Der mit den Gänsen fliegt

Inhalt-EylersDas Ausnahmetalent Bernd Eylers und seine Zuchthengst-Fotografie

Falls Ihnen bei einem Strandspaziergang an der Nordsee ein halbnackter Mann mit wirrer weißer Künstlermähne entgegen läuft, der rhythmisch die Arme schwingt, als wollte er gleich abheben, müssen Sie nicht in Panik verfallen.

Wenn dann noch zehn junge Wildgänse hinter ihm her sind, die die ersten Trockenübungen für spätere Flugversuche machen und wenn denen eventuell noch drei atemlose NDR- Fernsehleute mit Kamera und Mikrofon hinterher hetzen, dann dürfen Sie sicher sein, dass sie gerade einem der weltweit bekanntesten Pferdefotografen bei einer seiner Freizeitbeschäftigungen begegnen.

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz hätte sicher seine wahre Freude an Bernd Eylers. Ganz die Gänsemama hatte er den auf ihn geprägten Küken schon ein paar Wochen vorher das Schwimmen beigebracht. Zuerst im Teich neben seinem Bauernhof in Hude, dann bei moderatem Wellengang an der Weser und zum Schluss die hohe Schule des Nordseesurfens. Er immer vorne weg und die Familie im Gänsemarsch hinterher.

Die Deutschen haben die erfolgreichste Pferdezucht der Welt. Und diese Zucht präsentiert kein anderer umfangreicher und ausdrucksstärker als Bernd Eylers, der seit Ende der 80iger unentwegt vorwiegend deutsche Hengste filmt und fotografiert. Alles was Rang und Namen hat, hatte er vor seiner Linse. Sein alle zwei Jahre erscheinendes Buch „Ausgewählte Hengste Deutschlands“ ist der wahrscheinlich beste Werbeträger den sich ein Land für seine Pferdezucht wünschen kann. Mittlerweile ist der neunte Band erschienen. Stark und majestätisch gestaltet und mit stolzem Umfang von mehr als 600 Seiten.

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Hoch zu Ross macht Bernd Eylers auch eine gute Figur

Pferdewirt und Gestütsleiter

Was unterscheidet die Bilder eines Bernd Eylers von anderen Fotografen? Das Geheimnis liegt in seiner Vita. Er hat mit Anfang 20 eine grundsolide Ausbildung als Pferdewirt absolviert. Die erste Hälfte seiner Ausbildungszeit war er bei der Hengsthaltung Kathmann in Holtrup und dann auf dem Gestüt Fährhof, das zu Jacobs Kaffee gehört. Direkt danach ging er auf das berühmte Gestüt Schlenderhan, wo er ein paar Jahre später seine Meisterprüfung ablegte und als Hengstwärter für die wertvollen Vollblutbeschäler verantwortlich zeichnete. Legendäre Hengste wie Alpenkönig, Priamos und Lombard waren seine Schützlinge. Nachdem er zum Gestütsmeister avancierte machte er seine ersten Trockenübungen als Pferdefotograf. Durch seine unglaublich enge Bindung an die wunderbaren Hengste konnte er sich problemlos in seine Modelle einfühlen, was seinen Fotos von Anfang an eine bisher kaum gekannte Qualität gab. Böse Zungen sagen allerdings, dass er das Dandygehabe seiner Pferdehelden so verinnerlicht hat, dass er in seinem Wesen kaum noch von ihnen zu unterscheiden ist. Egal, er versteht sie, er fühlt sie, er sieht sie und er vermag es anderen Leuten zu zeigen, was er sieht. Er ist zwar als Autodidakt den längeren Weg gegangen und er hat sicherlich eine Menge Lehrgeld bezahlt, aber nach 20 Jahren hat er eine Meisterschaft auf dem Gebiet der Zuchthengstfotografie entwickelt, wie man sie weltweit nicht ein zweites Mal findet.

Man nennt ihn "Das Auge"

Bernd Eylers hätte jedoch längst nicht den Erfolg, den er hat, wenn nicht zu dem versierten Pferdekenner und einem extrem geschulten Fotografenauge eine dritte Komponente hinzukäme. Er ist auch ein umtriebiger, kreativer und erfolgreicher Unternehmer. Er betreibt mit seiner Spezialagentur für Gestütswerbung auf seinem Bauernhof in Hude bei Oldenburg eine kleine, aber wirklich feine Firma. Neben dem Hengstbuch, das er alle zwei Jahre publiziert, betreibt er ein Videostudio und seit 2000 das erfolgreichste deutsche Pferdeportal im Internet. www.horse-gate.com ist die Anlaufstelle nicht nur im deutschsprachigen Raum, wenn man nach den Spitzenreitern im Zuchtbusiness sucht. Eylersbusiness hat fast allen renommierten Ställen die Homepage gestaltet und versammelt diese auf seinem Portal. Und will sich ein reicher Amerikaner zum Beispiel ein neues Pferd kaufen, schaut er sich die im Netz veröffentlichten Videos der Verkaufspferde der einzelnen Züchter natürlich via horse-gate an und kann hierüber erste Kontakte knüpfen.

Gelungene Symbiose

Die Website und auch die Homepages der Gestüte tragen zudem sehr stark die Handschrift der Wiener Designerin Fiona Hernuss, die Bernd Eylers vor einigen Jahren kennen lernte als sie auf der Suche nach Informationen zu dem Vater ihres Reitpferdes war. Sie hatte in Paris und in New York Malerei und Design studiert und verliebte sich sofort in den Fotografen, zog zu ihm aufs flache Land, lebte mit ihm zusammen und bekam einen Sohn mit dem schönen Namen Heinrich. Ein Künstlerpaar wie im Bilderbuch, was allerdings nicht ewig hielt. Fiona Hernuss tat sich schwer mit dem Leben auf dem flachen Land, also ging sie zurück in ihre Heimatstadt Wien und widmete sich wieder stärker der Malerei. Aber noch heute arbeiten die beiden manchmal zusammen und entwickeln ausgefallen schöne und gelungene Pferdeseiten fürs Internet.

Ein lebendes Gesamtkunstwerk

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Selbstinzenierung für ein Foto-Shooting
vor einer der Pferdebronzen

Bernd Eylers langweilt sich nie. Wenn er nichts zu tun hat, dann läuft er zur Höchstform auf. Ob es seine kleinen so genannten Tageskunstwerke sind, die er ständig nebenher bastelt, oder das gigantische Gesamtkunstwerk hinter seinem Bauernhof. Bernd Eylers ist wie eine Quelle, aus der permanente Kreativität sprudelt. Aber er produziert keine Hirngespinste, sondern alles wird immer gleich umgesetzt. Die Anlage hinter seinem Hof ist eine Art phantastischer Park auf einer Fläche von ca. zwei Hektar Land. Überall stehen lebensgroße Bronzeplastiken berühmter Hengste rum, die er bei einem Bildhauer in Auftrag gibt. Caprimond, Donnerhall, Landgraf oder Paradox I sind nur einige Hengste, die er in Bronze gießen ließ. Die kann man natürlich kaufen. Aber auch andere große Plastiken findet man in seinem Park. Zwei Pfahlsitzer etwa in luftiger Höhe von zehn Metern. Mann und Frau, fünfzig Meter voneinander entfernt und somit immer unerreichbar. Dann steht da eine ganze Serie der stilisierten Margariten (auch mehrere Meter hoch) des Documenta 6-Künstlers Buthjatha. Sogar einen eigenen Berg hat er sich dort aufgeschüttet, auf dem jetzt ein weißer Hirsch steht. Nach dem 200. LKW, der Erde herbei karrte, bekam er Ärger mit der Gemeinde, weil die Straße zu seinem Bauernhof in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Park mündet in einer großen Rotunde aus Pyramidenbuchen mit einem Durchmesser von mindestens 60 Meter, aus deren Mitte ein 15 Meter hoher Springbrunnen schießt. Hierdurch bekommt das ganze Environment ein wenig eines phantastischen Druidenhains, der noch gekrönt wird von einer Freilichtbühne. Hier sollen in Zukunft Theater- und Ballettabende inszeniert werden.

Das Fliegen lernen

„Um Fliegen zu lernen muss man sich mit aller Entschiedenheit zu Boden stürzen und bevor man landet, muss man sich einfach die Erde wegdenken“. Gesagt, getan. Mit seinen 55 Jahren ist Bernd Eylers noch heute der große Lausbub, der keinen wie auch immer gearteten Unsinn auslässt und seine Träume, wie nur wenige Menschen, direkt umsetzt und auslebt. Gerade hat er sich zu einem Parabolflug angemeldet, bei dem man mit einem Düsenjet extrem hoch hinaus in die Stratosphäre fliegt, um sich dann im Sturzflug zur Erde zu stürzen. Die Teilnehmer erleben dabei für 60 Sekunden das Gefühl der Schwerelosigkeit. Aber seine Bodenhaftung verliert der sympathische Spinner dabei noch lange nicht.

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Karl Möller