Phosphor – überall im Körper vorhanden
Das Mengenelement Phosphor hat als Nährstoff in der Pferdefütterung eine kleine Historie. In den Getreidemühlen des 18. und 19. Jahrhunderts wurden die Arbeitspferde oft sehr einseitig mit der dort anfallenden Kleie gefüttert. Kleie enthält naturbedingt einen hohen Phosphatgehalt und der damals fehlende Ausgleich mit calciumreichem Futter führte zu erheblichen Knochenproblemen mit Lahmheiten.
Spätestens in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde aufgrund der damals typischen getreidelastigen, raufutterarmen Fütterung das Calcium/Phosphor-Verhältnis ins Visier genommen. Die Folgen eines zu engen Calcium/Phosphor-Verhältnisses zeigten sich in Knochenproblemen, die zu Deformierungen der Schädelknochen oder Gliedmaßen und langfristig zu Schmerzen und Lahmheiten führten. Damit war der Grundstein für calciumhaltige Mineralfutter gelegt.
Die Angst vor Phosphorüberschüssen hat sich mittlerweile vollständig gelegt. Dem Raufutterbedarf des Pferdes wird immer häufiger entsprochen und Freizeitreiter haben die Getreidemenge zugunsten von Heu in der Fütterung gesenkt, so dass unter diesen Umständen zu enge Calcium-Phosphor-Verhältnisse nicht zu erwarten sind.
Nicht nur im Skelett
Phosphor ist ein wichtiger und essentieller Nährstoff. Der Pferdekörper verfügt über fast 4 Kilogramm Phosphor, von denen zwar 80% im Skelett und in den Zähnen gespeichert sind, der Rest aber im übrigen Körper verteilt ist, was auf weitere interessante Aufgaben des Phosphors schließen lässt.
In den Weichteilen liegt Phosphor organisch gebunden vor. Eine ganz besondere Rolle spielt es im Muskel- und Energiestoffwechsel als Adenosintriphosphat (ATP), welches sich unter Energiefreisetzung zu Adenosindiphospat umwandelt. ATP wird aus Energiespeichern (Glykogen, Kreatin-Phosphat) bei Bedarf freigesetzt und liefert dem Körper den Brennstoff in sanften Energieeinheiten, ohne ihn zu überheizen.
Phosphor ist ständiger Bestandteil der DNA- und RNA-Moleküle, der Trägersubstanz der Erbinformationen und somit in jeder Zelle präsent. Mit Hilfe von sogenannten Phospholipiden, einer Verbindung aus Phosphor mit Fetten wird die Zellmembran aufgebaut. Insbesondere Nervenzellen haben einen höheren Bedarf an Phospholipiden, da sie eine größere Zelloberfläche als andere Zellen haben.
Phosphate sind elementarer Bestandteile des pH-Puffersystems im Blut und wirken so auf den Säure-Basen-Haushalt. Viele phosphorhaltige Coenzyme tragen zu vielfachen Stoffwechselfunktionen bei.
Bedarfssituation
Der Bedarf an Phosphor eines mittelgroßen und etwa 600kg schweren Pferdes beträgt um die 20g täglich. Besonders hohe Phosphorgehalte finden wir in Getreide (Hafer 3,2g je Kilogramm), in Mühlennachprodukten wie zum Beispiel Weizenkleie mit 11,8g je Kilogramm und in Ölsaatenrückständen (zum Beispiel im Sonnenblumenkuchen 9g je Kilogramm). Phosphorreich sind auch Leinsamen mit 5,5g und getrocknete Bierhefe mit 14,7 g je Kilogramm.
Im letzten Drittel der Trächtigkeit und der Zeit der Laktation ist der Phosphorbedarf des Pferdes am höchsten und liegt bei 30 bis 46g pro Tag. Da Phosphor im Dünn – und Dickdarmbereich resorbiert wird, ist die Aufnahme jedoch gut abgesichert. Eine Fütterung mit 2 Kilogramm Getreide und mindestens 6 Kilogramm Heu (2,6 Gramm Phosphor je Kilogramm) deckt den Phosphorbedarf eines 600 Kilogramm schweren Pferdes. Der Bedarf an Phosphor ist – unter Berücksichtigung des entsprechend hohen Calciumbedarfs – bei Fohlen sehr hoch.
Eine knappe Phosphorversorgung kann bei einseitiger Fütterung mit überständigem Heu und Rüben erfolgen. Dann drohen Rachitis, erhöhte Knochenbrüchigkeit und Osteoporose, ebenso Wachstums- und Fruchtbarkeitsstörungen. Ein Überschuss an Phosphor kann bei gleichzeitigem Mangel von Calcium zu extremer Freisetzung von Calcium aus den Knochen führen. Daher ist auf alle Fälle das Verhältnis zwischen Calcium und Phosphor wichtig.
Das Verhältnis
Das Verhältnis von Calcium zu Phosphor sollte nicht unter 1: 1 und nicht über 3 :1 liegen. Angestrebt wird ein Calcium/Phosphor-Verhältnis von 1,5 : 1 bis 2 : 1. Die Regulation des Phosphorhaushaltes erfolgt mit Hilfe des Parathormons. Es führt zur vermehrten Ausscheidung von Phosphat über die Nieren und senkt so den Phosphatspiegel im Blut. Ist zu wenig Phosphor vorhanden, wird weniger über die Niere ausgeschieden.
Phosphorgehalte im Blut
Der Gehalt an Phosphor im Blut ist durch Nahrungseinflüsse zwar leichter zu beeinflussen als der von Calcium, welches besonders streng einer hormonellen Steuerung unterliegt. Da jedoch auch bei Phosphor eine hormonelle Steuerung über das Parathormon vorliegt, macht das Blutprofil nur bedingt Aussagen über die Phosphorversorgung. In wenigen Fällen ist eine Erhöhung tatsächlich durch die Fütterung bedingt. Erhöhte Phosphorwerte sind prinzipiell bei Jungtieren im Wachstum zu erwarten, können jedoch ebenso auf Nierenversagen oder Nebenschilddrüsenfunktionsstörungen hinweisen. Zu niedrige Werte finden wir bei Nebenschilddrüsenüberfunktion oder als Nebenwirkung von Kortisongaben. Ebenso führen eine Nebenniereninsuffizienz, eine Überfunktion der Nebennierenrinde wie man es von Cushing Pferden kennt, zu geringen Phosphorwerten im Blut. Lediglich eine schlechte Phosphataufnahme kann ernährungsbedingt zu einem nutritiv bedingten geringen Gehalt im Blut führen.
Zusammenfassend gesagt ist Phosphor ein in der Fütterung sehr wichtiges Mengenelement, das jedoch im Allgemeinen zur Genüge vorhanden ist. Lediglich das Calcium/Phosphor-Verhältnis der täglichen Gesamtfuttermenge sollte im Auge behalten werden, um Knochenschäden vorzubeugen.
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Dr. Susanne Weyrauch










