Fettes Lob

Inhalt-HundWann machen Leckerlies Sinn

Rote, grüne, gelbe, braune, runde, eckige, Blüten, Knochen, Kugeln, Kringel, selber gebacken aus hunderten von möglichen Zutaten … manch einer würde sie glatt selber essen, so gut riechen sie - die Hundeleckerlis.

Ich habe gerade im Internet einen kleinen Schaufensterbummel gemacht auf der Suche nach verschiedenen Hundebelohnungen. So bunt und vielfältig präsentiert ist das Hundefutter lange nicht. Aber die Leckerli-Werbung muss ja schließlich den Hundehalter ansprechen und überzeugen, der den teuren 50-Gramm-Beutel ja nicht aus einem Ernährungszweck heraus kauft. Er will seinem Hund etwas ganz besonders Gutes tun, weil der für sein Herrchen auch gerade etwas besonders Tolles gemacht hat.

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Leichtes Spiel bei den Verfressenen

Damit sind wir bereits beim Haupteinsatzzweck: die Erziehungsmaßnahme aus der Hosentasche. Der Hund ist von der genetischen Anlage her ganz klar programmiert auf Arterhaltung durch Fortpflanzen. Es pflanzen sich aber nur gesunde, kräftige Tiere fort. Dazu müssen sie wiederum ausreichend Nahrung aufnehmen. Was liegt also näher, als diesen natürlichen Instinkt in der Erziehung als effektives Mittel zu nutzen? Je verfressener ein Hund ist, desto schneller wird er etwas kapieren und richtig machen wollen, weil er weiß, dass dann umgehend die Belohnung folgt.

Volle Konzentration bei Leistungshunden

Die Erziehung – auch für Arbeitshunde wie Rettungs- oder Schutzhunde - beginnt beim Junghund, der sich noch im Wachstum, physisch und psychisch, befindet. Er muss sich an den Halter gewöhnen, Vertrauen aufbauen, dass von ihm nichts verlangt wird, was ihm schaden könnte, sich unterordnen und Befehle befolgen. Das erfordert volle Konzentration, die nicht durch Streicheln oder aufregendes Spielen immer wieder unterbrochen werden sollte. Wenn der Hund besonders gut bei Fuß gegangen ist oder sich sicher in einigen Metern Entfernung Platz gelegt hat, ist innerhalb eines Übungsdurchgangs ein kurzes Streicheln, ein „brav“ oder „fein“ und das Leckerli sicher das Mittel der Wahl, weil hierdurch die Konzentration nicht unterbrochen wird. Je aufregender und ungestümer ein Spiel ist, desto mehr kann es – später – nach und nach das Leckerli ersetzen und für den Hund die größere Belohnung bedeuten nach Abschluss eines Übungsdurchgangs oder nach erfolgreicher Suche nach einem „Vermissten“ zur Auflösung der Anspannung.

Fett durch Leckerli-Lob

Es ist aber auch ganz sicher nicht nötig, dem Hund jetzt bei allem und jedem, was er richtig gemacht hat, etwas zwischen die Zähne zu schieben. Das könnte einerseits dann doch solche Ausmaße annehmen, dass der Hund durch die vielen zusätzlichen Kalorien kugelrund wird, zum anderen wären aber irgendwann wir in Wirklichkeit die Erzogenen, weil der Hund uns dressiert und ganz gezielt die Dinge tut, die den Griff in die Hosentasche auslösen.

Vom Leckerli zum Lob

Ich halte das Leckerli zu Beginn einer Ausbildung für die effektivste und natürlichste Art, dem Hund klar zu machen, dass ich etwas von ihm will und es für ihn positive Konsequenzen hat, das auch zu tun. Und fressen ist im Hinblick auf den angebotenen Instinkt eben positiv. Sobald diese Basis fest verankert ist, kann das Leckerli immer öfter ausfallen und wird durch Lob allein ersetzt. Ein vollwertiger Ersatz ist dann später das Spielen mit dem Hund unmittelbar nach einer korrekt ausgeführten Übung.

Gemeinsame Extras

Ein ganz anderes Thema ist das Leckerli, das wir unserem Hund anbieten, wenn wir selbst an der „süßen Schublade“ waren und uns ein Stück Schokolade gönnen. Der Hund erwartet nicht, dass er etwas bekommt, nur weil wir uns etwas nehmen. Wenn doch, haben wir ihm das antrainiert: die Schublade quietscht, Frauchen raschelt mit Papier, der Hund setzt sich auf das Hinterteil, wedelt mit dem Schwanz und schaut lieb – und dafür gibt es eine Belohnung. Konditioniert! Beide!

Gesunde Leckerlis vorziehen

Ich denke, Leckerlis als gezielte Erziehungshilfe und dann und wann im normalen Tagesablauf schaden einem Hund nicht. Ein Leckerli als Anerkennung oder weil wir unseren Hund gerade ganz besonders mögen, sollte erlaubt sein. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass diese zusätzlichen Bissen meist reich an Kohlenhydraten sind und dieser Umstand in der Gesamtfutterration berücksichtigt werden muss. Das mehrfache Belohnen mit getreidehaltigen Hundeleckerlis über den Tag führt zu einem ständigen Anstieg des Blutzuckers. Damit wird langfristig die Gefahr von Diabetes beim Hund erhöht. Leckerlis müssen daher nicht immer aus Getreide sein. Möglich sind ebenso ein Stück Apfel oder Karotte, wenn der Hund das mag. Selbstgebackene Hackfleisch- oder Leberbällchen enthalten einen hohen Fleischanteil und damit ein Mehr an lebenswichtigen Nährstoffen für den Hund. Mittlerweile werden auch Leckerlis aus magerem getrocknetem Fleisch ohne Zusätze angeboten, die den Insulinhaushalt nicht belasten. Belohnung muss sein.

Belohnen wir uns nicht alle selber hin und wieder mit einem Stück Schokolade oder alternativ mit etwas Herzhaftem.

Cordula Becker