Champions richtig behandeln

Intro-OliverLuzeInterview mit Oliver Luze

Sonnengebräunt und frisch erholt aus dem Urlaub empfängt mich Oliver Luze auf dem Tannenhof. Der zurückhaltende, sympathische Hannoveraner war bis vor kurzem elf Jahre Gestütsleiter und Ausbildungschef auf der gepflegten Anlage, die zu den größten Hengststationen Deutschlands zählt.

Während seiner langen Zeit als Bereiter und Ausbilder saß der im Dressursport bis Grand Prix erfolgreiche Luze schon im Sattel vieler bekannter Hengste, zu denen der sensible Reiter eine ganz besondere Beziehung hat. Seine Frau Katrin, ebenso erfolgreiche Dressurreiterin, arbeitet eng mit ihm zusammen. Sie bildet vor allem die Nachwuchshengste aus und stellt sie bis zur Königsklasse vor.

OliverLuze-IntroFutterJournal:
Wie sind Sie zu den Pferden und zur Reiterei gekommen?
Oliver Luze:
Ich war etwa elf Jahre alt, als mich beim Kaufmann in unserem Wohnort ein anderer Junge ansprach, ob ich nicht mal mit ihm zu seinem Pony käme. Bis dahin hatte ich mit Pferden nichts zu tun. Ich hatte vorher schon viele Sportarten durchprobiert und keine, nicht einmal Fußball, hat mir so richtig zugesagt.

Von diesem Tag an war ich jeden Tag im Stall und bekam sogar ein Pflegepony. Wir spielten ständig mit den Ponys im Wald Cowboy und Indianer. Bei den Pferden bin ich dann hängen geblieben. Nach meinem Pflegepony kam ein Pflegepferd, mit dem ich damals bei Johannes Lieberg, einem Berufsreiter, nach der Schule Unterricht genommen habe. Schließlich absolvierte ich die Ausbildung zum Pferdewirt mit Schwerpunkt Reiten.

OliverLuze

FutterJournal:
Nach Ihrer Ausbildung zum Pferdewirt haben Sie bei Herbert Rehbein trainiert. Was war das für ein Gefühl bei einem so großen Dressurreiter in die Schule zu gehen?
Oliver Luze:
Darauf war ich natürlich wahnsinnig stolz. Herbert Rehbein hat mir sehr viel beigebracht. Ich komme nicht aus solchen Verhältnissen, wo so etwas selbstverständlich war. Ich musste mir solche Sachen immer erkämpfen. Aber ich hatte das Glück, dass ich Pferde geritten habe, deren Besitzer mir das Reiten bei Rehbein ermöglicht haben.

FutterJournal:
Wie ging es dann weiter?
Oliver Luze:
Danach habe ich die Pferde von einem großen Spediteur in Braunschweig geritten. In dieser Zeit habe ich auch angefangen, in Vechta Auktionen zu reiten. Ich war abwechselnd mal in Braunschweig, bei Herbert Rehbein oder 6-8 Wochen weg, um Pferde für die Auktion vorzubereiten. Ich konnte interessante Erfahrungen machen, weil man sehr viel lernt, wenn man so viele verschiedene Pferde reitet.

FutterJournal:
Sie waren sieben Jahre in den USA als Trainingsleiter der Hengstleistungsprüfungen für den Oldenburger Verband beschäftigt. Was für Erfahrungen haben Sie dort gemacht?
Oliver Luze:
Dort habe ich, wie auch auf dem Tannenhof, einen Dressurstall und die Deckstation geleitet, Pferde trainiert, die 100-Tage-Tests für die Hengste durchgeführt und auch sehr erfolgreich Turniere an der ganzen Westküste geritten. Damals war der Unterschied zu Deutschland doch deutlich größer. Hier in Deutschland ist die klassische Reiterei eine gewachsene Substanz. Die meisten Hengste sind schon vernünftig geritten, wenn man sie bekommt. In den U.S.A. konnte mir passieren, dass ein junger Hengst zwar schon gedeckt hatte, aber noch nicht reiterlich ausgebildet war. Das konnte schon mal sehr abenteuerlich werden.

OliverLuzeUndCockpit
"Wenn Du einen Champion haben willst, musst Du ihn auch wie einen Champion behandeln" Oliver Luze 2008

FutterJournal:
Was unterscheidet in Ihren Augen die Arbeit mit Hengsten von der Arbeit mit Stuten und was für einen Typ Pferd bevorzugen Sie?
Oliver Luze:
Ich habe mein ganzes Leben lang hauptsächlich Hengste geritten, aber ich kann nicht sagen, dass ich sie bevorzuge. Generell reite ich lieber Stuten oder Hengste. Meine eigenen beiden Pferde sind zum Beispiel auch Stuten, selbstverständlich Carabas Stuten.

FutterJournal:
Wie viel Wert legen Sie auf Zucht und Abstammung bei der Wahl eines hochklassigen Sportpferdes?
Oliver Luze:
Wenn es darum geht, für die Deckstation ein Pferd zu suchen, dann lege ich sehr viel Wert darauf. Es gibt Abstammungen, die sind einfach nicht kompatibel mit dem Dressursport und die würde ich auf keinen Fall kaufen. Aus meiner langen Erfahrung mit Hengsten weiß ich, dass bestimmte Merkmale zu 90% weiter gegeben werden, wie zum Beispiel Charaktereigenschaften. Bei der Suche nach einem reinen Sportpferd schaue ich mir dagegen nur das Pferd und seine Eigenschaften an.

FutterJournal:
Wie beeinflusst Ihrer Meinung nach die Fütterung die Leistung der Turnierpferde?
Oliver Luze:
Die Fütterung nimmt einen großen Einfluss auf das Aussehen und auf Leistungsbereitschaft der Tiere. Auf einer Deckstation darf kein Pferd eckig aussehen, ein stumpfes Fell haben oder keine Lust an der Arbeit haben. Die Tiere müssen glänzen und Ausstrahlung haben. Diese Dinge werden ganz klar durch die Fütterung beeinflusst. Meine persönliche Einstellung ist: Wenn Du einen Champion haben willst, musst Du ihn auch wie einen Champion behandeln. Und das fängt beim Futter an. Die Futterkammer auf dem Tannenhof sieht aus wie eine Gourmet-Küche, jedes Pferd bekommt was es mag und was es braucht. Bei uns ist eine kompetente Person zuständig für die Fütterung aller Pferde, mit der die individuellen Rationen je nach Bedarf zusammengestellt werden.

FutterJournal:
Ihre Frau Katrin ist ebenfalls erfolgreiche Reiterin. Sind Sie oft einer Meinung oder fliegen in einer „Reiterehe“ eher mal die Fetzen?
Oliver Luze:
Natürlich kam das schon mal vor, dass wir unterschiedlicher Meinung waren, aber eher selten. Sie ist einer meiner größten Trainer. Für mich kommt es nicht darauf an, wie es sich beim Reiten anfühlt, sondern wie es aussieht und das kann man von oben nicht beurteilen. Bei uns beiden gibt es auch keine Widerreden beim Training. Wir legen nicht so viel Wert darauf, ob wir den richtigen Ton treffen, sonst könnten wir nicht so gut zusammen arbeiten. Wir sind ja ständig zusammen, fahren auf Turniere, sie steht am Viereck wenn es darauf ankommt. Ich finde es sogar schön, dass wir uns 24 Stunden am Tag sehen. Es gibt keine Probleme, wenn man die richtige Einstellung hat.

FutterJournal:
Mit Tannenhof´s Carabas haben Sie viele Erfolge gefeiert, fällt Ihnen der Abschied von so einem Spitzenpferd schwer?
Oliver Luze:
Es ist natürlich enttäuschend, wenn man als Reiter keinen Einfluss darauf hat, dass so ein Pferd verkauft wird. Ich habe ihn eingeritten und acht Jahre mit ihm gearbeitet. Es gab anfangs nur drei Menschen, die an ihn geglaubt haben. Das waren meine Frau, Wolfram Wittig, der Trainer von Isabell Werth, und ich. Carabas stammt aus einer relativ unbekannten, fast ausgestorbenen Holsteiner Linie. Er ist ein absolutes Ausnahmepferd, eine ganz starke Persönlichkeit. Ich denke, er ist schlauer als andere Pferde. So ein Pferd wie ihn werde ich vielleicht nie wieder bekommen. Er hat zwar Faxen mit mir veranstaltet, aber wenn ich erst mal drauf saß oder in der Prüfung geritten bin, hat er immer funktioniert. Das war zum Schluss mit ihm wie Moped fahren, obwohl ich ihn nie brechen musste. Man musste nur die richtigen Knöpfchen drücken. Ich habe sein Training aber auch sehr locker gestaltet und nicht jeden Tag alles geübt. Er durfte sich oft, natürlich kontrolliert, frei bewegen und auch mal gammeln. Meine Philosophie ist beim jungen Pferd nicht zu früh mit solchen Dingen wie zum Beispiel Piaffe oder Passage anzufangen. Wenn das Tier erst mal älter und ausbalancierter ist, hat man es wesentlich leichter.

FutterJournal:
Sie verlassen nach elf Jahren das Gestüt Tannenhof, was für Ziele haben Sie und Ihre Frau sich für die kommenden Jahre gesetzt?
Oliver Luze:
Wir werden natürlich da weiter machen, wo wir aufgehört haben. Vor allem weiterhin auf höherem Niveau Turniere reiten. Mit Rainer Schwiebert, der mich schon als Trainer in der Ausbildung von Carabas begleitet hat, werden wir uns in der Nähe von Hamburg niederlassen. Auf dem Helenhof in Kattendorf, Schleswig-Holstein, warten schon einige viel versprechende Nachwuchspferde der Familie Schwiebert auf uns. Auch Patriot und Bender´s Lorenzo, der vielleicht der heimlich Nachfolger von Carabas wird, werden uns begleiten.

Luze-Haas
Daniela Haas und Oliver Luze beim Interview

Das Interview führte Daniela Haas