Natrium und Chlor, Salz des Lebens
Wer von Salz spricht, denkt im Allgemeinen an salzigen Geschmack. Chemisch korrekt betrachtet ist Salz immer das Ergebnis aus der Verbindung einer Base mit einer Säure. Tatsächlich schmeckt jedoch nur die Verbindung aus Natronlauge und Salzsäure salzig. Das nach Wasserentzug vorliegende Natriumchlorid ist bekannt als Kochsalz und gehört zu den wichtigsten Mineralstoffen in der Pferdefütterung.
Der Mangel an Salz führt zu Schwäche und Lustlosigkeit. Die Pferde suchen nach dem weißen Gold und beginnen an allen möglichen Gegenständen zu lecken. Eine permanente Unterversorgung an Salz führt zu Durstlosigkeit und schlechter Verdauung. Die Funktionen von Kochsalz im Körper sind vielfältig. Dazu gehört zunächst die Erhaltung des Osmotischen Drucks der Zellen, aber auch die Regulation des Säure-Basen-Haushalts.
Speicherung im Körper
Im Skelett wird vor allem Natrium gespeichert (50 Milligramm Natrium und 14 Milligramm Chlor pro Kilogramm Körpergewicht). Im Blut werden Natrium und Chlor zu gleichen Teilen, mit etwa 13 Milligramm pro Kilo gespeichert und in der Haut befinden sich 9 Milligramm Natrium und 17 Milligramm Chlor pro Kilogramm.
Salzbedarf des Pferdes
Der Minimalbedarf eines 600 Kilogramm schweren Pferdes an Salz beträgt mindestens 12 Gramm pro Tag. Im Hochleistungssport jedoch erhöht sich der Salzbedarf durch den Schweißverlust erheblich bis zum Zwanzigfachen.
Die natürliche Bedarfsdeckung an Salz ist ungenügend, da Futtermittel wie Gras und Getreide kaum Salz enthält. Nur Rüben, Rübennachprodukte und Melasse enthalten nennenswerte Mengen an Natriumchlorid. Daher ist von vornehmlicher Bedeutung, dem Pferd einen Salzleckstein zur Verfügung zu stellen. Eine einfache, aber nicht unbeachtliche Salzquelle ist übrigens Brot. Trockenes Brot enthält mehr als 30 Gramm Salz pro Kilogramm. In der freien Natur suchen Pferde kilometerweit nach Salzvorkommen.

Himalya-Salz kommt auch als grobes Granulat in den Handel
Bedarfsdeckung durch Salzleckstein
Die Bedarfsdeckung in der klassischen Pferdefütterung erfolgt durch den Salzleckstein und teilweise durch mineralisierte Futtermittel. Am bekanntesten ist der normale Viehsalzleckstein, ein großer weißer Stein, der vornehmlich aus Natriumchlorid und niedrigen Gehalten an Magnesiumchlorid bzw. –sulfat besteht. Hier entscheidet das Pferd frei, wie viel Natriumchlorid es aufnehmen möchte, indem es an dem Salzleckstein leckt.
Minerallecksteine bestehen hauptsächlich aus Natriumchlorid und Zusätzen anderer Mineralstoffe, deren Menge aber nicht bedarfsdeckend ist und oft zu Irritationen in der Nährstoffberechnung führt.
Meersalz gehört zu den besonders wertvollen Salzarten. Es besteht aus 55 Prozent Chlor, 30,6 Prozent Natrium, 7,7 Prozent Sulfat, 3,7 Prozent Magnesium, 1,2 Prozent Calcium und 1,1 Prozent Kalium. Restbestandteile sind 0,7 Prozent (Verunreinigungen und Spurenelemente). Meersalz wird in Salzgärten gewonnen, in die Meerwasser eingeleitet wird. Mit der Verdunstung des Wassers bleibt das Salz übrig. Es findet in der guten Küche ebenso wie in hochwertigen Futtermitteln Verwendung.
Das Salz der Könige
Der König der Salze ist das Himalaya-Salz. Der Natursalzleckstein, der unverändert aus dem Salzvorkommen herausgeschlagen wurde und keinerlei Raffination oder Schönung unterlegen ist, wird von Pferden gerne angenommen. Auch bei erheblich hohen Aufnahmen kommt es nicht gleich zu angelaufenen Beinen.
Der Vollständigkeit wegen geben wir an dieser Stelle noch das Persische Salz an, es ist blau und schmeckt angenehm. In den allerfeinsten Restaurants erhält man das Hawaii-Salz. Dieses Salz von der Insel ist mit „heiliger Erde“ gemischt. Es sieht aus wie roter Ton und schmeckt fantastisch. Man kann es nur in ausgesuchten Delikatessgeschäften kaufen. Nur aufgrund des Preises ist es vermutlich für Pferde ungeeignet.
Salzüberschuß
Eine Überversorgung mit Salz führt zu einer zu hohen Wasseraufnahme und dadurch zur Nierenbelastung. Fohlen erhalten Salz über das Fohlenergänzungsfutter und sollten nicht zu früh mit dem Salzleckstein herumspielen. Die unkontrollierte Salzaufnahme unter zwei Monate alter Fohlen führt zu vermehrter Wasseraufnahme und Durchfall.
Das Fressen von Salzlecksteinen ist aber nicht immer auf einen Salzmangel, sondern sehr oft auf einen Mangel an anderen Mineralien, meist Zink, zurückzuführen. Eine vollwertige, kräuter- und rohfaserreiche Kost hilft sehr oft, diese ungesunde Untugend aufzugeben.
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Dr. Susanne Weyrauch










