Das Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse) ist eine Reise wert
Haben Sie schon einmal Reiterurlaub in Ostdeutschland gemacht? Richtig organisiert, lässt eine Reise nach Brandenburg das Herz jedes Pferdeliebhabers höher schlagen. Schnell taucht man ein in eine sorglose Welt, die unweigerlich an Ferien auf dem Immenhof erinnert. Wer den Wusch hat, morgens zu reiten, sich nachmittags zu erholen und abends gut zu essen, der kann dieses Ziel in Neustadt (Dosse) erreichen.
Der Osten Deutschlands hätte Nachholbedarf, wird erzählt. Fakt ist, dass er - bestimmte Bereiche betreffend - im allerschnellsten Eiltempo nachholt. Wer zum Beispiel Wellness wünscht, der ist im „Gesundbrunnen“, der Wellness - Oase in Neuruppin, bestens aufgehoben. Die einmalige Seesauna auf dem Ruppiner See oder der SPA und Beauty-Bereich laden zum Entspannen nach einem anstrengenden Reit- und Fahrkurs ein. Die Vinothek gegenüber überrascht mit günstiger mediterraner Küche und ausgesuchten Weinen aus aller Welt.
Für Züchter ein Begriff
Das Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse) arbeitet daran, zukünftig den “Leuchtturm der Region“ darzustellen. Die Stadt Neustadt (Dosse), auch Stadt der Pferde genannt, soll ein touristisches Mekka werden. Besucher sind herzlich willkommen. Dieser Eindruck wird vom ersten Tage an vermittelt. Mehrere Millionen Fördergelder werden derzeit in die Renovierung investiert. Hauptgrund dafür ist die lange Geschichte des Gestüts.
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Deutsches Gestüts mit Geschichte

Henning Müller, der Leiter der Reit- und
Fahrschule Neustadt, mit Samba Hit
Noch stehen Baumaschinen und Gerüste herum, die Schulpferde sind in Stallzelten untergebracht und man sieht die Bauarbeiter mittags ihre belegten Brote im Lieferwagen essen: Alles wird renoviert, denn das Brandenburgische Haupt- und Landgestüt ist eines der größten Europas und hat eine lange Geschichte.
Um 1787 wurde König Friedrich Wilhelm II. , der – so wird ihm nachgesagt – alles Schöne und vor allem edle Pferde liebte, von Carl Graf von Lindenau davon überzeugt, Stammgestüte einzurichten.
Hier sollte mit erstklassigen Hengsten die bis dahin unattraktive bodenständige Pferdezucht verbessert werden. Daraufhin beförderte der König den Kavallerieoffizier und Sohn eines sächsischen Oberstallmeisters, nach dem jetzt die große Reithalle benannt ist, zum Organisator des preußischen Gestütswesens.
Ein knappes Jahr danach begann der Aufbau der Zuchtanlage »Friedrich-Wilhelm«, dem heutigen Hauptgestüt für circa 60 Mutterstuten. Das kurmärkische Landgestüt namens Lindenau-Hof, heute das Landgestüt, beherbergte hundert Hengste.
Beide Anlagen entstanden als rechteckige Höfe im klassizistischen Stil, verbunden mit einer ein Kilometer langen vierreihigen Allee, die jetzt immer noch zum Reiten und Fahren genutzt wird. Pracht und Zweckmäßigkeit spiegeln die Bauten, in denen auch heute noch Pferde mit Pfeil und Schlange - dem Brandzeichen der Brandenburger Pferde gezüchtet werden.
Schnell, klug und gewandt
Pfeil und Schlange als Zeichen für Schnelligkeit, Klugheit und Gewandtheit sollten künftig alle in Neustadt gezogenen Pferde kennzeichnen. Bereits vorhandene Hengste aus Trakehnen, Hannover, Mecklenburg und Frankreich reichten Graf von Lindenau nicht aus, um die Landeszucht zu veredeln. So gelangten zwei Jahre später dreizehn arabische Hengste mit in den Hengstbestand, die bis heute die Zucht prägen.
Zukunft im Fahrsport

Landstallmeister Rainer Stübbing
ist für den Fahrsport verantwortlich
Neustadt (Dosse) hat sich die Förderung des Fahrsports auf die Fahnen geschrieben. Hier entsteht ein Fahrsportzentrum mit Angeboten, die über den bisher üblichen Lehrgangsbetrieb der Reit- und Fahrschule hinausgehen. In Zukunft sollen Neustädter Fahrpferde im mittleren, großen und internationalen Sport präsent sein. Der Fahrsport wird in der Gesamtvermarktung des Gestüts eine bedeutende Rolle einnehmen und wirtschaftliche Impulse über die Grenzen Neustadts senden.
Eine ganz besondere Rolle spielt hier der erfahrene Landstallmeister Rainer Stübing. Unter der Leitung des Neustädter Vorzeigefahrers können sich hier Interessenten mit oder ohne eigenes Gespann für den Turniersport fit machen lassen. Rainer Stübing ist mehrfacher Landesmeister im Fahren. Die Lücken in der oft fehlenden Erfahrung in der Fahrpferdeausbildung möchte der begeisterte und über die Landesgrenzen hinaus bekannte, erfolgreiche Fahrer füllen. Sein Ziel ist, Fahrer und Fahrpferde auszubilden. Das demonstriert er täglich mit hochkarätigsten Zuchtstuten. Bekannt sind die „Mädels“, wie er sie zärtlich bezeichnet, für ihre Eignung im Gespann. Sie hören auf Stübbings Stimme, ob sie vor dem Wagen sind oder er sie aus der Herde ruft.
Schöne Stuten
Vermutlich ist die auffallende Schönheit dieses bekannt guten Stutenstamms auf arabischen Einfluss zurückzuführen. Gesichter wie aus dem Bilderbuch, fromm und gutmütig, dabei so kraftvoll. Stuten mit großen, gütigen Augen und freundlichem Wesen. Landstallmeister Uwe Müller erklärt uns genau, warum das so ist. Die Pferdezucht konzentrierte sich in Brandenburg auf die besondere Homogenität in der Erbkraft. Diese Art der Selektion und deutlicher Trakehnereinfluss brachten beständig gute Nachfahren, so dass auch mit jungen Hengsten experimentiert werden konnte. Aus diesen Stutenstämmen entstammen Samba Hit und seine leider verstorbene Schwester Poetin, Quaterman und Quaterback, sowie der Hengst Levistano und viele andere.
Klassische Ausbildung
Besonderer Wert wird hier auf korrekte Ausbildung gelegt. Die Pferde sollen klassisch handhabbar, gut erzogen und fromm sein. Um die Verbindung zum Menschen zu gewährleisten, haben die Fohlen und Jungpferde bereits früh sehr viel Kontakt zum Menschen, sind anbindbar, schmiedefromm und anständig im Umgang.
Die Schulpferde, darunter auch Althengste oder kastrierte Hengste sind gut ausgebildet. Manch einer verbirgt hinter seinem Schulpferdeäußeren Temperament und hervorragende Reiteigenschaften, sowie eine gute Grundausbildung.
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Das Gestüt ist bei jeder Jahreszeit eine Reise wert
Hohes reiterliches Niveau
Wer viel Glück hat, dem wird die Ehre zuteil, bei Henning Müller, dem Leiter der Reit- und Fahrschule Neustadt und Cheftrainer der Dressurreiter Reitunterricht zu bekommen. Er unterrichtet die erfolgreichen Dressurreiter Maik Kohlschmidt und dessen junge Teamkollegen Christian Flamm und Lena Feistkorn, denen mit Samba Hit II, Samba’s Diamond oder Tarantella, Relius oder Princess von Landstallmeister Dr. Müller qualitätsvolle Nachwuchspferde mit Perspektive zur Verfügung gestellt wurden.
Wer bei Hauptsattelmeister Henning Müller reiten darf, profitiert indirekt vom Wissen alter Reitmeister und ostpreußischer Lehrer. Da für Müller das Wichtigste erst mal ein lockeres Pferd ist, sind seine Übungen kraftschonend für Pferd und Reiter. Was er sagt, bleibt im Gedächtnis und seine Erklärungen machen Sinn. Drei Tage Unterricht bei ihm sind für einen mittelguten, merkfähigen Reiter erst mal genug, um damit einen kleinen Quantensprung zu machen. Unter Henning Müllers Anleitung outet sich ein vorab gewöhnliches Schulpferd nach drei Tagen als ausgebildetes Pferd mit M-Niveau. Was dieser Mann sagt, kann man gleich umsetzen.
Verkaufspferde
Mit dem Verkauf gut ausgebildeter Pferde leistet das Landgestüt einen nicht unerheblichen Beitrag zum betriebswirtschaftlichen Ergebnis. Zum Leistungsangebot gehören neben der Ausbildung und Korrektur von Fahrpferden für Freizeit, Gewerbe, mittleren und Profifahrsport auch der Verkauf und die Vermittlung von Reit- und Fahrpferden aus dem Bestand des Gestütes.
Reitausbildung und Fahrschule
Wer E- oder A-Niveau vorzuweisen hat, kann hier ausgebildet werden. Es besteht auch die Möglichkeit, Trainerlehrgänge zu besuchen oder Dressur- und Springlehrgänge bis zum Silbernen Reitabzeichen zu absolvieren.
Nichtreiter oder -fahrer genießen den Anblick der Pferde auf den Paddocks und bei der Arbeit, sitzen im Restaurant oder auf der Sonnenterasse oder staunen über das Umfeld historischer Bauten, die nun mit Hilfe von EU-Fördermitteln seit Jahren renoviert werden.
Pferdeernährung
Das Gestüt hat 300 Pferde und 50 Pensionspferde zu versorgen. Auf 400 Hektar wird das Grundfutter wie Hafer, Heu und Stroh produziert. Dass das alleine nicht mehr genügt, ist bekannt. Wie in fast allen deutschen Staatsgestüten hat der Bereich Pferdeernährung nicht den Stellenwert wie Zucht, Haltung und Ausbildung. Je näher allerdings die dort arbeitenden Menschen mit den Pferden zu tun haben, desto größer wird das Interesse an der Fütterung, da sich einige Probleme eben nicht alleine mit gutem Umgang, guter Ausbildung und guter sauberer Haltung lösen lassen. Bei so viel Geld, das verbaut wird, würde man sich wünschen, dass die Pferde davon mehr profitieren würden.
Reiten als Schulfach
Der Traum vieler Schülerinnen ist in Neustadt (Dosse) Wirklichkeit geworden. Aufgrund der Tatsache, dass die Region durch den Pferdesport belebt werden soll und vielen Schulen durch rückläufige Kinderzahlen die Schließung droht, führte der Schulleiter der Gesamtschule Neustadt (Dosse) das Wahlpflichtfach „Reitsport“ ab der 7. Klasse ein, das im Gestüt umgesetzt wird.
Das in Deutschland einzigartige Projekt überzeugte die Kultusbehörden. Damit sollen junge Menschen an Berufe, die mit dem Pferd zu tun haben, geführt werden. Die Schüler entwickeln Eigenschaften wie Geduld, Disziplin und Verantwortungsbewusstsein. Da nun viele Jugendliche von auswärts in Neustadt zur Schule gehen wollen, wurde kurzerhand ein ehemaliges Gutshaus in ein Internat umgewandelt.
Was von einer Reise nach Neustadt (Dosse) bleibt, ist das gute Gefühl, dass es eine echte traditionell begründete „Horsemanship“ gibt. Hier darf man den Umgang mit Pferden ganz klassisch und ohne das für unsere Zeit typische Anbeten von Gurus erlernen, frei nach dem Dalai Lama: „Um die Bedeutung eines Gurus einschätzen zu können, verlasst Euch auf seine Lehren. Bringt ihnen keinen blinden Glauben entgegen, aber auch keine blinde Kritik.“ Neustadt (Dosse) ist auf alle Fälle eine Reise wert (www.gestuet-neustadt.de).
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Dr. Susanne Weyrauch










