Kontrolle ist wichtig

Intro-HundGesäugetumoren bei der Hündin

Eigentlich wollte man doch nur seiner Hündin, die sich vor Freude darüber, dass man nach Hause gekommen ist und sich auf den Rücken geworfen hat, liebevoll das Bäuchlein kraulen … Dann fühlt man in der Nähe der Milchdrüsen einen Knubbel oder vielleicht sogar zwei, die vorher noch nicht da oder aber so klein waren, dass man sie nicht tasten konnte. Viele Gedanken gehen einem jetzt durch den Kopf.

Hätte ich das Tier doch – wie es einige empfohlen haben – vor der ersten Läufigkeit kastrieren lassen sollen, weil ich sowieso niemals Hundenachwuchs haben wollte? Hätte ich sie vielleicht doch decken lassen sollen? Einige haben gesagt, Hündinnen, die schon mal trächtig gewesen sind, bekommen deutlich weniger Unterleibskrebs! Hätte ich sie kastrieren lassen sollen, als sie in den Läufigkeiten mit extrem großem Blutverlust reagiert hat oder gar dreimal im Jahr läufig war? Oder als sie mit vielen Scheinschwangerschaften belastet war?

Hätte ich es verhindern können?

Zunächst einmal muss nicht jede tastbare Veränderung im Unterleib der Hündin automatisch bösartig sein. Es kann sich genauso um eine gutartige Fettgeschwulst, eine Zyste, einen tiefliegenden abgekapselten Bluterguss oder aber eine Gewebsveränderung, die erst einmal gutartig ist, aber bösartig werden kann, handeln.

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Nicht jede tastbare Veränderung muss bösartig sein

Man kann es einer Geschwulst leider nicht von außen ansehen, ob sie gutartig oder bösartig ist
Da Tumoren zuerst nicht einmal schmerzhaft sein müssen, findet man sie häufig bei einer Röntgenaufnahme des Unterleibs oder der Wirbelsäule als Zufallsbefund. Die wichtigste Frage, bei deren Beantwortung uns am effektivsten ein erfahrener Tierarzt helfen kann, ist: Was ist es?

Schnelle Reaktion lebensrettend

Bei einer Veränderung in der Nähe des Gesäuges muss eine bösartige Geschwulst immer in Betracht gezogen werden, schon weil hier eine schnelle Reaktion lebensrettend sein kann. Und auch für den Tierarzt ist es ein schönes Gefühl wenn er sagen kann, dass es doch „nur“ eine Zyste ist. Probebiopsien werden bei Tieren eher selten gemacht, bei Verdacht auf eine bösartige Veränderung des Gesäuges wären sie aber durch die Gewebevielfältigkeit dieser Tumorart ohnehin nicht aussagekräftig.

Wenn ein bösartiger Tumor befürchtet wird, sollte die Entfernung so schnell wie möglich erfolgen. Zur Vorbereitung dazu werden durch Röntgenaufnahmen Anzeichen gesucht, ob der Tumor in Lunge, Darm oder Knochen bereits Metastasen gebildet hat; Blutuntersuchungen sollen Aufschluss darüber bringen, ob Organe in ihrer Funktion schon geschädigt sind.

Ist die Gesamtsituation der Hündin befriedigend, sollte die Operation schnell durchgeführt werden. Bei einer Brustkrebsoperation der Hündin wir zur Sicherheit immer auch ein großer Teil des gesund erscheinenden Gewebes der Gesäugeanlage samt Gebärmutter und Eierstöcken entfernt, da Tumoren im Anfangsstadium winzig klein sein können und man so sicher wie möglich sein will, alles entfernt zu haben, was in den Unterleib der Hündin nicht gehört.

Alter ist kein Hinderungsgrund

Ein Entscheidungskriterium für oder gegen eine Operation ist heute kaum noch das Alter der Hündin. Moderne und schonende Narkoseverfahren erlauben auch größere Operationen in fast jedem Alter, wobei aber wie beim Menschen jede Narkose ein Risiko bedeuten kann. Aber gute Lebensqualität und oft normale Lebensdauer einer Hündin, der man einen Brustkrebs rechtzeitig erfolgreich entfernen konnte, sind dieses Risiko allemal wert.

Kontrolle ist wichtig

Was können wir tun um rechtzeitig einen Tumor zu entdecken? Wie sieht unsere „Nachsorge“ aus? Bitte untersuchen Sie Ihre Hündin regelmäßig – alle paar Wochen - zuhause, besonders nach überstandener Läufigkeit oder Scheinträchtigkeit. Nach einer erfolgten Entfernung von Geschwulstgewebe, egal ob bösartig oder gutartig, sollten Sie Ihre Hündin alle 14 Tage anschauen. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie das richtig machen können, wird Ihr Tierarzt Ihnen sicherlich die nötigen Griffe zeigen und mit Ihnen üben. Auch wenn Sie nichts finden, sollte Ihre Hündin halbjährlich vom Tierarzt untersucht werden, er wird nach neuen Tumoren, Metastasen oder auffälligen Organblutwerten suchen. Ein wichtiger Hinweis ist auch die Gewichtskontrolle, die monatlich erfolgen sollte. Ihr Tierarzt hat sicher nichts dagegen, wenn Sie seine Waage benutzen. Auffälliger Gewichtsverlust oder aber Gewichtszunahme ohne harmlose logische Begründung ist immer ein Alarmzeichen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass unsere Hunde im Fall eines Tumors die besten Chancen haben, wenn sie sich auf uns verlassen können und wir beherzt und positiv reagieren.

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Cordula Becker