Allergieprobleme beim Hund
Wer einen allergischen Hund besitzt, der kann ein Lied davon singen, mit welchen zum Teil massiven Problemen sich Herr und Hund herumschlagen müssen. Von den Kosten mal ganz zu schweigen. Ob es nun ausgeprägte Hautprobleme wie Juckreiz, Ekzeme oder haarlose Stellen sind, das Bild der Allergie kann sehr vielfältig sein.
Denn auch hartnäckige Ohrenentzündungen, wiederkehrende Durchfälle oder aber eine nicht ausheilende Bronchitis können allergisch bedingt sein. Und das macht das Problem erst wirklich zu einem solchen! Für uns Menschen gibt es deshalb Spezialisten, die Fachärzte für Allergologie und Dermatologie (Hautärzte). Für den Tierarzt, der ja ein Allround-Spezialist sein muss, stellt die Allergie-Diagnostik deshalb eine sehr schwierige Aufgabe dar! Hinzu kommt, dass es schier unendlich viele so genannte Differential-Diagnosen gibt. Das heißt, sehr viele verschiedene Ursachen können ein und dasselbe Erscheinungsbild hervorrufen. So kann ein Juckreiz z.B. auch durch einen Mangel an essentiellen Fettsäuren in der Nahrung, durch Ungezieferbefall, Hautinfektionen, Störungen des Immunsystems oder auch Organerkrankungen und vieles mehr verursacht werden.
Diese anderen Ursachen müssen zu Beginn ausgeschlossen werden. Dazu sind oft weitergehende Untersuchungen durch den Tierarzt erforderlich. Das spezielle Vorgehen hängt vom einzelnen Fall ab. Nicht jedes eingesetzte Medikament erzielt dabei auch gleich den gewünschten Erfolg. Die Diagnostik, d.h. die Suche nach den Ursachen, und die Behandlung des Allergie-Patienten ist oft ein langer und steiniger Weg, - sowohl für den Besitzer als auch für den behandelnden Tierarzt. In jedem Falle ist dieser Weg jedoch – auch wenn er mühsam erscheint und der Erfolg auf sich warten lässt – der auf die Dauer einzig richtige. Leider gibt es zu kaum einem Problem so viele „gute“ Ratschläge wohlwollender „Experten“, die Betroffene glauben machen, die Lösung sei einfach.

Allergien zeigen sich schon in der Jugend
Allergien nehmen stark zu
Vermutlich, weil die Allergien bei unseren Haustieren – wie übrigens auch bei uns Menschen – in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben, und die Diagnostik sowie die Therapie in schwierigen Fällen recht teuer und langwierig sein kann, sind viele Besitzer für „Geheimtipps“ sehr empfänglich. Im einen oder anderen Fall mögen solche „bequemen“ Ratschläge sicherlich auch schon einmal geholfen haben, aber besonders in schwerwiegenden Fällen haben die vielen erfolglosen „Wundermittel“ dem Besitzer über die Zeit auch viel Geld gekostet und die Beschwerden des Hund unnötig in die Länge gezogen.
Deshalb ist es besonders wichtig, einige grundsätzliche Dinge über die Allergie zu wissen: Eine Allergie ist eine Überempfindlichkeit des Körpers gegenüber bestimmten Substanzen. Zu den drei häufigsten Allergiearten zählt zunächst die allergische (atopische) Hautentzündung (Dermatitis), wie zum Beispiel das allergische Ekzem oder die Neurodermatitis. Deren Ursachen sind Hausstaub und Hausstaubmilbe, Futtermilben, Pollen (z.B. Gräser, Bäume, Kräuter etc.), Schimmelpilze etc.. Die zweite Form ist die Flohspeichelallergie, hervorgerufen durch den Flohspeichel beim Flohbiss. Schließlich kann auch eine Futtermittelunverträglichkeit auf Futterbestandteile (Rindfleisch, Hühnerfleisch, Fisch, Milchprodukte, Weizen, Mais, Soja) oder Futterzusätze (Farbstoffe, Konservierungsmittel, Aromastoffe) bestehen.
Allergien brauchen Zeit
Um eine Allergie entwickeln zu können, muss der Körper mit diesen Substanzen schon vorher über einen gewissen Zeitraum Kontakt gehabt haben. Deshalb tritt eine Allergie in der Regel bei Hunden im Alter von ein bis zwei Jahren auf. Schon der kleinste Kontakt mit der Substanz, die die Allergie verur-sacht, können massive Beschwerden hervorrufen. So reicht der Biss eines einzelnen Flohes (bei der Floh-Allergie) oder auch nur ein Krümel Brötchen (bei Allergie auf Weizen) aus, um unseren geliebten Vierbeiner wieder in ein juckendes Häufchen Elend zu verwandeln!
Um eine Allergie bzw. die Ursache dafür zu bestimmen, erfordert es deshalb absolute Konsequenz! Die tierärztlichen Anweisungen sind unbedingt bis in jede Einzelheit genauestens zu befolgen.
Ausschlussdiät unumgänglich
Die einzige Möglichkeit, um eine Futtermittelunverträglichkeit zweifelsfrei feststellen zu können, besteht in einer so genannten „Ausschluss-Diät“ und daran anschließender Provokation mit dem früheren Futter. Erst wenn es jetzt zu einem Wiederauftreten der Symptome kommt, ist die Diagnose der Futter-unverträglichkeit bestätigt. Ziel der Ausschlussdiät ist es, dem Tier ein Futter anzubieten, auf das sein Körper nicht reagiert, da er es nicht kennt. Deshalb sollte es aus einer Eiweißquelle bestehen, die das Tier möglichst noch nie vorher gegessen hat. Hier bieten sich aus wissenschaftlicher Sicht besonders die Komponenten Pellkartoffeln und Pferdefleisch an. (Für Pferdefreunde, die sich das verständlicherweise nicht einmal vorstellen wollen: Es müssen unbedingt Komponenten verwendet werden, die möglichst nur sehr selten in kommerziellen Futtermitteln vorkommen! Notfalls kann man in Rücksprache mit dem behandelnden Tierarzt aber auch auf andere sehr seltene Fleischsorten ausweichen. Ob und welche Alternative sich eignet hängt vom Einzelfall und der regionalen Verfügbarkeit ab!) Die Ausschlussdiät muss konsequent und ohne jegliche Ausnahme über einen Zeitraum von mindestens 6 – 12 Wochen angeboten werden. So lange kann es dauern, bis die Symptome der Allergie abgeklungen sind.
Staubsauger leben gefährlich
Bei Hunden, die dazu neigen im Freien Essbares von der Straße aufzulesen, ist es erforderlich während der Spaziergänge einen geeigneten Maulkorb aufzuziehen, um zu gewährleisten, dass sie wirklich absolut nichts als ihre Diät zu sich nehmen können. Das klingt viel schlimmer, als es ist. Die meisten Hunde gewöhnen sich sehr schnell daran!
Ein weiteres Problem stellt meist die Frage nach „Ersatz-Leckerchen“ dar. Ein kleiner Tipp hierzu: Das Fleisch in kleine Stücke schneiden und bei 250° im Backofen für ca. 60 Minuten backen und zu Leckerchen verarbeiten. (Größere gebackene Bauchsehnenstücke eignen sich prima zum Kauen, brauchen aber länger!). Ist der Hund nach 6 – 12 Wochen beschwerdefrei, so beginnt man mit der „Provokations-Diät“.
Provokationsdiät
Jetzt wird das frühere Futter verabreicht. Ist es für die Symptome verantwortlich, treten diese innerhalb von 1 Stunde bis zu 2 Wochen erneut auf. Um im Anschluss herauszubekommen auf welche bestimmten Inhaltsstoffe das Tier reagiert, kann man dann in weiteren Schritten die Ausschlussdiät durch einzelne Komponenten austauschen, d.h. die verschiedenen Proteinquellen (Geflügel, Lamm, etc) werden alle 1-2 Wochen geändert. Es darf jedoch immer nur eine Komponente ausgetauscht werden, sonst kann bei einem beispielsweise wieder auftretenden Juckreiz der Verursacher nicht eindeutig bestimmt werden.
Haben sich die Beschwerden während der „Ausschluss-Diät“ nach dem Zeitraum von 12 Wochen nicht deutlich gebessert, so liegt aller Wahrscheinlichkeit nach keine Futtermittel-Allergie vor und man muss nach der Ursache auf einer anderen Ebene weitersuchen.
Allergienachweis
Für diese Zwecke eignen sich zum Beispiel Haut-Allergie-Tests. Im günstigsten Fall lässt sich nach einer ausführlichen Diagnostik und einer optimalen Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Besitzer ein konkretes Allergen erkennen. Lässt sich der Kontakt mit dem Auslöser nicht immer verhindern, wird der Einsatz von Medikamenten zur Symptomlinderung notwendig. Eine Möglichkeit der Linderung besteht darin, zu versuchen den Hund gegen die Allergene auf die er reagiert, zu hyposensibilisieren, d.h. unempfindlich zu machen. Dazu wird dem Hund eine sehr kleine Menge des Allergens in steigenden Konzentrationen gespritzt, damit sich der Körper sozusagen daran gewöhnen kann. In welchen Fällen das sinnvoll ist hängt vom Einzelfall ab.
In manchen Fällen - bei so genannten saisonalen (jahreszeitlich bedingten) Beschwerden - reicht es aus, den Hund für eine gewisse Zeit unter Medikamenten zu halten (z.B. während der Gräser-Blüte im Sommer), in anderen muss der Patient dauerhaft unter Medikamente gesetzt werden.
Welche Medikamente bei Ihrem Tier eingesetzt werden können, hängt von der Art der Allergie, den Symptomen und schließlich von Ihrem Tier selbst ab. Ihr Tierarzt wird Ihnen hier ganz individuell für Ihr Tier einen Therapieplan erstellen. Mit genügend Geduld lassen sich so meist auch in schwierigen Fällen Mittel und Wege finden, mit deren Hilfe man auch Hunden mit massiven Beschwerden eine gute Lebensqualität ermöglichen kann! Wir danken Frau Dr. med. vet. Karin Stechmann (Certificate of Veterinary Dermatology) für die fachliche Unterstützung.
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Was machen bei Allergien?
- Im Interesse des Tieres optimal mit dem Tierarzt zusammenarbeiten!
- Alle Anweisungen 100% ig befolgen! Jede Inkonsequenz wirft Ihren Vierbeiner wieder um Wochen zurück!
- Nicht zu früh das Handtuch werfen! In schwierigen Fällen kann es bis zu einem eindeutigen Behandlungserfolg auch schon mal Wochen und Monate dauern!
- Lassen Sie sich auch bei langwierigen und frustrierenden Fällen nicht zum Einsatz
von „Wundermitteln“ verleiten! Sie machen damit womöglich alle bis dahin erreichten kleinen
Erfolge zunichte. Besprechen Sie sich in jedem Falle vorher mit Ihrem Tierarzt! - Und: Vergessen Sie nicht, dass Ihr Tierarzt keine schnellen Erfolge herbeizaubern kann.
Diagnostik und Behandlung dieser Erkrankung sind sehr kompliziert!
Cornelia Günther
Die Tierärztin Frau Christa Cornelia Günther hat sich nach einigen Jahren in der Praxis ganz der Tierernährung verschrieben. Das große Interesse am Thema „Allergie“ ist bei ihr sehr persönlich begründet: Ihre Collie-Mix-Dame „Cindy“ ist selbst betroffen! Frau Günther leitet seit mehr als 10 Jahren die Service-Abteilung der Firma Interquell (Produkte: Happy Horse, Happy Dog, Happy Cat). Mit ihrem Chef verbindet Sie seit der Jugendzeit die Liebe zur Reiterei. Seit dem Tod ihres geliebten alten Bayernwallachs „Dandy“ hat sich die Hobbyreiterin allerdings noch nicht wieder neu orientiert.










