Fahrpferde der Extraklasse

Intro-RasseportraitSchwere Warmblüter aus Sachsen und Thüringen

Das Schwere Warmblut ist eine der ältesten deutschen Pferderassen. In Sachsen und Thüringen wird diese Rasse seit über 130 Jahren gezüchtet. Im Zuge der Umstellung und generellen Neuorientierung der Pferdezucht im Königreich Sachsen wurde im Jahre 1873 das Zuchtziel für das Schwere Warmblut als „kurzbeiniges, stämmiges, dabei gängiges Durchschnittspferd mit runden Rippen, breitem Becken, gutem, regelmäßigen Stand und Gängen, ohne Erbfehler und von nicht zu gemeiner Abstammung, für den Dienst im Wagen und im Pfluge gleich geeignet“ festgelegt.

Warmblut-SL8Zur Erreichung dieses Ziels kam es bis in die 60iger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein immer wieder zu Zuchttierimporten aus den Hauptzuchtgebieten Oldenburg und Ostfriesland. So gelang es den Züchtern über Generationen hinweg ein Pferd zu züchten, das sich homogen vererbte und sich bei den gegebenen Umweltverhältnissen konstant entwickelte. Im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft ging der Bestand dieser konsolidierten Zucht nach und nach zurück, so dass von den staatlichen Stellen genau 100 Jahre nach Festlegung des oben angeführten Zuchtziels die Schließung des Zuchtbuchs dieser Rasse angeordnet wurde. Bereits 1977 wurde die Nachfrage nach Schweren Warmblütern aber wieder so stark, dass eine Reaktivierung unumgänglich wurde. Glücklicherweise waren im staatlichen Hengstdepot Moritzburg von der damaligen Direktorin Frau Dr. Steiner einige Hengste „verwahrt“ worden. Ähnliches war mit ca. 200 Stuten bei passionierten Züchtern geschehen, so dass die Rasse eine zwar überalterte, aber dennoch reinblütige Grundlage für einen Neuanfang hatte.

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Ein neues Ziel

Bereits vor der politischen Wende hatte sich die Verwendung des Schweren Warmblutes verändert. Immer weniger wurde es in der Landwirtschaft beansprucht. Vielmehr stand inzwischen die Nutzung für Freizeitzwecke im Vordergrund, zu denen auch das Reiten gehörte. Ferner wurden auch im Gespann nicht mehr so sehr die ganz schweren Typen benötigt, da der Zug in den meisten Fällen leichter und die Fahrten schneller waren. Folglich kam es daher auch zu einer Anpassung des Zuchtziels, das sich zwar grundsätzlich immer noch auf ein Fahrpferd bezog, dieses sollte aber aufgrund seiner Bewegungseigenschaften und seiner Reiteignung auch für weitere Zwecke zu nutzen sein. Im Rahmen der Definierung des Ursprungszuchtbuches im Jahre 2002 lautete es allgemein wie folgt: „Das Schwere Warmblut auf sächsisch-thüringischer Grundlage ist geprägt durch kraftvolle Eleganz und Harmonie in der äußeren Erscheinung bei aktionsbetonter Trabbewegung, Langlebigkeit, Konstitutionshärte, Leichtfuttrigkeit und einem sehr guten Charakter.“

Ein exklusives Produkt

Im Jahr 1990 waren wieder ca. 500 Zuchttiere in Sachsen und Thüringen vorhanden. Aufgrund der Ausgeglichenheit der Population und nicht zuletzt durch den boomenden Fahrsport konnten die Züchter ihre jungen Nachwuchspferde aus der Schweren Warmblutzucht relativ problemlos verkaufen. Menschen, die täglich mit Schweren Warmblütern umgehen, schätzen an ihnen besonders den angenehmen und stets ausgeglichenen Charakter, der sie auch für Personen, die nicht soviel Erfahrung mit Pferden haben, leicht handhabbar macht. Ein weiterer Grund für die gute Nachfrage war mit Sicherheit auch die Exklusivität dieser Pferde. In den ehemaligen Hauptzuchtgebieten waren Schwere Warmblüter fast vollständig dem Umzüchtungsprozess zum Opfer gefallen und nahezu ausgestorben. Die in Baden-Württemberg und Bayern gezüchteten Alt-Württemberger und Rottaler existierten ebenfalls nur in sehr kleinen Populationen und in den Nachbarländern Dänemark und den Niederlanden waren die dort vorhandenen Zuchttiere durch Einkreuzungen im Typ mehr oder weniger deutlich vom eigentlichen Schweren Warmblut entfernt. Weiterhin gibt es im ehemaligen Schlesischen Zuchtgebiet in Südpolen noch eine Reinzuchtpopulation, die hinsichtlich des Typs aber wiederum mehr zum früheren Schweren Arbeits- und Ackerpferd tendiert.

So fanden sich die sächsisch-thüringischen Züchter plötzlich in der Situation, eine nahezu einzigartige Pferderasse zu besitzen, und diese auch auf einem größer gewordenen Markt anbieten zu können. Ihre Pferde waren dabei nicht nur als Freizeitpartner beliebt, sondern dienten den zuvor genannten Zuchtgebieten häufig auch zur Auffrischung ihrer Populationen. Resultat dieser Entwicklung war dann im Jahr 2008 ein Zuchttierbestand, der mit rund 1200 eingetragenen Schweren Warmblütern auf einem soliden Fundament steht und für die Zukunft eine gute Ausgangsbasis bietet.

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Granne 2008: Finkler Moritzburg Placzek

Der Fahrsport

Nach 1990 boten sich auch der Fahrpferderasse Schweres Warmblut erweiterte Einsatzmöglichkeiten im Turniergeschehen. Begünstigt durch talentierte Fahrer in Sachsen und Thüringen, die häufig auch im Bundeskader vertreten sind, kam es zu einer weiten Verbreitung der Schweren Warmblüter in der Fahrsportszene.

Eine Plattform die dabei gut genutzt wurde, war das Bundeschampionat des Deutschen Fahrpferdes in Warendorf. Jedes Jahr konnten sich einige Schwere Warmblüter, vorwiegend mit einheimischem Fahren, bestens in Szene setzen und kamen stets mit guten Platzierungen nach Hause. Seit 2002 wird das Bundeschampionat für die Schweren Warmblüter separat in Moritzburg durchgeführt. Diese Trennung von den anderen Fahrpferderassen ist in sofern zu bedauern, da ein Vergleich mit anderen Rassevertretern entfällt, der gerade bei der steigenden Qualität der letzten Jahre interessant gewesen wäre. Nichts desto trotz gestaltet sich das Moritzburger Bundeschampionat zu einer erfolgreichen, qualitativ hochwertigen Veranstaltung, die jedes Jahr eine immer größer werdende Schar an Schweren Warmblut Fans anlockt.

Moritzburg lädt ein

Alljährlich im Herbst bilden die Moritzburger Hengsttage ein Highlight für die Züchter der Schweren Warmblüter. Neben rund 40 Hengsten werden zu dieser Veranstaltung Verkaufsgespanne angeboten, es findet ein Züchterabend statt und ein umfangreiches Schauprogramm wird geboten.

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Familie Pohlers lädt zum Fahren ein

Fütterung des Schweren Warmbluts

Geht man vom eigentlichen Zuchtziel dieser arbeitssamen Pferderasse aus, wird verständlich, dass diese Pferde zunächst traditionell gefüttert werden können. Allerdings sollte die klassische Heu-Weide-Getreidefütterung in Relation zur Arbeitsbelastung stehen. Entfällt die Arbeit oder ist die Arbeitsbelastung reduziert, sollte Getreide nur in kleinen Mengen gefüttert werden und sich die Heugabe auf höchstens 1,2 Kilogramm pro 100 Kilogramm Körpermasse beschränken. Diese oft leichtfuttrigen Pferde könnten ansonsten leicht verfetten.

In diesem Fall muss die Mineralisierung deutlich angehoben werden. Dabei stehen aber nicht Calcium oder Phosphor im Vordergrund, sondern vor allem die Spurenelemente, deren Bedarf durch ein hochwertiges Futterkonzentrat oder spezielle Mineralfutter gedeckt werden sollte. Gerade Spurenelemente stehen dem Pferd im Heu nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Langfristige Spurenelementmängel beeinträchtigen das äußere Erscheinungsbild, befördern die Neigung zum Ekzem und Huf- und Fruchtbarkeitsproblemen.

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Elixier Werzner HP Moritzburg 2007

Norbert Freistedt, Pferdezuchtverband Sachsen–Thüringen e. V.