Gewürz, Medizin und Kraftfutter zugleich

Intro-KraeuterBockshornklee

Ohne Bockshornkleesamen ist keine Curry-Pulvermischung denkbar! Und wahrscheinlich kennt nicht nur jeder Hobbykoch den leckeren typisch-aromatischen Geruch, der einem in wunderbarer Weise beim Rösten der Bockshornkleesamen in die Nase steigt.

Doch woher kommt der eigenwillige Name des Bockshornklees? Dies ist im Gegensatz zur Redensart „Jemanden ins Bockshorn jagen“ völlig klar: der deutsche Name für das einjährige, 10–50 cm hohe Kraut leitet sich aus der Form der 7-12 cm langen und ca. 4 mm breiten, bockshorn-ähnlich gebogenen Hülsenfrüchte des Schmetterlingsblütlers Trigonella foenum-graecum ab.

Eine traditionsreiche Pflanze

Der in seiner westasiatischen und südost-europäischen Heimat als Arzneipflanze geschätzte Bockshornklee wurde schon im alten Ägypten vor mehr als 3000 Jahren zu medizinischen Zwecken und für religiöse Zeremonien kultiviert. Das wissen wir unter anderem aus einem der ältesten bekannten medizinischen Texte des 16. Jahrhunderts vor Christus: dem „Papyrus Ebers“. Demnach verwendeten die alten Ägypter das Kraut des Bockshornklees zur Behandlung von Brandwunden und seine Samen zur Geburtseinleitung, Geburtserleichterung und Förderung des Milchflusses.

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Eine „heilende“ Futterpflanze

Kraeuter-01Im antiken Griechenland diente der von Mai bis Juni gelblich-weiß blühende Bockshornklee als Futterpflanze. Deshalb und aufgrund des intensiven Heudufts der getrockneten Pflanze bekam sie wohl ihren botanischen Gattungsnamen „foenum-graecum“, der „griechisches Heu“ bedeutet. Von den alten Römern wissen wir, dass sie die steinharten, viereckigen gelb bis bräunlichen Bockshornsamen sowohl als Gewürz als auch als Heilmittel verwendeten: Dioskurides (1. Jhd. v. Chr.), der in Rom unter den Kaisern Nero und Claudius tätige griechische Arzt und berühmteste Pharmakologe des Altertums, beschrieb seine Anwendungsgebiete unter anderem bei allen möglichen Frauenleiden, zur Behandlung von Geschwüren und Schuppenflechte sowie als verdauungsregulierendes Mittel.

Vielseitige Heilpflanze

Bis heute hat Bockshornklee sowohl in der ayurvedischen als auch in der chinesischen Medizin Tradition als Stärkungsmittel und wird zum Beispiel zur Reinigung der Atemwege, als Hustenmittel und zur Therapierung von Magenproblemen und Hautirritationen verabreicht. Im gesamten Orient ist Bockshornkleesamenpulver außerdem ein wesentlicher Bestandteil diverser Gewürzmischungen, vor allem von Curry.

Weitere ernährungs physiologische Vorteile

Kraeuter-03Als wissenschaftlich belegte Wirkungsweisen beim Menschen gelten heute bei innerlicher Anwendung von pulverisiertem Bockshornsamen einerseits das Senken der Cholesterinwerte und des Blutzuckerspiegels bei Diabetes sowie die Verbesserung des Appetits bei Appetitlosigkeit.

Mittels äußerlicher Anwendungen zum Beispiel in Form von Breiumschlägen oder Pastenpinselungen können Entzündungen, Ekzeme, Furunkel und Geschwüre behandelt werden. In der Volksheilkunde kommen Bockshornsamen außerdem innerlich zur Behandlung von Katarrhen der oberen Atemwege sowie zur Verbesserung des Haarwuchses zum Einsatz.

Stärkend und nährend auch für Pferde

Als Pferdefutter dient der Bockshornkleesamen bei uns bereits seit dem frühen Mittelalter: die Pflanze war hierzulande bekannt geworden nachdem Karl der Große um 800 n.Chr. verfügt hatte, dass die Pflanze in den Klostergärten seines Reiches angebaut werden sollte. Heute gelten die Samen des Bockshornklees in der Tierernährung wegen ihrer appetitfördernden Wirkung als Stärkungsmittel mit Lebertran ähnlicher Wirkung vor allem für magere, schlechtfuttrige oder ältere Pferde. Denn die nahrhaften Samen enthalten unter anderem wichtige Mineralstoffe, Proteine, Vitamine (A, B1 und C), fettes Öl (ca. 8 %) sowie Schleimstoffe, Saponine, Flavonoide, Alkaloide, organisch gebundenes Eisen und ätherisches Öl.

Bockshornklee soll weiterhin den Allgemeinzustand und das Immunsystem verbessern sowie den Magen stärken. Aufgrund seiner wohltuenden Wirkung auf die Atemwege und die Bronchialfunktionen empfiehlt sich insbesondere in der erkältungsgefährdeten Jahreszeit die Beimischung von Bockshornkleesamen ins Futter und als Dauergabe bei staubempfindlichen Pferden. Eine sinnvolle Dosierung sind in diesem Fall 1 Mal täglich ca. 10g geschroteter oder gemahlener Samen pro 100 kg Pferd, die dem Futter beigemischt werden. Hierbei ist zu beachten, dass gemahlener Samen nicht länger als 6 - 8 Monate gelagert werden sollte, da er danach einen großen Teil seiner Wirkstoffe eingebüßt hat.

Auch die äußere Anwendung macht Sinn

Bei Hauterkrankungen des Pferdes wie Ekzemen, Furunkeln und Geschwüren stellt man feuchtwarme Breiumschläge folgendermaßen her: 50g gepulverten Samen kocht man fünf Minuten in 250 ml Wasser und trägt den auf Körpertemperatur abgekühlten Brei auf die betroffenen Hautpartien auf.

Da Bockshornklee nachgewiesenermaßen stimulierend auf den Uterus wirkt, darf er nicht an tragende Stuten gefüttert werden. Bei säugenden Stuten fördert er den Milchfluss!

Übrigens: „Jemanden ins Bockshorn jagen“, also jemandem etwas Hinterhältiges, Unangenehmes antun, könnte Vermutungen zufolge ursprünglich gemeint haben, eine Person auf das Horn eines Bockes zuzujagen. Andere Thesen besagen, die Redensart käme von einem niederländischen Gelehrten namens Markus Boxhorn, der zu seinen Lebzeiten im 17. Jahrhundert mit seinem umfangreichen Wissen viele Leute argumentatorisch in die Enge getrieben habe. Mit dem heilsamen, würzigen & nahrhaften Bockshornklee hat diese Redensart also offensichtlich nicht das Geringste zu tun!

Dr. Christina Paulson