Der Hunter
Ein Pferd, das einen Reiter über eine fünfstündige Jagdstrecke trägt und dies von November bis Mai ohne Anstrengung, ohne Erschöpfung und ohne Konditionsverlust: das kann nur ein Hunter sein. Irische Hunter gelten als die besten Vielseitigkeitspferde der Welt. Ihre Ausstrahlung ist unverwechselbar. Wache Intelligenz gepaart mit gelassenem Selbstvertrauen. Elegant und großrahmig stehen diese noblen Pferde auf stabilem Fundament.

Gute Hunter sind einfach rundum gelungen
Traditionell basiert der klassische Hunter auf einer Kreuzung zwischen Vollblut und Irish Draught. Vom Vollblut kommen Geschwindigkeit, die große Galoppade, der athletische Bau und die Reitpferdepoints. Das Irish Draught Horse vererbt robuste Gesundheit, Intelligenz, Stärke und hervorragende Springanlagen. Vermögen, Technik und Herz gepaart mit einer fast angeborenen Geländesicherheit. Eigenschaften, die diese Tiere so sehr von anderen Reitpferderassen Europas unterscheiden. Hunter sind jedoch keine konsolidierte Rasse, sondern ein reiner Gebrauchstyp der britischen Inseln, weshalb letztendlich neben dem feststehenden Vollblut und dem Draught durchaus unterschiedlichste Rassen, vom Cleveland Bay bis zum Welsh Cob für die Kreuzungen in Frage kommen können.
Gebrauchspferd für die Jagd
Die Kritierien für einen guten Working-Hunter sind einfach erklärt: Das Pferd muss während der Jagsaison von November bis Mai einen Reiter bis zu zweimal wöchentlich schnell und sicher über die Jagdstrecke tragen. Vier bis fünf Stunden unterwegs, meistens im Galopp mit diversen Sprüngen in nassem und schweren Boden. Nicht gerade ein Zuckerschlecken für das Pferd. Keine Frage: Das Tier muss physisch und psychisch topfit und gesund sein, sonst hat es schnell verloren. Ach ja: Mutiges, aber überlegtes und geschicktes Springen sowie ein hervorragendes Temperament und gute Manieren sind auch noch gefragt, damit die Teilnahme an diesem Sport für die Reiter möglichst angenehm ist. Am Ende lässt sich der Typ „Hunter“ ganz kurz beschreiben: Es ist ein Pferd, kräftig genug, um das schwerste Familienmitglied über die Hindernisse zu tragen, aber auch freundlich genug, um von einem Kind geritten zu werden.
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Schnell einsatzbereit
Das feuchte, milde Klima der Grünen Insel fördert das Wachstum von nahrhaftem Gras für ganzjährigen Weidegang. Die mineralienreichen Böden sind ideal für den großen, stabilen Körperbau der Pferde. Viele Hunter gehen daher bereits als 3- oder 4-Jährige auf die Jagd, fast immer ausschließlich auf Trense geritten. Sie haben ein natürliches Gleichgewicht, lernen schnell, Hindernisse zu meistern und sich in allen möglichen und unmöglichen Situationen selbst zu helfen. Der Reiter muss nur dafür sorgen, dass er oben bleibt!
Kaliber, Typ und Blutanteile eines Hunters können je nach den Anforderungen der jeweiligen Jagdregionen variieren. In großflächigen Grafschaften Englands benötigt man hochblütige, sehr schnelle Pferde. In Irland mit seinen dicht aufeinanderfolgenden, unübersichtlichen Mauern, Gräben, Hecken und Wällen ist Geschwindigkeit lange nicht so wichtig, wie ein intelligent springendes Pferd, denn wenn es das nicht tut, ist die Jagd schneller zu Ende, als dem Reiter lieb sein kann.
Verschiedene Gewichtsklassen
Auf den Shows weht ein anderer Wind. Man richtet vier gängige Typen, die sich vor allem durch Kaliber und damit verbundener Tragfähigkeit unterscheiden. Dabei gelten uralte Gewichtsmaße, die nur ungefähr umzurechnen sind. Jede leichtere Klasse entsteht durch die erneute Einkreuzung von Vollblütern in die vorherige Ausgangsmischung. Der Cocktail heißt aber immer „ xy-Hunter“....
So tragen die seltener gewordenen, schweren Heavyweigt Hunter über ca. 92 Kilogramm. Gekreuzt mit Vollblut erzeugt man Middleweigt Hunter. Sie schaffen ca. 86-92 Kilogramm. Eine erneute Blut-Einkreuzung produziert elegante Lightweigt Hunter (76-86 Kilogramm). Einer speziellen Selektion entspringt der kleine Small Hunter mit höchstens 157,5 Zentimeter Stockmaß, der aber immer noch rund 80 Kilo tragen können muss und dementsprechend stabil gebaut ist. Ladies Hunter müssen lediglich eine „Dame“ tragen können und unterliegen keiner Gewichtseinteilung.
Zucht von Show-Huntern
Die Leistungen der Hunter werden zwar im Jagdfeld und der Military, in den Working Hunter Classes und auf Turnieren in Zusammenarbeit mit dem Irish Horse Board überprüft, das auch das Zuchtbuch führt. Aber wer weiß schon, was die Showpferde außerhalb des Ringes so tun? Die Champions vermitteln zwar stets einen Eindruck von Tragkraft, Energie, Härte, Ausdauer und gesunder Konstitution, aber ob das im Jagdfeld immer noch so ist, kann keiner sagen. Die Zucht von Show-Huntern läuft eben genau wie bei den anderen Rassen auch. Man legt Wert auf bestimmte, bewährte Exterieurmerkmale, die dann aber letztendlich nicht mehr im „Praxistest“ überprüft werden müssen.
Exterieur und Interieur
Die Richter bevorzugen eindeutig typmäßig recht einheitliche, großrahmige, edle Reitpferde mit bedeutenden Linien und stattlichem Kaliber. Der Kopf eines guten Hunters hat intelligente Augen, große Ohren, ist oft leicht geramst. Er wirkt nicht ganz so edel, passt aber zu den übrigen Proportionen. Der gut geformte, geschwungene Hals geht über in eine lange und schräge Schulter. Ein ausgeprägter Widerrist sorgt für eine hervorragende Sattellage. Breite Brust und beträchtliche Gurtentiefe bieten reichlich Raum für Lunge und Herz. Ein kräftiger Rücken mit muskulöser Lendenpartie endet in der breiten, langen Kruppe. Auffallend sind die ausgeprägten „Hosen“ an den Hinterbeinen. Alle Gliedmaßen sind vorbildlich geformt und eingeschient, mit besonders kräftigen Sprunggelenken, kurzen, starken Röhren, günstiger Fesselstellung sowie großen, runden Hufen. Reine Fellfarben mit wenigen Abzeichen werden bevorzugt. Der Schritt ist raumgreifend, der Galopp deckt viel Boden, ist meist wenig aufwändig und kraftsparend. Die Springanlagen sind in der Regel überdurchschnittlich in Vermögen und Technik. Gute Hunter sind einfach rundum gelungen!
Ihre Zucht sieht man einem alten irischen Ausspruch nach in der ersten Anpaarung von Irish Draught mal Vollblut als „Simplicity itself“. Häufig deckte man auch Vollblutstuten mit Draught-Hengsten, wobei man die für Irland typischen, ebenfalls mit hervorragendem Springvermögen ausgestatteten Hunter-Chaser-Linien nutzte. Da die für Steeple Chases gezogenen Vollblut-Hengste ebenso wie die Hunter frühzeitig kastriert wurden und somit nicht für die Zucht zur Verfügung standen. Die Stuten dieser Vollblut-Familien wirkten fast wie Halbblüter, besaßen bedeutende Größe, sowie „substance and bone“. Jahrhunderte hat sich dieses simple Rezept bewährt und machte den Irischen Hunter zum begehrtesten Jagdpferd der Welt. Auf dem Turnierplatz ging die Erfolgsstory gegen Ende des 19. Jhd. weiter. Nicht umsonst hießen die Wettbewerbe „Jagdspringen“! Diese führende Rolle behielt die Rasse bis Anfang der 60er Jahre. Die Majorität der weltweit besten Springpferde war irischer Abstammung.
Nahe am Niedergang
Dann gab es ein ernstes Problem mit den Draughts. Zurückgedrängt durch die landwirtschaftliche Motorisierung ging ihre Zahl so drastisch zurück, dass man nichts mehr Schweres zum Kreuzen hatte! Die Vollblüter tanzten auch aus der Reihe: Schnelle US-Sprinter kamen in Mode. Sie waren deutlich kleiner als die rahmigen, irischen Stehertypen mit ihrer großen Übersetzung. Diese Kurzstreckenspezialisten eigneten sich nur bedingt für eine Reitpferdezucht und damit auch nicht für die Erzeugung von Huntern. Zum Glück schob die irische Regierung dem Niedergang ihrer einst so berühmten Pferdezucht mit speziellen Förderungsprogrammen einen Riegel vor. Sie konnte überleben und mischt auch wieder in der sportlichen Spitze mit. Heute vermarktet Irland seine Hunter als Irish Sport Horses (ISH), obwohl sie ja - objektiv betrachtet - angesichts ihrer Nervenstärke, Robustheit und Verlässlichkeit auch ideale Partner für Freizeitreiter sind.
Christina Slawik










