Satte grüne Wiese oder zertretene Steppe

Intro-Wiese– alles eine Frage der Pflege

Sie ist nicht nur Futtergrundlage, Bewegungsfläche, Spiel- und manchmal auch Schlafplatz, sondern auch leider meist nicht ausreichend vorhanden: die perfekte Pferdeweide. Groß und vor allem grün soll sie sein, mit vielfältigem, kräuterreichem und dabei trotzdem widerstandsfähigem Bewuchs. Mit möglichst geringem Anteil an unerwünschten oder gar giftigen Pflanzen, geringem Fruktangehalt und guter Mineralisierung.

Mit besten Bodenverhältnissen, die auch größeren Regenmengen trotzen können, guten sicheren Zäunen und schattenspendenden Gehölzen. Eine schöne Vorstellung. Doch die Realität ist bekanntermaßen oft hart und sieht auch in diesem Fall ganz anders aus: Gerade gegen Ende der Weidesaison erinnern Pferdeweiden oft eher an kahle Steppenlandschaften mit zertretener, stark geschädigter Grasnarbe, verschmähten Geilstellen und manchmal sogar hüfthohem, büschelweise wucherndem Ampfer und wogenden Brennnesselfeldern.

Auch Grünland will umsorgt sein

Das Zauberwort gegen solche Zustände heißt hier Weidepflege. Doch schon bei der Standortwahl bzw. Größe sollten bestimmte Grundregeln beachtet werden. Um Schäden durch Verbiss und Trittbelastung im überschaubaren Rahmen zu halten, sollte bei der Besatzdichte großzügig gerechnet werden. Jedem Großpferd sollten mindestens 1,3 ha, jedem Kleinpferd 0,8 ha zur Verfügung stehen. Aber es kommt nicht nur auf die Größe an. So bieten zum Beispiel längliche Koppeln mehr Bewegungsfreiraum und damit weniger Trittbelastung als quadratisch zugeschnittene.

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Der Traum von der Kräuterwiese

Kräuter erfreuen sich größter Beliebtheit und sind aus der vielseitigen Pferdeernährung nicht mehr weg zu denken. So liegt es natürlich nahe, dass der engagierte Pferdehalter auch möglichst viele dieser gesunden Gewächse auf seiner Weide sehen möchte. Spezielle Pferdegrasmischungen mit einem besonders hohen Kräuteranteil bietet der Handel mittlerweile in großer Bandbreite. Hierbei sollte allerdings einmal darüber nachgedacht werden, ob das Grünland zur Mähnutzung oder tatsächlich als Weide mit darauf grasenden Pferden verwendet werden soll. Ein hoher Kräuteranteil ist zwar von Vorteil, nur leider oft nicht von Dauer. Denn gerade die schmackhaften, zarten Kräuter fallen den suchenden Pferdemäulern als erstes zum Opfer. Und sind sie erstmal abgefressen, ist ohne eine erneute Ansaat kaum noch mit ihnen zu rechnen. Denn viele der gewünschten Kräuter haben die Eigenart, dass sie im Gegensatz zu vielen unerwünschten Unkräutern, einjährig sind. Das bedeutet, dass sie im Jahr, in dem sie eingesät werden, zur Samenbildung kommen und danach absterben. Ungünstig dann, wenn die Pferde ihnen keine Zeit zur Samenbildung lassen… Zu den einjährigen Kräutern gehören zum Beispiel Anis, Dill, Petersilie, Basilikum, Borretsch, Bockshornklee, Kamille, Kerbel, Koriander, Kümmel, Mariendistel und die Ringelblume. Wird eine Kräuterwiese mit einjährigen Kräutern angesät, so sollte zumindest im ersten Jahr keine Beweidung erfolgen, so dass die Pflanzen einmal aussamen können. Aber auch dann ist es kaum möglich, den Kräuteranteil dauerhaft hoch zu halten. Zu den zwei- bzw. mehrjährigen und damit etwas dauerhafteren Kräutern gehören zum Beispiel Pastinake, Wegwarte, Schafgarbe und Spitzwegerich.

Pferde sind keine Milchkühe

Wiese5In der Literatur wird folgende Gräser- und Kräuterzusammensetzung für die Pferdeweide empfohlen: 70% Gräser, 20% Kräuter und 10% Kleearten. Dieses Verhältnis ist jedoch abhängig von der Bodenbeschaffenheit, sprich pH-Wert und Nährstoffversorgung. Auf stickstoffhaltigen Böden wird kaum eine kräuterreiche Mischung heranwachsen. Hochleistungsgräser aus dem Milchviehbereich brauchen viel Stickstoff. Möchte man aus einer solchen Wiese eine Pferdeweide mit entsprechendem Bewuchs machen, braucht man Geduld, denn bis sich der hohe Stickstoffgehalt im Boden abgebaut hat, können bis zu sieben Jahre ins Land gehen. Vorher wird eine Nachsaat mit Kräutern kaum Erfolg haben. Letztlich sollte aber auch gerade bei viel genutzten Weiden vor allem auf eine widerstandsfähige Grasnarbe Wert gelegt werden. Man denke nur einmal an die Auswirkungen beschlagener Pferdehufe, wenn diese sich im Spiel in Stopp- und Drehbewegungen in die Grasnarbe graben. Und deren Widerstandsfähigkeit wird eher von Gräsern wie Wiesen- und Rotschwingel, Weidel- und Knaulgras, Lieschgras sowie der Wiesenrispe bewerkstelligt und weniger von den empfindlichen Kräutern. Einmal mehr wird deutlich, dass gerade viel genutzte Pferdeweiden meist nicht als alleinige Futtergrundlage dienen können und damit eine vitalstoffreiche Ergänzung über die Fütterung notwendig wird.

Auf die Technik kommt es an

Da auch Pferde erstmal das fressen, was ihnen am besten schmeckt, betreiben sie so eine Selektion auf unerwünschte Gräser und Kräuter bzw. Unkräuter. Um nun aber dauerhaft eine hochwertige Futtergrundlage zu erhalten, gehört zu den pflegenden Maßnahmen auch die regelmäßige Nachsaat. Grundsätzlich ist eine Nachsaat dann zu empfehlen, wenn der Altbestand zwar mehr als 50% futterwirtschaftlich wertvolle Gräser, aber ca. 20% Lücken aufweist. Die beste Methode zur Nachsaat ist das Drillen. Die Drillmaschine verursacht mithilfe kleiner Scheibenmesser zentimetertiefe Furchen, in die das Saatgut abgelegt wird. Wenn man das Nachsäen per Hand ausführt, sollte das Saatgut mit einem Rechen eingearbeitet bzw. mit einer Walze angedrückt werden, um ein gleichmäßiges Keimen zu gewährleisten und den Vogelfraß möglichst gering zu halten. Die besten Voraussetzungen sind bei Bodentemperaturen von über zehn Grad Celsius und einer guten Bodenfeuchte gegeben. Besteht der Altbestand zu mehr als 50% aus minderwertigen Gräsern bzw. Unkräutern (Ampfer, Löwenzahn, Brennnesseln) sollte über eine Neuansaat nachgedacht werden. Dafür muss die Weide – am besten im Herbst – umgebrochen und dann ganz neu eingesät werden. Aus den schon genannten Gründen wäre es dann im Hinblick auf den Kräuteranteil im Weidegras sinnvoll, im ersten Jahr keine Beweidung, sondern nur eine Mähnutzung erfolgen zu lassen.

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Eine abgegraste Koppel lädt zum "diebern" ein

Rinder als Weidepfleger

Nach der Abweidung durch die Pferde sollte die Wiese ausgemäht werden, um Selektionswirkungen auszugleichen. Das muss aber nicht unbedingt durch Maschinen erfolgen. Gute Arbeit können hier nämlich auch Rinder leisten. Vorteile der Mischbeweidung sind ein gleichmäßigerer Verbiss und Tritt, weniger Geilstellen und ein geringerer Anteil an verschmähtem Aufwuchs, da die Rinder das fressen, was die Pferde übrig lassen und umgekehrt. Hinzu kommt, dass der Infektionsdruck durch Endoparasiten gemindert wird, da eine Übertragung bzw. ein Befall zwischen den Spezies auszuschließen ist. Schafe eignen sich als tierische Weidepfleger eher weniger, da sie den Aufwuchs ähnlich wie die Pferde sehr tief verbeißen. Eine wichtige aber oft sehr unbeliebte Maßnahme zur Senkung des Infektionsdruckes und Verhinderung der Ausbreitung von Geilstellen ist außerdem das Absammeln des Pferdekotes. Gerade auf kleineren, viel genutzten Weiden sollte das „Abäppeln“ möglichst täglich, wenigstens aber dann nach der Beweidung erfolgen. Die regelmäßige Nachmahd, der so genannte Pflegeschnitt, hält nicht nur Geilstellen kurz, sondern kann, wenn sie rechtzeitig durchgeführt wird, auch das Aussamen von Unkräutern verhindern. Langfristig können so unerwünschte oder auch giftige Pflanzen verdrängt werden, ohne irgendwann zur chemischen Keule greifen zu müssen. Giftpflanzen wie das Jakobskreuzkraut haben auf gut gepflegten Weiden mit lückenloser Grasnarbe kaum Chancen sich anzusiedeln bzw. zu verbreiten.

In der Ruhe liegt die Kraft

Je nach Jahreszeit muss der Weide eine entsprechende Ruhezeit eingeräumt werden, um nachwachsen und genügend Futtergrundlage bilden zu können. Die dafür benötigten Zeiten variieren von drei Wochen (Juni) bis fünf Wochen(August). Hierbei sollte beachtet werden, dass eine so genannte Restassimilationsfläche nach der Beweidung vorhanden sein sollte. Das bedeutet, dass der Verbiss nicht tiefer als fünf bis sechs Zentimeter erfolgen sollte, um eine lückenlose Grasnarbe zu garantieren und unerwünschten Pflanzen so keine Chance zu geben.

Im Märzen der Bauer

Wenn dann die Wiese das Glück hat auch über Winter „ruhen“ zu dürfen und nicht als „Matschpaddock“ umfunktioniert wird, stehen im Frühjahr dann ihre nächsten Pflegemaßnahmen an. Zu Vegetationsbeginn sollten mit Hilfe einer Grünlandschleppe Bodenunebenheiten eingeebnet werden. Hierbei muss angemerkt werden, dass das Verteilen von Kotrückständen im Hinblick auf den Parasitendruck eher negativ zu beurteilen ist und das leidige „Abäppeln“ vorhergehen sollte. Das anschließende Abschleppen mit einer Wiesenwalze trägt zur Wiederherstellung des Bodenschlusses bei, ebnet Trittschäden ein, verbessert die Wasser- und Wärmeleitung und die Tragfähigkeit der Narbe. Das Walzen sollte durchgeführt werden, bevor der Aufwuchs eine Höhe von zehn Zentimetern erreicht hat.

Düngen – aber richtig

Höhe und Art der Düngung werden ganz klar durch den Nährstoffgehalt im Boden und durch den Nährstoffentzug durch die Pflanze bestimmt. Eine Bodenprobe, die alle vier bis fünf Jahre durchgeführt werden sollte, gibt Aufschluss über den pH-Wert und den Versorgungsstatus im Boden. Die Untersuchungsstätten (z.B. LUFA) geben Hilfestellung zur Probennahme und entsprechende Düngeempfehlungen nach der Untersuchung. Je nach Standort kann eine Ausgleichsdüngung mit entsprechenden Elementen (z.B. Selen) notwendig werden. Die recht kostspielige Spurenelementdüngung kommt aber eher selten zum Einsatz. Grundsätzlich ist aber eine reine Stickstoffdüngung bei Pferdeweiden abzulehnen, da hier vor allem die Obergräser gefördert und die wertvollen Untergräser (Kräuter) damit verdrängt werden. Eine Kalkstickstoffdüngung hingegen fördert den Artenreichtum und mindert gleichzeitig den Infektionsdruck.

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Jede Koppel braucht auch eine Ruhezeit, um sich von der Beweidung zu erholen

Was können Zeigerpflanzen zeigen?

Auch ohne Bodenprobe lässt sich durch die genaue Betrachtung der Vegetation einer Weide eine erste Einschätzung zu den Bodenverhältnissen abgeben. Denn manche Pflanzen gedeihen nur in ganz spezifischen Verhältnissen, wodurch sie als so genannte Zeigerpflanze Aufschluss über den jeweiligen Standort geben können. So ist zum Beispiel das vermehrte Auftreten von Gänseblümchen, Weißklee, Breitwegerich und Hirtentäschel ein Zeichen für Überweidung. Verdichtete Böden bieten beste Voraussetzungen für die flach wurzelnde Gemeine Rispe, das Flechtstraußgras und die Butterblume. Besagte Brennnesselfelder und Ampferbüsche lassen auf keine gute Weidepflege rückschließen. Ein Zeichen für staunasse, verdichtete Böden sind zum Beispiel der kriechende Hahnenfuss und der Sumpfschachtelhalm. Manche Pflanzen können bei gehäuftem Auftreten auch auf mehrere Faktoren hinweisen. So gedeiht der Löwenzahn auf stickstoff- und kalkhaltigen, humusreichen und auch verdichteten Böden.

Vorsicht bei nassen Böden!

Zu bevorzugen sind trockene, mineralstoffreiche Böden mit einem durchlässigen Untergrund. Dieser verhindert, dass sich Feuchtigkeit stauen und der Boden verdichten kann. Nasse Böden bergen neben einer ungünstigen Gräserzusammensetzung außerdem die Gefahr, dass sie optimale Bedingungen für Larven von Endoparasiten wie Leberegel und Lungenwürmer bieten, die über das Grün von den Pferden aufgenommen werden und schwere Organschäden verursachen können. Vorsicht ist deshalb auch auf Weiden geboten, die an Flussläufen liegen und regelmäßig überflutet werden.

Sind „Magerweiden“ die besseren Pferdeweiden?

Magerweiden zeichnen sich durch den Aufwuchs vorwiegend energiearmer Gräser, ein großes Artenreichtum und spezielle Bodenverhältnisse aus und sind für Pferde sehr gut geeignet. Magerweiden dürfen nicht mit einer übernutzten, schlecht gepflegten und verbissenen Weide verwechselt werden. Eine Magerweide für leichtfuttrige Pferderassen entsteht nicht durch unterlassene Düngung oder völligen Verbiss von vorher nährstoffreichen, fruchtbaren Böden. Es käme nur zu einer ungünstigen Verschiebung in der Gräserzusammensetzung. Auch sollte man sich der Tatsache bewusst sein, dass derartig gestresste, weil verbissene Gräser besonders viel Fruktan bilden. Und diese in der Pflanze als Träger- und Speicherstoff gebildeten, schwer verdaulichen Kohlenhydrate können, wenn sie in großen Mengen aufgenommen werden, Verschiebungen in der Dickdarmflora hervorrufen, was im schlimmsten Fall die Hufrehe auslösen kann. Auf üppigen Weiden ist deshalb die zeitlich begrenzte, stundenweise Beweidung das Mittel der Wahl, um Gefahren wie Verfettung oder Hufrehe zu minimieren. Denn schließlich soll der Weidegang ja zur Gesunderhaltung beitragen.

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Eine gute Weide ist mit viel Pflegeaufwand verbunden

Sarai Fauerbach