Hufprobleme? Ein Fall für die Fütterung

Forschung-Hufprobleme2Ergebnisse einer Pilotstudie

Viele Faktoren müssen zusammenkommen, damit ein Pferd auf gesunden, belastungsfähigen Hufen steht: Vererbung, Pflege, korrekter Beschlag, saubere Einstreu und viel Bewegung auf Naturboden. Dass auch die Fütterung ein entscheidender Faktor für die Qualität des Hufhorns ist, wird von manchen immer noch als Marketingargument der Futterbranche abgetan. Die Ergebnisse einer Universitätsstudie bestätigten nun, dass eine mangelhafte Hornstruktur durch spezifische Futterzusätze erheblich verbessert werden kann.

Ist es mit Biotin getan?

Fast schon legendär ist die Biotinstudie mit Wiener Lippizanern (Jossek und Zenker, Dissertationen, Zürich 1991). Sie zeigte, dass sich der Tragrand instabiler Hufe nach einer Biotinzufütterung von täglich 20 mg nach 19 Monaten gefestigt hatte. Die Effekte waren zwar gering und der zugrundeliegende Wirkmechanismus ist bis heute nicht geklärt. Dennoch gelang es damit dem Monopolhersteller von Biotin, das „Hufvitamin“ als Schlüsselnährstoff zur Verbesserung der Hufstabilität im allgemeinen Bewusstsein zu verankern. Heute weiß man, dass für eine optimale Hufhornqualität eine Vielzahl von Nahrungsbausteinen zusammenwirken müssen. Biotin ist nur einer davon. Näheres dazu wurde bereits in Futterjournal Nr.3 ausgeführt (www.futterjournal.de).

Für die hier beschriebene Hufstudie der Universität in Breslau (Polen) wurde ein spezifisch auf die Bedürfnisse der Hornentwicklung abgestimmtes Nährstoffkonzentrat getestet, wie es auch im Handel erhältlich ist*. Es enthält den B-Vitaminkomplex, Bierhefe, Zink und weitere wichtige Spurenelemente, schwefelhaltige Aminosäuren, natürliche Siliziumverbindungen und zusätzliche Vitalstoffe. Wie hat sich dieses Hufzusatzfutter nun im praktischen Versuch bewährt?

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Ablauf der Hufstudie

In die Hufstudie waren sechs Vollblutstuten eines Gestüts eingeschlossen, die schon seit mehreren Jahren durchweg sprödes und rissiges Hufhorn hatten. Die Stuten waren gesund und in recht guter Fütterungskondition. Vier von ihnen waren trächtig und fohlten bald nach Versuchsende ab.

Die aktive Testphase erstreckte sich über sechs Monate, von Ende September 2007 bis Ende März 2008. Während dieser Zeit erhielten die Stuten täglich je 250g des Testergänzungsfutters. Davon abgesehen, wurde die gewohnte Gesamtfutterration nicht geändert. Sie bestand aus stallüblichem Kraftfutter (Mischfutter plus Hafer) und Heu zur freien Aufnahme. Weidegang wurde während der Testfütterungsphase zugunsten eines unbewachsenen Auslaufs ausgeschlossen.

Als Hauptkriterium der Studie diente die Hufhornqualität vor und nach der sechsmonatigen Testperiode. Die Begutachtung erfolgte unabhängig durch zwei geschulte Hufschmiede, von deren Testnoten jeweils ein Durchschnittswert gebildet wurde. Die Laborauswertung nahm der Gewebeforscher Dr. Krzysztof Marycz von der Universität Breslau vor, der das Projekt vor Ort leitete.

Verbesserung der Hornstruktur

Die allgemeine Hornqualität und die Elastizität der Hufwand wurden nach einem Evaluierungsverfahren des polnischen Hufschmiedeverbands mit einer Notenskala zwischen 1 (sehr schlecht) und 6 (sehr gut) bewertet. Die Notenergebnisse waren nach sechs Monaten Zusatzfütterung in den gewählten Kategorien „Qualität Wand“, „Qualität Sohle“ und „Elastizität Wand“ durchweg und bei allen sechs Testpferden verbessert (siehe Abbildung 1). Alle Unterschiede sind statistisch signifikant. Unerwünschte Effekte durch das Testfutter waren in keinem Fall festzustellen.

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Detailanalyse des Sohlenhorns

Die Qualität der Hornsohle hatte sich mit durchschnittlich mehr als einem ganzen Notenwert besonders deutlich verbessert. Das Sohlenhorn erneuert sich innerhalb von ca. drei Monaten, so dass eine komplette Neubildung während der Testfütterung stattfand.

Der positive Befund bestätigte sich auch bei der Probenuntersuchung im Rasterelektronenmikroskop. Zu Beginn des Fütterungstests war das Sohlengewebe von Rissen durchzogen und machte insgesamt einen ausgelaugten, weichdiffusen Eindruck. Demgegenüber zeigte sich die Hufsohle nach sechs Monaten Testfütterung als kräftiger vitaler Gewebekomplex mit klarer Ausrichtung. Es ergab sich das Gesamtbild eines elastischen und belastungsfähigen Hornverbunds (siehe Abbildung 2).

Testbefunde des Wandhorns

Die Qualität des Wandhorns wurde am vorderen Tragrand des Hufes begutachtet. Sie verbesserte sich ebenso wie die Elastizität des Tragrands nach sechs Monaten signifikant um 0,7 Notenwerte. Dies steht im Widerspruch zur landläufigen Auffassung, dass sich ein Fütterungserfolg nur im nachwachsenden Hufhorn zeigen kann. Bis das Wandhorn vom Kronsaum bis zum Tragrand nachgewachsen ist, dauert es mindestens zwölf Monate. Der positive Einfluss des Testfutters war dort also „vorzeitig“ eingetreten.

Wir haben dafür folgende Begründung: Die Hornwand der Hufkapsel besteht im wesentlichen aus Hornzellen, die von einem Zwischenzellkitt wie Bausteine einer Mauer zusammengehalten werden. Die Hornzellen entstehen in einer Keimzone am oberen Rand des Wandhorns und werden von ständig neu sich bildenden Zellen allmählich bis nach unten zum Tragrand geschoben. Sie versteifen schon kurz nach ihrer Bildung durch Einlagerung von Keratinfasern, so dass sie schnell ihre Lebensfunktionen zugunsten rein mechanischer Aufgaben verlieren. Dennoch überleben an der Außenmembran der Hornzellen aktive Transportenzyme. Damit ist es prinzipiell möglich, Nährstoffe aus der gut durchbluteten Huflederhaut quer durch die anliegende Hornwand zu transportieren. Coenen und Spitzlei haben dies für den Hufwandtransfer von zugefüttertem Zink bereits nachgewiesen (siehe Pferdeheilkunde 8, 1992). Mit stabilisierenden Nährstoffen, etwa Aminosäuren, könnte sich ein mürbe gewordener Zwischenzellkitt nachträglich festigen, so dass das Mauerwerk des Wandhorns insgesamt gestärkt würde. Eine Qualitätsverbesserung auch des unteren Wandhorns (Tragrandes) erscheint demnach schon nach relativ kurzfristiger Nährstoffzufuhr möglich.

Andererseits könnten die Ergebnisse hier ähnlich wie beim Sohlenhorn noch besser ausgefallen sein, wenn das Testfutter über zwölf oder achtzehn Monate gegeben worden wäre - also bis zur kompletten Erneuerung der Hornkapsel. Diese Vermutung wird durch die Ergebnisse einer weiteren Hufbeurteilung gestützt, die zwölf Monate nach der ersten Testfuttergabe durchgeführt wurde.

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Zustand nach zwölf Monaten

Ab Testbeginn hatten die Stuten für sechs Monate das Testfutter bekommen. In den folgenden sechs Monaten erhielten sie wieder nur das stallübliche Futter. Nach diesen insgesamt zwölf Monaten zeigte eine klinische Inspektion der Hufe, dass sich die Hornkapsel in den letzten sechs Monaten komplett stabilisiert hatte, trotz des nun fehlenden Testfutters. Selbst Hornspalten, die sich ursprünglich über die gesamte Vorderfront der Hufwand erstreckt hatten, waren nach unten herausgewachsen, und die zuvor eher rauhe, spröde und rissige Hornkapsel zeigte sich nun wesentlich glatter, stabiler und frei von Spalten (siehe Abbildung 3).

Schlussfolgerungen

Insgesamt erlaubt die Pilotstudie mit sechs Vollblutstuten ein klares vorläufiges Resümee. Das mangelhafte Hufhorn hat sich durch Zufütterung eines hufspezifischen Ergänzungskonzentrats* schon nach sechs Monaten insgesamt deutlich verbessert. Die Qualitätssteigerungen waren beeindruckender und wurden in kürzerer Zeit erreicht, als in der Wiener Biotinstudie. Nachdem das Testfutter abgesetzt wurde, blieb sein positiver Einfluss auf die Qualität des herabwachsenden Wandhorns noch mindestens weitere sechs Monate erhalten. Selbst Hochträchtigkeit und Laktation beeinträchtigten den Fütterungserfolg im Hufbereich nicht erkennbar.

Die Ergebnisse der Pilotstudie sprechen dafür, dass ein gut zusammengesetztes Nährstoffkonzentrat auch in ungünstigen Fällen zur Bildung eines stabileren und elastischeren Hufhorns beiträgt.

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Dr. Eberhard Moll / Dr. Krzysztof Marycz