Schwefel als Futterbaustein
Im Mittelalter nahmen Alchimisten an, dass Schwefeldämpfe Ausdünstungen der Hölle seien. Nach der Entdeckung des gelben Stoffs als hochexplosive Mischung durch einen deutschen Mönch Anfang des 14. Jahrhunderts und der daraus folgenden Revolution der Waffentechnologie, scheint dieser Vergleich aber gar nicht mehr so unpassend.
In China und im alten Ägypten wurde das Nichtmetall, das vom lateinischen Wortstamm her „giftig“ bedeutet, vor allem zum Bleichen von Stoffen sowie zum Räuchern genutzt.
Formgeber der Haarpracht
Nach Calcium und Phosphor ist Schwefel der mengenmäßig dritthäufigste Mineralstoff im Körper. Da Schwefel im Wesentlichen durch die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein aufgenommen wird, ist in der üblichen Pferdeernährung die Schwefelzufuhr von der Eiweißaufnahme abhängig. Hohe Mengen an schwefelhaltigen Aminosäuren finden wir in Bierhefe, Sesamsaat, Kartoffeleiweiß, Algen und Muscheln. Letztere sind in der Lage, anorganische Schwefelverbindungen aus dem Meerwasser aufnehmen und in die organische Bindungsform umzuwandeln. Weitere Schwefelquellen für das Pferd sind – wie der Geruch schon vermuten lässt - Knoblauch, Bärlauch und Zwiebeln. Die Schwefelverbindung heißt Alliin und ist eine nicht-proteinogene, schwefelhaltige Aminosäure. Wird das Fruchtfleisch von Knoblauch verletzt, wandelt sie sich in das antibakteriell und antimykotisch wirkende Allicin um. Auch Senf und Raps besitzen schwefelhaltige Inhaltsstoffe, sogenannte Glucosinolate, die in moderaten Mengen genossen, das Immunsystem unterstützen.
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Schwefel macht Locken
Eine wichtige Funktion des Schwefels im Körper ist die Bildung sogenannter Schwefelbrücken, die die Proteine in ihrer funktionsfähigen Form halten. Die Formgebung der Haare - ob glatt oder lockig - und die Festigkeit der Hufe ist darauf zurück zu führen. Tatsächlich enthalten Haare und Hufhorn überdurchschnittlich viel Schwefel. Rothaarige Individuen weisen den höchsten Schwefelgehalt auf. Der charakteristische Geruch bei der Arbeit des Hufschmieds entsteht, wenn durch Hitze die schwefelhaltigen Eiweißverbindungen im Hufhorn unter Freisetzung eines beißenden Geruchs zerstört werden. Bröckelige Hufe, wie unelastische Haut oder mattes Fell können die Folge einer unzureichenden Schwefelzufuhr sein.
Schwefel für gesunde Gelenke
Griechische und römische Ärzte der Antike nutzten Schwefel bereits zur Behandlung von Rheuma-Erkrankungen. Heute weiß man: Schwefel ist entscheidend beteiligt am Aufbau von Kollagen und somit wesentlich beteiligt an der Festigkeit und Struktur des Bindegewebes, der Sehnen, Knorpel und Knochen. Die meisten Mucopolysaccharide, wie Chondroitin zur Regeneration des Knorpels, enthalten Schwefel. Weiterhin ist Schwefel Bestandteil von Vitamin B1 und Biotin, die bekanntlich vom Pferd selbst gebildet werden. Das Hormon Insulin und das Coenzym A enthalten Schwefel. Schwefel kann in Ausnahmesituationen zum Statthalter für Selen werden. Die schwefelhaltige Aminosäure Cystein ist ein Baustein des Glutathions, das als Antioxidant in der Lage ist, oxidiertes Vitamin C und E zu regenerieren. Besonders hervorzuheben ist die organische, biologisch aktive Form des Schwefels, das Methylsulfonylmethan (MSM), die in jedem Organismus zu finden ist. Diese Verbindung, die auch als Nahrungsergänzung erhältlich ist, soll eine entgiftende Wirkung auf den Organismus besitzen.
Die Leber braucht Schwefel
Ein zu geringer Gehalt an schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein und Methionin in der Ration erschwert die Entgiftungsfunktion der Leber und kann zu Schäden führen. In der Tierheilkunde hat sich der Einsatz kleiner Mengen Schwefelblüte in Verbindung mit homöopathischen Schwefelverbindungen bei Parasitenbefall wie Milben, Haarlingen oder Läusen bewährt.
Das Erbe der Industrienationen
Das überwiegend beim Verbrennen schwefelhaltiger Energieträger (Kohle, Erdöl) entstehende farblose und stechend riechende Schwefeldioxid gelangte vor allem in den 70iger Jahren in die Atmosphäre und belastete später als „saurer Regen“ die Umwelt. So wurde zeitweise der Schwefelverbrauch eines Landes als Indikator des Wohlstandes gesehen.
Sulfatanreicherungen in Futterpflanzen blockieren die Aufnahme der Pflanze von Kupfer und Selen, was zu sekundären Mangelsituationen dieser Spurenelemente in der Tierernährung führen kann. Ein gewachsenes Umweltbewusstsein und die daraus folgenden gesetzlichen Entwicklungen führten zu einer Entlastung der Umwelt, so dass langfristig der Schwefel wieder mehr Beachtung in der Düngung findet.
Sarai Feuerbach










