Deutsch-Polnische Partnerschaft

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Breslau verfügt über eine enorme Vielfalt an Universitäts-einrichtungen, die zum Teil einen Spitzenrang in Europa einnehmen. Im Frühjahr 2008 wurde eine Kooperation zwischen MED und der Breslauer Universität für Umwelt- und Lebenswissenschaften ins Leben gerufen.

Damit erweitern sich die Wirkungsmöglichkeiten der Mühle Ebert Dielheim, welche die Forschung, Entwicklung und die gesamte Pferdefutterherstellung für die Marke St. Hippolyt betreibt. Die Zusammensetzung der Futtermittel und die wissenschaftliche Erarbeitung von Fütterungskonzepten sollen direkt davon profitieren.

Polen03Für die genannte deutsch-polnische Kooperation steht das Labor für Elektronenmikroskopie und Gewebeforschung im Mittelpunkt, das 1969 als eines der ersten dieser Art gegründet wurde. Das Labor arbeitet unabhängig für Institute der Medizinischen und der Tiermedizinischen Hochschule, der Ernährungswissenschaft und für weitere Forschungsinstitute in Breslau, Warschau und Krakau.

Ungeahnte Möglichkeiten

Herzstücke des Labors sind die Elektronenmikroskope: Ein Transmissionselektronenmikroskop macht winzigste Details im Zellinneren sichtbar. Das Rasterelektronenmikroskop bildet Oberflächenstrukturen bis zur Größenordnung weniger Nanometer ab. Daran angeschlossen ist der Elementaranalysator „Roentec“, mit dem tierische und menschliche Gewebe im Elektronenmikroskop auf ihren Gehalt an chemischen Elementen untersucht werden. So lässt sich zum Beispiel der Gehalt an Zink, Silizium, Eisen, Stickstoff, Kohlenstoff und beliebiger weiterer Elemente bis in die Dimension einzelner Hufhorn- oder Hautzellen ermitteln.

Aktuell werden im Labor Stoffwechselprozesse und strukturelle Details der „Mastzellen“ des Immunsystems aufgeklärt. Die Mastzellen spielen wahrscheinlich eine Schlüsselrolle bei der Entstehung des Sommerekzems und anderer Hautentzündungen der Pferde.

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In Breslau wird mit modernster Technik gearbeitet

Forschung für die Praxis

Aber es gibt auch ganz praxisbezogene Anwendungen. So kann eine elektronenoptische Routineanalyse von Haaren, Huf- und Hautproben Aufschluss über die Qualität der Pferdefütterung geben. Diese Möglichkeit wird bereits von mehreren Kunden des Labors genutzt um die Mineralstoffversorgung ihrer Pferde zu überprüfen.

Im Rahmen von Doktorarbeiten werden im Labor zum Beispiel Hautveränderungen von Stuten während der Trächtigkeit und der Einfluss von zugefütterten Omega-3- und -6-Fettsäuren auf Haut- und Haarbeschaffenheit von Labradorhunden untersucht. Ein aktuelles EU-Projekt dient unter dem Motto „Nutrition applies knowledge“ der Aufklärung von feinstrukturellen Gewebeveränderungen nach Verfütterung bestimmter Futterergänzungsmittel und einzelner Nährstoffe.

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links: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen zeigen die exzellente Qualität von Mähnenhaaren des  Etzeaner Deckhengstes Sholokhov. Längsaufsicht mit sehr regelmäßigen und glattrandigen Haarlamellen
rechts: Mähnenhaar eines Pferdes mit schlechter Haarqualität. Längsaufsicht mit unregelmäßig angeordneten angegriffen wirkenden Haarlamellen

Ernährungsforschung EU gefördert

Auch für Pferde gilt: „Nutrition applies knowledge“. Dies bedeutet etwa: „Ernährung wendet Wissenschaft an“. Tatsächlich gilt die Ernährung auf europäischer Ebene – in Deutschland mag dies verwundern – als eines der wichtigsten aktuellen Wissenschaftsgebiete. Dabei spielt eine Rolle, dass der Europäische Markt immer mehr überschwemmt wird von Lebens- und Futtermitteln oft zweifelhafter Qualität.

Die „Streckung“ von Pferdekraftfutter mit Strohmehl gehört noch zu den harmloseren Beispielen. Ein Futter mit Nährstoffdefiziten beeinträchtigt aber in jedem Fall den Gesundheitsstatus des Pferdes und dies – die Fütterungsmuffel mögen erzittern - spiegelt sich eindeutig wider in der Feinstruktur von Haar, Haut und Hufen! Indem man solche Gewebe mit dem Elektronenmikroskop quasi „gerichtsmedizinisch“ untersucht, kann man dem günstigen oder negativen Einfluss der Fütterung auf die Spur kommen.

Pferdestudie bringt erstaunliche Ergebnisse

Im Jahr 2002 nahm das Breslauer Elektronenmikroskopielabor der Breslauer Universität Kontakt auf mit einem der führenden deutschen Rennpferdegestüte. Das Gestüt Etzean bei Frankfurt/Main zeichnet sich nicht nur durch sehr gute Verkaufs- und Rennresultate aus, sondern auch durch ein besonders gesundheitsförderndes naturorientiertes Pferdemanagement.

Heinz Weil, der wissenschaftlich interessierte Gestütsbesitzer, erkannte schnell die Chance. Er schlug vor, die Ultrastruktur der Haare als Indiz für den Gesundheitszustand seiner Pferde heranzuziehen. Nach einem Jahr intensiver Forschung stand zunächst fest, wie ein gesundes Pferdehaar aussehen muss. In den folgenden drei Jahren wurden mit Unterstützung des Etzeaners Ralf Kredel bei 80 Prozent der Gestütspferde Haarproben aus Mähne und Schweif untersucht.

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links: Haarquerschnitt mit gut ausgeprägten Markkanälen
rechts: Querschnitt mit weitgehend fehlenden Markkanälen

Haarpracht als Gesundheitsindiz

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Das Forschungsteam um den
Heidelberger Biologen Dr. Moll und
Dr. Marycz aus Breslau arbeitet mit
Nachdruck an der Aufklärung dieses
Themenkomplexes

Es zeigte sich, dass die Etzeaner Pferde ausnahmslos eine sehr gesunde Haarbeschaffenheit aufwiesen. Dagegen waren Vergleichshaare von Pferden aus anderen Ställen überwiegend mangelhaft. Während die Etzeaner Pferdehaare schöne regelmäßige und vollständige Lamellen hatten (s. Abb....), wiesen die Haare aus Fremdställen unregelmäßige und lückenhafte Lamellen auf. Manche dieser Haare hatten überhaupt keine Lamellen! Zusätzlich vorgenommene Messungen der Zugbeständigkeit zeigten, dass die Haare der Etzeaner Pferde weitaus elastischer und stabiler als die der Fremdpferde waren.

Bioverfügbarkeit entscheidend

Die Unterschiede der Haargesundheit wurden von den Untersuchern zu einem erheblichen Teil auf das verwendete Ergänzungsfutter zurückgeführt. Das Gestüt Etzean arbeitet seit vielen Jahren eng mit der Mühle Ebert Dielheim zusammen, während die untersuchten Fremdpferde ausnahmslos weniger hochwertiges Kraftfutter erhalten hatten.

Unter den Futterbestandteilen spielen die Kombination und Bioverfügbarkeit der Mineralstoffe für die allgemeine und die Haargesundheit eine besondere Rolle. Futtermittel mit hochwertigen organisch komplex gebundenen Mineral- und Spurenstoffen beeinflussen spürbar die Stoffwechselregulation - bis in die Hautzellen und Haarpapillen. Dadurch können Haut- und Haarprobleme besser vermieden werden. Anorganische Mineralverbindungen sind dagegen im Stoffwechsel nicht so gut verwertbar und können sogar toxisch wirken.

Es bleibt spannend

Es bleibt vielfach noch unklar, in welchem Maß die anorganischen Komplexe die Tiergesundheit tatsächlich gefährden. Der Heidelberger Wissenschaftler Dr. Moll (MED) bildet ein Forschungsteam mit der Breslauer Gruppe um Dr. Marycz und arbeitet mit Nachdruck an der Aufklärung dieses Themenkomplexes. Zur Zeit steht die unterschiedliche Aufnahme organisch bzw. anorganisch gebundener Spurenstoffe in Haut und Haaren von Vollblutjährlingen im Mittelpunkt. Gleichzeitig wird der Einfluss dieser Mikronährstoffe auf die Feinstruktur von Haut und Haaren untersucht. Die Studienergebnisse werden in den nächsten Ausgaben des Futterjournals veröffentlicht.

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Der polnische Wissenschaftler Dr. Krzysztof Marycz ist Biologe und erlangte durch seine Forschung zum Thema Haaranalyse seine Promotion

Dr. Krzysztof Marycz