Mit Fütterung das Immunsystem unterstützen
Immunsystem ist ein Wort, das uns mittlerweile sogar in der Fernsehwerbung begleitet. Dabei verbirgt sich dahinter ein hochindividuelles System, das dafür sorgt, dass das Zusammenleben mit anderen Spezies funktioniert. So leben unsere Pferde tagtäglich mit Viren, Pilzen und Bakterien meist recht friedlich zusammen.
Gerät das Gleichgewicht aus der Bahn, werden Freunde zu Feinden und greifen als Krankheitserreger den Körper an. Das freundliche Miteinander ändert sich rasch. Viren, Bakterien und Pilze starten ihre Angriffe auf die Zellen. Einzellige Lebewesen, sogenannte Protozoen wie Leishmanien, Babesidien, Giardien oder Plasmodien attackieren den Organismus wie in einer Science Fiction. Parasiten, darunter Würmer, versuchen massiv in das Wohlbefinden und die Gesundheit des Pferdes einzugreifen. Jetzt wird das Immunsystem aktiv. Es nimmt seine vordringlichste Aufgabe, Zellen zu schützen, wahr. Das Immunsystem ist keine abstrakte Angelegenheit, sondern besteht aus verschiedenen, durchaus konkreten Systemen.
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Schranken für Krankheitserreger
Der Körper verfügt über Barrieren, die ein Eindringen unerwünschter Spezies verhindern sollen. Dazu gehört an erster Stelle die Haut. Schweiß und Talg unterstützen die Abwehr. Sie gelten als Wachstumsbremsen für körperfremde Mikroorganismen. Die Schleimhäute im Körperinneren und in den Körperöffnungen produzieren Schleim, um Krankheitserreger zu bekämpfen und herauszutransportieren. Selbst Tränen können das Auge vor Eindringlingen schützen. In der Mundhöhle ist der Speichel in der Lage, Mikroorganismen zu bekämpfen und der Magen verfügt über die aggressive Magensäure zur körpereigenen Desinfektion.
Von ganz besonderer Bedeutung für die Abwehr ist der Darm. Die Darmflora wehrt durch ihre anwesenden Bakterien Infekte ab. Aufgrund ihrer großen Oberfläche hat auch die Darmschleimhaut eine besondere Bedeutung für das Immunsystem, denn 70-80% aller Zellen, die Antikörper produzieren, befinden sich in den Schleimhäuten des Darmes.
Im Bronchialgewebe und im Harntrakt befinden sich ebenso Schleimhäute, die verhindern, dass Mikroorganismen eintreten.
Kinderstube der weißen Blutkörperchen
Im sogenannte lymphatischen System, zu dem das Knochenmark, die Thymusdrüse, aber auch die Milz und die Lymphknoten gehören, reifen Lymphozyten heran oder sind dort besonders zahlreich vertreten.
Die Lymphozyten, eine Gruppe weißer Blutkörperchen, haben eine zentrale Aufgabe in der Immunabwehr, denn sie können ganz gezielt Krankheitserreger erkennen und beseitigen. Lymphozyten können über Blut und Lymphbahnen den ganzen Körper durchwandern und tauschen untereinander und mit anderen Zellen Informationen aus.
Während die B-Lymphozyten bereits im Knochenmark zu funktionstüchtigen Abwehrzellen heranreifen und erst danach ins Blut und in die lymphatischen Gewebe auswandern, erfolgt die Reifung der sogenannten T-Lymphozyten in der Thymusdrüse.
Kampfzellen
B- Lymphozyten produzieren Antikörper. Antikörper sind kleine Eiweißmoleküle, die sich an Krankheitserreger anhängen und diese als „Feinde“ für Makrophagen (Monozyten), so genannte Fresszellen oder bestimmte T-Lymphozyten (Killerzellen) erkennbar machen.
Die „Killerzellen“ unter den T-Lymphozyten erkennen und vernichten von Viren befallene Körperzellen und auch Krebszellen. Andere Gruppen von T-Lymphozyten „organisieren“ den Einsatz der Abwehrzellen und aktivieren oder hemmen auf diese Weise das Immunsystem.
Neutrophile Granulozyten und Monozyten fressen und verdauen die Krankheitserreger einfach. Die weißen Blutkörperchen zirkulieren im Blut und in der Lymphe und gelangen als Polizei in betroffenes Gewebe, um schnell vor Ort den Kampf gegen Eindringlinge zu beherrschen.
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Ein sorgenfreies Pferdeleben unterstützt die Immunabwehr
Psychische Immunfaktoren
Die Erkenntnis, dass Botenstoffe des Nervensystems auf das Immunsystem und Botenstoffe des Immunsystems auf das Nervensystem wirken, hilft zu verstehen, warum Stress und Unausgeglichenheit, Sorgen oder Schmerz das Immunsystem schwächen können. Für Pferde ist Stress ebenso gefährlich wie für Menschen. Trennung von Artgenossen, dominante Herdenmitglieder in der Robusthaltung oder labile oder unvernünftige Reiter können die Psyche des Pferdes sehr belasten und langfristig das Immunsystem schädigen.
Gesunde Lebensweise
Stoffwechselstörungen wie das Metabolische Syndrom, Cushing oder Ekzem erschweren die Arbeit des Immunsystems. Der Organismus wird anfälliger. Auch der mit der Krankheit verbundene Stress wird schädigend für das Immunsystem angesehen. Die Stabilität des Immunsystems kann jedoch gefördert werden.
Artgerechte Haltung mit Bewegung und frischer Luft gilt als immunstimulierend. Auch wenn die direkten Zusammenhänge noch nicht ganz aufgeklärt sind, fördert die sportliche Betätigung das Immunsystem. Überlastung ohne genügende Ruhepausen allerdings bewirkt das Gegenteil. Stark körperlicher Einsatz unter Wettkampfbedingungen, Transporte und Stallwechsel machen dem Immunsystem nachweislich zu schaffen.
Ernährungsbezug
Die Bildung, Neubildung oder Reparatur von Barrieren, die Sekretion von Ausscheidungen zum Schutz gegen Eindringlinge und die Bildung von Immunzellen im Blut kann mit der Ernährung sehr gut unterstützt werden. Dabei bestehen verschiedene Möglichkeiten:
Es kann ein Mangel vorliegen, der dem Individuum nicht ermöglicht, mechanische Barrieren (wie die Haut oder Schleimhäute) zu regenerieren. So kann zum Beispiel die zinkabhängige Bildung der T-Lymphozyten in der Thymusdrüse behindert sein. Durch den Mangel kann nur eine schwache Verteidigung ermöglicht werden.
Infektionen können einen zeitweilig erhöhten Nährstoffbedarf erfordern. In der orthomolekularen Medizin geht man davon aus, dass man mit einer Art Stoßtherapie Nährstoffe zuführen kann, um dem Körper in Krisenzeiten zu helfen.
Mit bestimmten Nährstoffen kann ein indirekter Einfluss auf das Immunsystem ausgeübt werden. Dies trifft insbesondere auf darmsanierende, verdauungsfördernde sowie schleimhautaufbauende Nährstoffe zu. Dazu gehört zum Beispiel die Fütterung von Beta-Glucanen. Diese Polysaccharide kommen in größerer Menge in der Zellwand von Hefen vor und gelten als immunstabilisierend. Ebenso können viele Nahrungskräuter durch die Anregung der Magensäfte, die Stimulierung der Verdauung und Blähungsabbau dazu beitragen, die Verdauung zu unterstützen und den Darm zu entlasten.
Grundfutter ohne Mängel
Die Grundfütterung des Pferdes, bestehend aus Heu, Stroh und Hafer, sollte, und das wird immer wieder gesagt, aus einwandfreien Zutaten bestehen. Leider ist das nicht immer so. Verschimmeltes oder mit Bakterien verseuchtes Grundfutter schwächt auf Dauer das Immunsystem sehr stark. Nicht unbedingt gleich in dem Jahr, in dem es verfüttert wurde, sondern meist erst im Folgejahr. Daher ist ein Zusammenhang oft nicht mehr nachvollziehbar.
Leider wird dem Einfluss belastenden Futters auf das Immunssystem zu wenig Beachtung geschenkt. Hier wird leider am falschen Platz gespart. Die Qualität von Heu und Stroh ist daher so wichtig, weil das Pferd davon am Tag 7 bis 9 Kilogramm verzehrt. Hier richtet eine Kontamination den mengenmäßig größten Schaden an. Schadstoffe überlasten die Leber und die Nieren, die als Entgiftungsorgane in Mitleidenschaft gezogen werden können.
Wichtig für ein gutes Funktionieren der Leber ist das genügende Vorhandensein der Aminosäuren Cystein und Methionin, der Vitaminen des B-Komplexes sowie Spurenelementen wie Zink, Kupfer und vor allem Mangan. Die Entgiftungsvorgänge der Leber arbeiten zu einem Großteil über enzymatische Reaktionen, die eine nicht unerhebliche Menge an Spurenelementen benötigen. Ebenso reagiert die Leber positiv auf Naturkräuter wie Artischocke, Birke oder Mariendistel.
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Salbei stärkt das Immunsystem und ist reich an Zink
Kräuter
In der Naturheilkunde gilt ein entsäuerter Körper als ein gesunder Körper. Die meisten Kräuter gelten als basenbildend und werden in der Pferdefütterung mit Erfolg eingesetzt. Kräuter haben zudem eine traditionell antioxidative, immunstimulierende oder antibakterielle Wirkung. Ob als Tee zubereitet oder einfach ins Futter untergemischt können Kräuter langfristig positive Effekte auf die Entgiftung und die Kräftigung des Immunsystems haben. Besonders zu nennen sind hierbei Thymian, Rosmarin und Arnika, sowie Ginseng oder Hagebutte. So einfach und trotzdem wirkungsvoll sind Himbeere und Holunder. Auch dem bitteren Tausendgüldenkraut wird eine immunstärkende Wirkung nachgesagt.
Wasser
Der reichliche Genuss von Wasser hilft dem Körper, sich von innen heraus zu reinigen. Aber wie soll man dies einem Pferd sagen? Hier hilft ein Trick. Bei der Anwendung von klassischen Mashzubereitungen wird einfach sehr viel mehr warmes Wasser verwendet als vorgegeben, so dass das Pferd, um an das Mash zu kommen, erstmal ordentlich etwas von dem „warmen Tee“ wegtrinken muss. Das kann man ebenso mit einem getreidearmen, wohlschmeckenden Kräutermüsli machen.
Spurenelemente
Zink gilt als das immunstimulierende Spurenelement schlechthin. Eine ausreichende Bildung von weißen Blutkörperchen setzt einen guten Zinkstatus voraus. Ein Mangel an Zink kann die Bildung von T-Lymphozyten bremsen. Die Thymusdrüse ist daher ein besonders zinkreiches Organ.
Zahlreiche Studien haben belegt, dass virale Erkrankungen wie Erkältungen oder Herpes unter ordentlichen Zinkgaben nahezu in der Hälfte der Zeit abheilen können. Die Bildung von Haut und Schleimhaut ist bei einem Zinkmangel gebremst. Damit kann die Bildung mechanischer Barrieren beeinträchtigt werden. Auch der Aufbau der Darmflora und der Darmschleimhaut benötigt große Mengen an Zink. Mittlerweile wurde durch die Untersuchungen eines führenden Labors ein Zinkmangel bei einem nicht zu unterschätzenden Anteil an Pferden festgestellt.
Schleimhautaufbau durch Mangan
Mangan ist über die Bildung von Mucopolysacchariden und Schleimstoffen ebenso am Aufbau der Schleimhäute beteiligt. Obwohl laut herkömmlicher Literatur der Bedarf an Mangan durch natürliche Futtermittel gedeckt ist, profitieren immunlabile Pferde erfahrungsgemäß bei chronisch obstruktiver Bronchitis von der zusätzlichen Gabe von Mangan.
Selen wirkt antioxidativ
Selen ist Bestandteil des Enzyms Glutathionperoxidase, welches antioxidative und entgiftende Funktionen hat. Durch seine Beteiligung an der Bildung von Prostaglandinen hat Selen einen indirekten Einfluss auf das Immunsystem. Allgemein führt ein Selenmangel zu einer Unterdrückung des Immunsystems. Selen steht hier aber nicht alleine. Auch ein Kupfermangel kann eine Immunsupression auslösen.
Der Einfluss der Ernährung auf das Immunsystem ist frappierend. Eine grundsätzlich gesunde Ernährung unter Berücksichtigung der Einhaltung der empfohlenen Werte insbesondere für Spurenelemente kann viel Sorgen und Last vermeiden.
Dr. Susanne Weyrauch










