem kann es zu Wasseransammlungen mit leichten Schwellungen, besonders im Kopfbereich und an den Fußgelenken kommen. Bei hohen Dosierungen kann sich in seltenen Fällen der Urin rot färben.

Daher sollten Süßholz-Präparate nicht länger als vier bis sechs Wochen verabreicht werden. Das ist vor allem bei hoch dosierten Magenmitteln zu beachten. Während einer längerfristigen Gabe von Süßholz sollte der Kaliumverlust beispielsweise durch Beimengung von Bananen oder getrockneten Aprikosen ausgeglichen werden. Bei Absetzen der Droge verschwinden alle Nebenwirkungen. Tragende Stuten sollten Süßholzwurzel vorsichtshalber allerdings besser gar nicht bekommen.

Auch Lakritze in Maßen genießen

Diese Dosierungshinweise gelten übrigens auch für den Genuss von Lakritze. In handelsüblichen Lakritzwaren liegt der Gehalt an Glycyrrhizinsäure zwischen 34 und 500 Milligramm pro 100 Gramm. Bei Konzentrationen über 200 Milligramm pro 100 Gramm muss die Süßigkeit als „Stark-Lakritze“ gekennzeichnet und eine Höchstverzehrmenge auf der Packung angegeben sein. Lakritze mit einem Gehalt von mehr als 1 Gramm Glycyrrhizinsäure pro 100 Gramm Lakritze ist nur zum gelegentlichen Verzehr bestimmt. Schwangere, Herz- und Blutdruckkranke sowie Diabetiker sollten Lakritze nur in kleinen Menge zu sich nehmen.
Zum Schluss eine Erleichterung für alle männlichen Lakritze-Liebhaber: Das verbreitete Gerücht, dass Lakritze die Potenz des Mannes beeinträchtige, konnte bisher nicht bestätigt werden.

Dr. Christina Paulson