Bessere Fütterung – Bessere Fohlen

Intro-TitelForschungsstudie beweist: Bessere Fohlenentwicklung mit spezifischer Futterergänzung

Eigentlich wissen es die meisten: Absatzfohlen haben einen besonderen Nährstoffbedarf, der von dem erwachsener Gebrauchspferde erheblich abweicht. Deshalb muss die Futterration in der Regel ein fohlenspezifisches Ergänzungskraftfutter enthalten. Trotzdem werden auch in Deutschland noch viele Fohlen ausschließlich mit Heu und Hafer bzw. Weidegang über die Runden gebracht.

Über die fatalen Auswirkungen auf den Bewegungsapparat berichteten wir im letzten Futterjournal. Uns interessierte nun, ob eine einseitige Ernährung noch weitere körperliche Fehlentwicklungen im Fohlenalter begünstigt. Unter dieser Fragestellung wurde an der Breslauer Universität ein deutsch-polnisches Forschungsprojekt durchgeführt. Wir freuen uns, hier einige interessante Studienergebnisse vorstellen zu können.

Warum leidet die Haut zuerst?

In der Haut machen sich Nährstoffmängel oft schon frühzeitig bemerkbar. Man kann es sich vereinfacht so vorstellen: „Den letzten beißen die Hunde.“ Da die Haut ganz an der Peripherie des Körpers liegt, wird sie vom Blut zuletzt erreicht. Knapp vorhandene Nährstoffe können deshalb, vom Darm und der Leber ausgehend, bereits von inneren, gut durchbluteten Geweben und Organen „abgefischt“ werden, so dass außen nicht mehr viel übrig bleibt. Tatsache ist jedenfalls, dass zum Beispiel ein Mangel an Aminosäuren und Zink im Futter sich besonders deutlich in Haut- und Hufproblemen widerspiegelt. Auch Absatzfohlen und Jährlinge können bereits Hautschäden bekommen, z.B. frühe insektenbedingte Ekzeme. Die Anfälligkeit dafür führen wir nicht zuletzt auch auf Mängel in der täglichen Nährstoffversorgung zurück. In vielen Fällen spielt dabei ein Ungleichgewicht bei den Spurenstoffen wie Zink und Kupfer eine Hauptrolle. Wir waren gespannt, ob uns die Forschungsstudie darüber weitere Aufschlüsse geben würde.

Titel-Jaehrlinge

Was wurde in Polen untersucht?

Als Testpferde standen zwölf angehende Vollblutjährlinge im Durchschnittsalter von zehn Monaten in einem großen polnischen Gestüt zur Verfügung. Sie wurden nach einem Zufallsverfahren in zwei Versuchsgruppen mit je sechs Tieren beiderlei Geschlechts eingeteilt. Vor dem Fütterungsversuch hatten alle Absatzfohlen neben Heu und Weidegang ein stallübliches Ergänzungskraftfutter erhalten.

Mit Beginn der Studie ab Mitte Dezember erhielten die Absetzer für drei Monate entweder täglich 1,5-2kg eines qualitativ hochwertigen Fohlenergänzungsfutters* (= Gruppe 1) oder eine entsprechende Menge an reinem Hafer (= Gruppe 2). Alle Jährlinge hatten freien Zugang zu Heu und zu einem Salzleckstein.

Die Tagesration in Gruppe 1 war nach Auswertung in einem aktualisierten Fohlenfütterungsprogramm** bedarfsgerecht und ausgewogen. In Gruppe 2 mit reiner Haferfütterung wurden dagegen trotz ausreichender Energie- und Eiweißzufuhr einige Versorgungslücken angezeigt.

Die Fragestellung der Studie lautete, ob die Jungpferde in der Gruppe 1 am Ende der dreimonatigen Studienphase gegenüber der Kontrollgruppe mit reinem Hafer eine bessere Verfassung aufwiesen hinsichtlich

  • Allgemeinzustand
  • Mikrostruktur und Entzündungsmerkmalen der Haut
  • Spurenelementgehalten im Blut und in der Haut.

Wir gingen davon aus, dass dies aufgrund der reichhaltigeren und besser ausgewogenen Nährstoffversorgung durch das Ergänzungsfutter (Gruppe 1) tatsächlich zu erwarten sei. Für die Hautanalysen wurden jedem Pferd vor und nach der Versuchsfütterung winzige unschädliche Gewebeproben aus dem Halsbereich entnommen.

*) „Fohlengold classic“ der Firma St. Hippolyt
**) Software „Microsteed“ der Kentucky Equine Research

Gab es augenfällige Befunde?

Titel-Abb2
Abb.2: Typisches Frühstadium eines
Hautekzems in der Hafergruppe: kleine
haarlose, zum Teil nässende Hautbezirke.

Am Ende des Versuchs zeigten die Jungpferde in der Gruppe mit Ergänzungsfütterung (Gruppe 1) einige klare Vorteile: gegenüber der Hafergruppe wiesen sie eine viel ausgeprägtere Bemuskelung und einen intensiveren Fellglanz auf (siehe Abb.1). Außerdem vollzog sich der Haarwechsel in Gruppe 1 schneller und einheitlicher. Darüber hinaus bewegten sich diese Pferde bei Studienende wesentlich dynamischer und mehr federnd als die „Haferjährlinge“. Sie wirkten insgesamt vitaler und zugleich gelassener, während sich die Tiere der Gruppe 2 eher zaghaft und unsicher verhielten.

All diese Unterschiede wurden auch von den Gestütsangehörigen spontan benannt. Damit nicht genug, entwickelten sich gegen Studienende in der Gruppe mit Haferfütterung bei fünf der sechs Jährlinge frühe Symptome von Hautekzemen (s. Abb.2). Es handelt sich vermutlich um eine Unverträglichkeit gegen Insektensekrete. Solche offenen Hautstellen kennt man bei einem Teil der Gestütspferde ab Anfang März, wenn die ersten Mücken aufkommen. Noch interessanter war, dass in der Gruppe 1 in keinem Fall derartige Symptome zu sehen waren. Unsere Hypothese, dass insektenbedingte Ekzeme im Zusammenhang mit Nährstoffimbalancen stehen, erhielt damit eine erste Bestätigung.

Titel-Zufuetterung
Abb.1: Vollblutjährlinge nach unterschiedlicher Zufütterung über drei Monate.
1a,1b: Zufütterung von Ergänzungsfutter (Gruppe 1). 2a,2b: Zufütterung von Hafer (Gruppe 2)
Die bessere Bemuskelung und der schönere Fellglanz in Gruppe 1 fallen ins Auge.

Hautmängel durch Fehlernährung?

Titel-Abb3
Abb.3: Hautquerschnitt (Lichtmikroskopie,
gleiche Vergrößerung).
a) nach Ergänzungsfütterung
b) nach Haferfütterung
Die äußere Hautschicht (zwischen den
Pfeilen) ist nach Haferfütterung dünner.
Die Schicht der abgestorbenen Hautzellen
(K) erscheint dagegen mächtiger als nach
Ergänzungsfütterung.

Manchem mag es zu weit gehen, eine Heu-Hafer-Fütterung als „Fehlernährung“ einzustufen. Die Ergebnisse unserer Ernährungsstudie legen diesen Schluss jedoch nahe. Nach Auswertung der Hautproben bei Studienende fanden wir folgende Unterschiede zwischen den Fütterungsgruppen:

  • Die äußere Hautschutzschicht (Epidermis) ist nach dreimonatiger Heu-Hafer-Fütterung deutlich dünner als nach Heu plus Ergänzungsfütterung (siehe Abb.3a,b). Eine morphometrische Auswertung zeigt, daß dieser Unterschied statistisch signifikant ist.
  • Bei den Jährlingen mit Haferfütterung sind der Epidermis lockere Schichten mit reichlich abgestorbenen Hautzellen aufgelagert (siehe Abb.3b). In der Gruppe 1 sind dagegen nur wenige dieser abgesonderten „Keratinozyten“ zu finden. (s. Abb.3a).
  • Die Fellbehaarung ist in Gruppe 1 wesentlich dichter, mit gleichmäßig schräg anliegendem Haarkleid (siehe Abb.4a). Demgegenüber stehen die spärlicher gewachsenen Fellhaare bei den Pferden der Hafergruppe eher senkrecht von der Haut ab. Sie ziehen - vermutlich durch elektrostatische Aufladung - zahlreiche von der Haut abgeschilferten Keratinozyten an (s. Abb.4b).
  • Die Haut enthält in Gruppe 1 im Vergleich zu Gruppe 2 deutlich mehr Zink, Kupfer und Cobalt. Diese Unterschiede sind durch Mehrfachmessungen an Hautproben aller Pferde mit Hilfe der Röntgenanalyse (Roentec) und der Atomic Force Spektroskopie gesichert und statistisch signifikant (s. Abb.5).
  • Bei den Blutspiegeln der Spurenelemente findet man allerdings keine wesentlichen Abweichungen zwischen den beiden Fütterungsgruppen.

Titel-Abb4und5
Abb.4 (li): Felloberfläche im Rasterelektronenmikroskop.
a) nach Ergänzungsfütterung: dicht gewachsene schräg anliegende Fellhaare schützen die Hautoberfläche.
b) nach Haferfütterung: spärlicher gewachsene senkrecht abstehende Fellhaare, mit zahlreichen toten Hautzellen behaftet (Pfeile).
Abb.5 (re): Spurenelementgehalte der Haut.
Nach Haferfütterung werden im Vergleich zur Ergänzungsfütterung um ca. 20 - 30% geringere Gehalte an Zink, Kupfer und Cobalt gemessen.

Was bedeuten diese Befunde?

Eine solide Epidermis dient im Zusammenwirken mit dichtem und gut anliegendem Fellhaar als wirkungsvoller Abwehrschild gegen Insekten- und Pilzbefall. Sie bietet auch den notwendigen Schutz gegen UV-Einstrahlung und Umweltchemikalien. Die Befunde sprechen also für eine größere Widerstandsfähigkeit der Haut in der Gruppe 1. Dies trägt sicherlich auch zu der geringeren Ekzemanfälligkeit im Vergleich zur Hafergruppe bei. Dagegen ist aus anderen Untersuchungen bekannt, dass eine dünne Epidermis, wie sie in der Gruppe 2 vorherrscht, oftmals eine Vorstufe für Hautentzündungen darstellt. Auch die „gesträubten“ Fellhaare in der Hafergruppe sprechen für eine Hautreizung. Die dünnere Epidermis und die schlechtere Behaarung bieten den Pferden weniger Widerstand gegen Umwelteinflüsse und Schadorganismen. Außerdem empfinden Kriebelmücken, Bakterien und Pilze die aufgelagerten Totzellen in Kombination mit Körperausdünstungen als ausgesprochene Attraktion und willkommene Nahrungsquelle.

Die bessere Ausstattung mit Spurenelementen spricht dafür, dass die Haut nach Ergänzungsfütterung besser ernährt ist. Darauf ist wiederum die gesündere Haut- und Fellstruktur zurückzuführen.

Die Spurenelementgehalte im Blut werden dagegen auf weitgehend einheitliche Spiegel fixiert. Diese Regulation scheint von Defiziten im Futter weniger beeinflusst zu sein. Dennoch reicht die Zufuhr der Spurenstoffe in der Hafergruppe offenbar nicht aus, um auch in der Haut genügend angereichert zu werden.

Entzündungszellen im Elektronenmikroskop

Obwohl die Pferdehaut direkt an den Stellen der Probeentnahme frei von Ekzemen war, so zeigten sich doch auch hier „verdächtige“ Hinweise.

Die Haut enthält mobile Eingreifzellen des Immunsystems zur Beseitigung von Krankheitskeimen, Fremdstoffen und abgestorbenem Gewebe. Auch die sogenannten „Entzündungszellen“, erfüllen notwendige Funktionen für die Immunabwehr. Das Positive kann sich jedoch ins Negative verkehren: verfügt die Haut nur über geringe Widerstandskräfte, so kann sie leicht einen überreizten Zustand annehmen, in dem ihre Immunabwehr auf Fremdstoffe wie z.B. Insektensekrete allergisch reagiert. Dies wird durch aktivierte Entzündungszellen angezeigt, die in ultradünnen Hautschnitten mit Hilfe der Elektronenmikroskopie sichtbar gemacht werden können. Der aktivierte Zustand von Entzündungszellen ist unter anderem an den zahlreichen Blasen im Zellinneren erkennbar, die entzündungsfördernde Stoffe wie Histamin und Tryptase enthalten. In den Hautproben der Hafergruppe werden tatsächlich überwiegend aktivierte Entzündungszellen gefunden, die auf eine Insektenallergie hinweisen könnten (s. Abb.6b). In Gruppe 1 sind diese Zellen fast ausschließlich inaktiv (s. Abb.6a), womit der stabilere, nicht gereizte Hautzustand nach Ergänzungsfütterung bestätigt wird.

Titel-Abb6
Abb.6: Entzündungszellen aus der Haut von Jährlingen (Zellausschnitt, transmissionselektronenmikroskopische Aufnahmen).
li.: Inaktive Entzündungszelle nach Ergänzungsfütterung. re.: Aktivierte Entzündungszelle nach Haferfütterung.
Sie enthält zahlreiche Bläschen im Zellinneren, die mit entzündungsaktiven Stoffen gefüllt sind:
H: dunkle Bläschen mit Histamin, T: helle Bläschen mit Tryptase, ZK: Zellkern

Rückschlüsse auf die Fohlengesundheit

Titel-ZeichnungFohlenDer bessere Allgemeinzustand in der Gruppe 1 lässt den Schluss zu, dass eine hochwertige Ergänzungsfütterung die gesunde Fohlenentwicklung fördert. In der hier vorgestellten Studie hat sich dies für die Muskelbildung, die Bewegungsqualität, die Vitalität und Fellgesundheit der Jungpferde bestätigt.

Die Hautprobleme nach reiner Hafer-Heu-Fütterung weisen in Verbindung mit einer verringerten Spurenelementspeicherung auf ein mögliches Gefahrpotential durch Nährstoffdefizite hin. Nach einschlägiger Fachmeinung können Entzündungssymptome in der Haut eine Entzündungs- und Allergieneigung in weiteren Körperbereichen anzeigen, zum Beispiel in der Lunge und im Verdauungstrakt. Die Studienergebnisse sprechen insgesamt dafür, dass eine optimierte Rationsgestaltung schon im Fohlenalter wichtig ist, um solche Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Hafer oder Ergänzungsfutter?

Entscheidend für den Ernährungserfolg ist die tägliche Gesamtration. Vermutlich ist nicht der Hafer selbst ist das Problem, sondern die unzureichende Nährstoffbilanz, die eine reine Heu-Hafer-Fütterung in der Regel mit sich bringt. Solche Schieflagen könnten bei hygienisch einwandfreien Heu-Hafer-Rationen durch Zusatz eines geeigneten Ergänzungsfutters ausgeglichen werden. Nicht jedes Ergänzungsfutter bietet jedoch eine Problemlösung.So erhielten alle Gestütsjährlinge vom Absetzen bis zur Versuchsfütterung ein konventionelles stallübliches Ergänzungskraftfutter. Danach wurde eine komplette Eingangsanalyse der Haut vorgenommen. Diese Hautuntersuchungen vor Studienbeginn zeigten bereits ein ähnlich problematisches Bild wie diejenigen der Hafergruppe bei Versuchsende. Es erscheint deshalb wahrscheinlich, daß das in der Studie verwendete Fohlenergänzungsfutter auch gegenüber dem zuvor gefütterten konventionellen Kraftmischfutter wesentliche Vorzüge hatte.

Besonderheiten des Versuchsfutters

Das Versuchsfutter in der Gruppe 1 zeichnet sich neben einer hochwertigen Ausstattung mit Mineralstoffen, bioverfügbaren Spurenelementen und Vitaminen auch durch naturnahe, verdauungs- und stoffwechselfördernde Grundkomponenten aus. Weitere Zutaten wie Getreidekeime, Bierhefe, Traubenschalen, Kräuter, Leinöl, Malz, Knoblauch, Hanfnüsse und Schwarzkümmelsamen tragen mit natürlichen Antioxidantien, Enzymen und weiteren pflanzlichen Vitalstoffen zur physiologischen Futteraufwertung bei. Diese Besonderheiten mögen in Verbindung mit einer rechnerisch ausgewogenen Gesamtration zum Studienerfolg beigetragen haben.

Titel-DrMarycz
Der polnische Leiter der Untersuchung Dr. Krzysztof Marycz am Forschungsmikroskop

Dr. Eberhard Moll / Dr. Kristzof Marycz