Mönchspfeffer
Mönchspfeffer, Keusch-Lamm und Keuschbaum – die volkstümlichen Namen für ein und dasselbe Eisenkrautgewächs verraten schon einiges über seine traditionelle Verwendung. Es wurde über Jahrhunderte zur Förderung der Enthaltsamkeit von Mönchen und Nonnen eingesetzt.
Das Verbreitungsgebiet der bis zu sechs Meter hohen Strauchpflanze mit der wissenschaftlichen Bezeichnung „Vitex agnus castus“ erstreckt sich vom Mittelmeerraum bis nach Nordindien.
Als wirksame Pflanzenbestandteile werden die pfefferartig aromatischen Steinbeeren verwendet. Getrocknet und fein zermahlen oder in Form von Flüssigextrakten sind sie als Naturdroge im Handel, wobei die besten Qualitäten den Arzneimittelstandard erreichen. Als Hauptwirkstoffe gelten Iridoidglykoside, Flavonoide, ätherische Öle, Bitterstoffe und Diterpene.
Wirkmechanismus und aktuelle Verwendung
Der Gesamtextrakt macht die Empfangsantennen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) für den Botenstoff Dopamin besser empfänglich. Viele hormonelle Probleme – etwa beim Cushing-Syndrom – entstehen dadurch, dass das Dopaminsignal in der Hypophyse nicht richtig ankommt. Solche Blockaden und ihre Folgen können durch „Vitex“ abgeschwächt werden (Bäumler, Heilpflanzenpraxis, München 2007).
Für den Menschen dient Mönchspfeffer heute vor allem zur Symptomlinderung beim prämenstruellen Syndrom und bei klimakterischen Beschwerden. „Vitex“ trägt hier dazu bei, ein Ungleichgewicht der Geschlechtshormone wieder ins Lot zu bringen.
Wie Mönchspfeffer den Pferden hilft
Ein breiter Harmonisierungseffekt auf die Sexualhormone ist auch bei Pferden möglich. So wird Vitex gegen Verhaltensstörungen sowohl bei rossigen Stuten und als bei „hengstigen“ Wallachen eingesetzt. Auch die Stutenfruchtbarkeit soll günstig beeinflusst werden.
Besonders interessant sind die Erfolge bei Pferden mit Cushing-Syndrom (ECS). Der Effekt des Mönchspfeffers wird auch hier mit einer Verbesserung der gestörten Dopaminwirkung auf die Hypophyse begründet (siehe Artikel dazu in dieser Ausgabe). Gibt man „Vitex“ über mehrere Monate, normalisiert sich bei vielen Cushing-Pferden wieder der Fellwechsel. ECS-bedingte Fruchtbarkeits- und Laktationsprobleme können behoben und die Reheanfälligkeit deutlich verringert werden. Für anhaltende Erfolge ist in den meisten Fällen eine Dauertherapie notwendig. Dabei treten nach den bisherigen Erfahrungen keine arzneitypischen Nebenwirkungen auf.
Der Anwendungserfolg ist am besten mit Qualitätsprodukten von seriösen Anbietern gewährleistet. Billigangebote ohne Gehaltsgarantie nutzen den Pferden oft zu wenig. Über die richtige Dosierung des jeweiligen Präparates können der Hersteller oder ein erfahrener Therapeut Auskunft geben. Unter diesen Voraussetzungen bietet Mönchspfeffer für viele betroffene Pferde eine sinnvolle Alternative zur üblichen Therapie mit Pharmachemikalien.
Dr. Eberhard Moll
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Der Mönchspfeffer – ein Kraut mit sonderbarer Geschichte
Das Kraut, dessen vorwiegende Wirkung darin besteht, Nonnen und Mönchen das Gelübde der Keuschheit zu erleichtern, hat eine lange Vergangenheit. In der griechischen Sagenwelt galt Mönchspfeffer als Symbol der keuschen Ehe, da die Göttin Hera unter einem solchen Strauch (Lygos-Strauch) auf der Insel Samos geboren sein sollte. Bereits die Priesterinnen der Griechen sollen „Agnus castus“ als Keuschheitspflanze genutzt haben. Dort wurde Agnus castus – besser als wilder Pfeffer bekannt - getrunken, weil er den „den Drang zum Beischlaf mäßigt.“
Die Mönche konnten die scharf schmeckenden Samen als Gewürz für ihre Speisen nehmen und hatten einen willkommenen Nebeneffekt. Der Mönchspfeffer wurde zum Symbol des enthaltsamen Mönchslebens. So schreibt 1626 der pflanzenkundige Matthiolus 1626 in seinem „Kreuterbuch“: „Er nimmt die Begierde zum Venushandel und solches tut nicht allein der Samen, sondern auch die Blätter und Blumen, nicht aber nur so man sie esset, sondern auch wenn man sie im Bett verstreut“.
Mönchspfeffer ist mittlerweile in der Apotheke rezeptfrei erhältlich und wird zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms bei Frauen eingesetzt. Verabreicht man genau diese Präparate Pferden, so wird hengstisches Verhalten schnell gemildert. Bricht man die Therapie wieder ab, so kehrt der Hengst schnell wieder als Hengst zurück. Wer damit Erfahrung hat, weiß allerdings, dass manchmal so eine leichte Form der Kastrationsdepression beim männlichen Tier während der Behandlung zu beobachten ist. Manche verweigern auch die Aufnahme.
Dr. Susanne Weyrauch










