Vom idealen Kriegspferd zum frommen Sportler

Intro-TrakehnerTrakehner

Es gibt wenig Pferderassen, denen soviel Respekt gezollt, so viel Huldigung entgegengebracht wird und die so zum Mythos stilisiert wurden wie der Trakehner. Trakehner stammen ursprünglich aus der Provinz Ostpreußen, die während des Deutschen Reichs (1871 bis 1945) an Russland grenzte, heute aber völkerrechtlich zu Polen und Russland gehört.

Diese Rasse kann nicht losgelöst gesehen werden vom Zusammenbruch des Deutschen Reiches, dem Ende des Zweiten Weltkriegs, von Zerstörung, Vertreibung und Flucht.

Kein friedlicher Anfang

Die Anfänge der Trakehnerzucht gehen zurück bis ins 13. Jahrhundert, in die Zeit der Christianisierung Ostpreußens. Die missionierenden und kolonialisierenden Ritter des Deutschordens züchteten Militärpferde auf der Grundlage des Schweiken-Ponys, das über den Konik direkt zum Tarpan führt. Diese robuste Abstammung soll auch heute noch dem Trakehner natürliche Vitalität, Härte und Ausdauer verleihen.

Im Jahr 1732 gründete König Friedrich Wilhelm I. von Preußen das königliche Trakehner Stutamt. Die systematische Reinzucht begann im Jahr 1787 mit dem Schwerpunkt, Remonten und Offizierspferde hervorzubringen. Ein ausführliches Prüfungssystem und die peinlich genaue Dokumentation der Abstammung sind bis heute Vorbild für die Warmblutzucht.

Das Zuchtziel war ein elegantes, mit einem komfortablen, ausgreifenden Trab ausgestattetes Pferd, das den Offizier stolz machen sollte, aber dabei robust und mutig war und dem Reiter ermöglichte, schnell vorwärts zu kommen.

Der Trakehner wurde auch in der Landwirtschaft eingesetzt, galt aber als das Kriegspferd schlechthin. Viele der heutigen Trakehnerzüchter haben Vorfahren, die ohne dieses Pferd weder die Heimkehr als Soldat aus Russland noch als Flüchtling den Treck in den Westen geschafft hätten. Dem Trakehnerpferd werden Mut und Treue nachgesagt wie keiner anderen Rasse.

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Die Frommheit des Trakehners (hier Siegerhengst Freudenfest) ist legendär

Ende des Trakehners?

Tatsächlich hat kaum eine andere Pferderasse in der Geschichte so eine große Rolle gespielt wie der Trakehner. Aber fast wäre der Trakehner dem Untergang geweiht gewesen. Die Zucht in Ostpreußen brach mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vollständig zusammen, da nur ein kleiner Bestand der Pferde nach langer Flucht in den Westen gelangen konnte.

Die Strapazen, denen die Pferde auf der Flucht im eiskalten Winter 1945 monatelang bei Minusgraden (oft -25°C) ausgesetzt waren, führten zu riesigen Verlusten. Vor allem Zuchtstuten - die meisten hochträchtig - waren vor die vollbeladenen Wagen gespannt. Fast alle verloren die Fohlen. Die im Treck geborenen Fohlen konnten die Flucht nicht durchstehen. Viele Pferde mussten auf dem Weg zurückgelassen werden. Andere fielen den nachrückenden Russen in die Hände oder starben in der Kälte.

Die härteste Leistungsprüfung

Von den zuvor rund 25000 registrierten Trakehnern überlebten nur rund 1200 den Treck über das gefrorene Haff und gelangten in den Westen. Von der Stutenherde des Hauptgestüts Trakehnen, welche 350 Stuten umfasste, erreichten nur etwa 28 Westdeutschland. Die größte Völkerflucht der jüngsten europäischen Geschichte wurde zu der wohl härtesten Leistungsprüfung in der Geschichte der modernen Pferdezucht.

Treue und Mut

Die Erhaltung des Warmblutpferdes Trakehner Abstammung als eines der letzten geretteten Kulturgüter des deutschen Ostens wurde zur Aufgabe von Idealisten und wollte organisiert sein! Zu den Züchtern und Freunden des Trakehner Pferdes gehören oft auch die Nachfahren derer, die dank der treuen Tiere den Treck überlebt oder aus dem Krieg heimkehren durften. Wie der Trakehnerzüchter Hans-Ernst Wezel aus Burgkirchen, dessen Vater während des Kriegs als Chirurg zu einem bespannten Feldlazarett der 7. Gebirgsjägerdivision gehörte. Dieser ritt den ganzen Feldzug seinen treuen Trakehner Fridolin, dem er auch sein Leben zu verdanken hatte.

Oder Marion Gräfin von Döhnhoff, der 36jährig auf ihrem Lieblingspferd Alarich, alleine die Flucht vom Familienschloss Friedrichstein, 20 Kilometer östlich von Königsberg, bis nach Westfalen gelang. Später galt sie als eine der wichtigsten Journalistinnen der bundesdeutschen Nachkriegszeit.

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Trakehner brillieren heute in allen Sportarten, hier Insterburg und Carola Koppelmann, ein aufsteigendes Team im Grand Prix.

Sooo schön!

Den Trakehnern wird oft nachgesagt, sie seien schwierig. Tatsächlich ist der Trakehner ein rittiges, dem Menschen zugewandtes Pferd, das aufgrund des hohen Blutanteils Sensibilität im positiven Sinne besitzt. Diese Sensibilität macht Trakehner heute auch u.a. zu idealen Therapiepferden. Vor allem Vielseitigkeitsreiter schätzen diese Rasse aufgrund ihrer Zuverlässigkeit gepaart mit Leistungsbereitschaft. Die Schönheit und der Adel des Trakehners sind ebenso berühmt wie seine Treue. Die jahrhundertelange Einkreuzung von Araber- u. Vollblutgenen hat beim Trakehner eine Noblesse geschaffen, die in dieser Form nur im Trakehner Typ zu finden ist. Dazu gehören große ausdruckstarke Augen, trockene, markante Köpfe mit schmalen Nasen und fein definierten Konturen.

Diese Ausstrahlung blieb erhalten, obschon beim Trakehner seit den 70er Jahren ein Umzüchten auf Größe erfolgt war. Die arabischen Blutlinien, die derzeit leider kaum noch zur Veredelung genutzt werden, sorgen auch viele Generationen später für diese Noblesse.

Leistung und Frommheit

Der Trakehner geriet eine Weile in Verruf, nur schön zu sein, konnte aber gerade in den letzten Jahren durch Leistung vor allem in den Bereichen Dressur und Vielseitigkeit bestechen. Ein weiteres Merkmal ist die sprichwörtliche Menschenbezogenheit des Trakehner Pferdes. Die auf dem Treck aus Ostpreußen bewiesene Treue der Trakehner zu ihrem Besitzer ist legendär. So sagt man ihnen nach, dass sie ganz besonders zum Strahlen kommen, wenn sie in Harmonie mit ihrem Reiter sind.

Vielleicht haben die Trakehner etwas behalten, was verloren gegangen schien. Schauen wir hundert Jahre zurück. Das Geschick einer ganzen Familie hing oft von der Arbeitskraft und dem Arbeitswillen der Pferde ab. Die Pflege und Hege der Tiere war von solcher Wichtigkeit, dass daraus automatisch eine besondere Beziehung wurde. Dazu der Trakehnerzüchter Hans Peeck: „Das Pferd war für viele Menschen ein Lebenskamerad, mit dem man durch dick und dünn gehen musste, auf den man angewiesen war, vom dem Leben und Überleben abhing. Damit war die Gesundheit des Pferdes von so hoher Priorität, dass diese unter allen Umständen erhalten bleiben musste. Daher musste das Pferd sehr gut gepflegt und gefüttert werden. Durch die Pflege und Sorgfalt entstand eine Bindung zwischen dem Pferdehalter und dem Pferd, deren Nachhaltigkeit in der Beziehung vielleicht heute viele Menschen zum Schmunzeln bringen würde.“

Der Russische Trakehner

Die Wirren des Zweiten Weltkrieges machten unzählige Trakehner zum Beutegut der Sowjetischen Armee. Zuchtpferde aus Ostpreußen wurden in die UdSSR verbracht. Dort wurde die Zuchtarbeit weiter betrieben. Russische Trakehner sind kräftiger und knochiger (größerer Röhrbeinumfang) als Deutsche Trakehner. Das liegt auch daran, dass die Deutschen Trakehner einen höheren Vollblutanteil haben, während bei Russischen Trakehnern das Araberblut überwiegt und öfter Inzuchteinpaarungen durchgeführt wurden.

Trakehner weltweit

Heute werden Trakehner Pferde auf allen Kontinenten gezogen - der deutsche Trakehner Verband hat 10 Töchtervereinigungen in aller Welt, die auch den Reinzuchtkriterien der Trakehner Rasse verpflichtet sind.

Wir danken dem Trakehner Verband für die freundliche Unterstützung in Wort und Bild.

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand

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Buchbesprechung

Trakehner-Buch-PatriciaCloughPatricia Clough: In langer Reihe über das Haff
Die Flucht der Trakehner aus Ostpreußen

Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-423-34349-7
8,50 Euro

Am 16. Oktober 1944 flohen vom ostpreußischen Gut Trakehnen Pferde und Menschen nach Westen. Das 200 Jahre alte, weltberühmte Gestüt musste sich vor der russischen Roten Armee retten. Eine der ergreifendsten Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg, von Patricia Clough einfühlsam und spannend erzählt. Viele tausend Pferde legten ohne Futter und Wasser Hunderte von Kilometern zurück, viele von ihnen verendeten oder kamen geschwächt und krank in ein anderes Land. Auf der Flucht zogen die Tiere ihre ramponierten Wagen und erschöpften Familien nach Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen. Sie brachten ihre Lasten durch bittere Kälte, Eis und Schnee, durch Feuer und Bombenhagel. Selten war das Band zwischen Menschen und Pferden so stark wie damals - die Pferde hatten die Ostpreußen vor Tod, Vergewaltigung, Gefangennahme, Deportation und Zwangsarbeit bewahrt. Und die Ostpreußen hatten ihre Pferde gerettet.