Anleitung für die Altersbestimmung der Pferde

Inhalt-AlterBeim Pferd das Alter zu erkennen,
will ich euch diese Regel nennen.

Am Besten sieht man´s an den Zähnen,
das ist im Voraus zu erwähnen.

Seit Alters ist es festgestellt,
das Pferd kommt zahnlos auf die Welt.

Jedoch beginnen nach acht Tagen,
beim Fohlen schon der Zähne Plagen.

Neun volle Monat dann vergehn,
bis alle Zähn im Maule stehn.

Der Hengst hat 40 Stück, das weiß ich,
die Stute meist nur 36,

weil ihr die Hakenzähne fehlen,
12 Schneidezähne tut man zählen,

an Backenzähnen hat der Gaul
stets 24 Stück im Maul.

Mit zwei und einem halben Jahre,
verschwinden die zwei Mittelpaare.

Die Schneidezähne auch, die man wohl
Zangen nennt nach altem Brauch,

jedoch nach 14 Tagen schnelle,
erscheinen größre an der Stelle.

Mit drei und einem halben Jahre,
wechseln dann die nächsten Paare,

die man wie allgemein bekannt,
die Mittelzähne hat genannt.

Mit viereinhalb Jahr hat der Gaul
acht neue Schneidezähn im Maul.

Die letzten Schneidezähnepaare
wechseln dann im fünften Jahre.

Dieweil sie an den Ecken stehn,
für Kenner unter Eckzähn gehn.

Ihr müsst nun weiterhin erlernen
das Pferd zu schätzen nach den Kernen,

wofür man, wie ich oft gefunden,
auch Kernung oder Bohnen sagt und Kunden.

Erläuternd sei hier zu erzählen, dass
Kunden sind jene schwarzen Höhlen

der Zahnesflächen hier, die wir
erschaun bei jedem jungen Tier.

Im fünfte Jahre hat das Pferd
die Kerne sämtlich unversehrt.

Im sechsten Jahre sind die Kunden
der Zangen beinah ganz verschwunden.

Im siebenten Vollendungsjahre
sind abgenutzt die nächsten Paare,

bis endlich in dem Eckzähnpaar
der Kern erlischt im achten Jahr.

Nun wird der Altersnachweis schwerer,
doch sagte mir mein kundger Lehrer

man hätte nun am Oberkiefer
noch Anhalt wo die Kunden tiefer.

Am obren Eckzahn findet man
auch wohl den Einbiss dann und wann

der aber, uns war wohl begründet,
nach dreien Jahren schon verschwindet.

Auch stumpft sich schon der Hakenzahn,
setzt an der Basis Zahnstein an.

Von zwölfen bis zu sechzehn Jahren kann man,
ist man nicht sehr erfahren,

das Alter ziemlich schwer taxieren
und lässt sich drum leicht irre führen.

Man sucht, und findet dann die Norm
der Schätzung nach des Zahnes Form.

Auch kommt´s in diesem Alter vor,
dass man ein Jüngres täuschet vor.

Hier Kunden brennt und da markiert,
die Form des Zahns nicht respektiert.

Bei jungen Pferden ist die Krone -
oval gezeichnet - zeigt die Bohne.

Mit vierzehn Jahren zeigt sich dann
schon rundlicher der Schneidezahn,

bis später diese Form auch weicht,
die Fläche sich als Dreieck zeigt.

Nach achtzehn Jahren wird zumal,
die Form des Zahns verkehrt oval.

Den Zahn auch von der Seit betrachte,
und dieses Merkmal dann beachte.

Bei jungen Pferden wirst du sehn,
die beiden Zahnreihn senkrecht stehn.

Auch treffen sich die Flächen beider,
nur mit dem vorderen Rande - leider.

Je mehr nun Jahre zählt der Gaul,
je schräger stehn die Zähn im Maul.

Die Reibeflächen wunderbar,
stehn fest dann auf einander gar.

Man sieht dann noch bei alten Pferden,
die Zähne lang und länger werden,

und endlich treten sie - oh Graus -
als Dreieck aus dem Maul heraus.

Das ist die Zeit in der das Pferd
mit Müh sein Futter nun verzehrt.

Du musst nun, solls noch länger leben,
das Futter ihm geschrotet geben.

Alter2
Dieses Gedicht musste mein Großvater damals in der Landwirtschaftsschule 10x als Strafe abschreiben & auswendiglernen