Züchter, Reiter und Besitzer: Alfons Friedberger
Da lacht Alfons Friedberger, der Senior, der Züchter, wenn er die Verwunderung darüber erlebt, wenn mancher offen staunt: "Züchter, Reiter und Besitzer: Alfons Friedberger". Denn tatsächlich handelt es sich hier um zwei Personen. Der Junior, ebenso Alfons Friedberger, ist nämlich der erfolgreiche Reiter!
Tief in Niederbayern
Um die Familie Friedberger zu erreichen, muß man –ausgehend von der Mitte Deutschlands – ziemlich weit fahren. Sie wohnt nämlich in Richtung Deggendorf , nahe Wallerfing und – nicht genug – in Hirlöd. Dort sagen sich Fuchs und Hase "Gute Nacht" und es ist wunderschön dort. Das großzügige, gepflegte Anwesen mit einer hellen 60 x 20 iger Halle steht in einer urbayerischen leicht hügeligen und fruchtbaren Landschaft, wo dichte Nadelwälder, satte Wiesen und ertragreiche Felder das Bild einer intakten Natur widerspiegeln. Die Ruhe dieser Landschaft, die freundlich helle Ausstrahlung des ordentlichen Hofes und Reitkunst auf höchstem Niveau machen die lange Fahrtzeit wett.
Der mit den Pferden tanzt
Der junge Alfons Friedberger ist ein in sich gekehrter junger schlanker Mann. Als jüngster Pferdewirtschaftsmeister hat er seine Ausbildung auf dem elterlichen Betrieb gemacht. Nun 24jährig blickt er bereits auf eine erstaunliche Karriere zurück. Im Jahre 1998 hat er erst 21jährig als Junger Reiter 33 S-Siege erritten, das entspricht dreimal in einem Jahr das goldene Reiterabzeichen zu erwerben!

1998 war er mit der selbstgezogenen Stute Glamour Girl Deutscher Meister der jungen Reiter. Mit dem Pferd Du Little war er 6. plaziert bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde in Arnheim (Holland). Wer ihn reiten sieht, muß begeistert stehen bleiben. Mit seiner sanft-melancholischen Art verschmilzt er mit dem Pferd zu einer Einheit. Wie ein Zentaure schwebt er täglich mit seinen Pferden durch die Bahn. Fünfjährige Pferde setzen mühelos zur Versammlung an. Alles ist leicht und natürlich, als wäre Reiten das Einfachste auf der Welt. Nach dem täglichen Training reitet er ungestört auf dem eigenen Anwesen zur Entspannung von Reiter und Pferd aus.
Trainer und Turnierbetreuer
Sein Trainer, sowie sein Betreuer auf den Turnieren ist sein Vater, der Autodidakt Alfons Friedberger Senior, dessen Liebe zum Pferd keine Grenzen kennt.
Alfons Friedberger Senior
Diese Liebe zum Pferd und die enge Naturverbundenheit lassen Friedberger Senior zu einem eigenwilligen Revoluzzer in der landwirtschaftlichen Szene werden. Er ist kein Ja-Sager. Er wagt es, verstandesbedingt neue Wege zu gehen, auch wenn "man das seit 100 Jahren so macht". Er ist ein bekennender Gegner der industriellen Tierhaltung und gesteht dem Lebewesen seine eigene Psyche zu. Das kommt ihm in der Pferdehaltung und –ausbildung sehr entgegen.
Pferdematerial für die Zukunft
Friedberger Senior züchtet Pferde für die Zukunft seines Sohnes. Der Erfolg begann mit der Stute Gabe, der Mutter des Schwaiganger Hengstes Donnerberg, die die Stuten Galate, sowie Gloria (Vollschwester zu Donnerberg) hervorbrachte. Gloria ist die Mutter der Erfolgspferde Glamour Girl (von Amadeus) und Glorie Pik (von Pik Bube I).
Bestimmte Prinzipien
Die Fohlen werden auf dem Hof geboren, dort aufgezogen und Ende dreijährig anlongiert bis eine gewisse Grundkondition vorhanden ist. Der Reiter wird so lange auf dem jungen Pferd longiert, bis das Pferd von sich aus an die Hand tritt und sein Gleichgewicht gefunden hat.
Kinderstube bleibt Kinderstube
Weder Fohlenschau noch Zweijährigen-Schauen werden besucht, um die Pferde nicht zu überfordern.
Dies wird deutlich am Beispiel der Stute Glorie Pik. Erst sechsjährig war sie zum ersten Mal auf einem Reitturnier. Friedberger Junior stellte sie in einer Dressurpferdeprüfung der Klasse M vor und gewann sofort. Dies widerlegt, daß ein Pferd Woche um Woche aufs Turnier muß, um sich daran zu gewöhnen. Letztendlich zählt beim Pferd das Vertrauen zum Reiter. In der Zucht gewünschte Eigenschaften wie Rittigkeit und Temperament werden durch die Reiterrei in die richtigen Bahnen gelenkt. Vertrauen zum Reiter läßt auch ein spritziges, anscheinend nervöses Pferd über sich hinauswachsen.
Urvertrauen und Motivation
Angefangen von der Geburt des Pferdes, dem Absetzen des Fohlens, über die Aufzucht, bis hin zur Ausbildung zum Grand Prix ist das Pferd ein Familienmitglied. Selbst die Grand Prix Pferde werden regelmäßig ins Gelände geritten und dürfen die Koppel genießen.

traumhaft auch die Reithalle in Hirlöd
Die Fütterung
Laut Alfons Friedberger Senior sollten Futtermittel so wenig wie möglich chemisch belastet sein. Das beginnt mit der sparsamen Düngung des Heus (Kalkung und minimale Düngung) und damit minimaler Stickstoffbelastung (z.B. keine Gülledüngung). Nur so entwickelt sich nach Friedbergers Ansicht der Kräuterreichtum. Heu hat für ihn in der Fütterung größte Bedeutung.
Das Wetter macht das Heu
Dabei ist es in Friedbergers Augen übertrieben, das Gras über die Samenbildung hinaus stehen zu lassen. Es gehen nicht nur die wertvollen Samen verloren, sondern die Stengel verholzen und das Gras beginnt, sich vom Boden her zu zersetzen. Dem Befall von Pilzsporen sind Tür und Tor geöffnet. Er ist eher bereit, das Heu etwas früher zu ernten - was ihm bei der geringen Stickstoffdüngung nicht so schwer fällt - als Regen oder Verholzung in Kauf zu nehmen. Er sagt, vorrangig müsse das Wetter passen.
Schwarzhafer
Auch in der Kraftfutterfütterung geht Friedberger seinen eigenen Weg. Seit über 10 Jahren wird ausschließlich Schwarzhafer gefüttert. Er ergänzt die Haferfütterung mit kleinen Mengen gequetschten Maises und Rübenschnitzel. Tragende Stuten und vor allem die Hochleistungspferde erhalten ein hochpreisiges Ergänzungsfuttermittel. Die Fütterung erfolgt mit dem Auge, nicht nach Computerprogrammen oder DLG-Listen. Friedberger fährt gut mit dieser Methode. Er ist überzeugt, daß die Pferde besser auf den Schwarzhafer reagieren. Um den Markt auf den Schwarzhafer aufmerksam zu machen, beauftragte er eine renommierte bayerische Versuchsanstalt damit, den Unterschied zwischen Weiß- und Schwarzhafer aufzuzeigen. Allerdings wurde bei der Untersuchung kein Unterschied festgestellt, außer daß im Schwarzhafer mehr Bitterstoffe enthalten sind. Inwieweit allerdings der Gehalt an natürlich vorkommenden Vitalstoffen wie Enzymen oder Sekundären Pflanzenstoffen zwischen den beiden Hafersorten schwankt, wurde nicht verglichen. Solange jedoch nicht alle Wirkstoffe untersucht sind, kann und darf man nicht behaupten, es wäre kein Unterschied vorhanden. Allein schon die dunkle Farbe des Schwarzhafers spricht für einen höheren Gehalt an natürlichen Farbstoffen, also auch sekundären Pflanzenstoffen. Schließlich wird der teuere Schwarzhafer u.a. im Rennsport eingesetzt. Ganz ohne Grund passiert so etwas nicht.
Gutes Futterstroh

Alfons und Alfons Friedberger
Interessant ist auch das Stroh des Schwarzhafers. Friedberger geht davon aus, daß die Pferde dieses Futterstroh bevorzugen. Bei Schwarzhafer muß kein Halmverkürzer gespritzt werden. Für seine Pferdezucht ist das ein wichtiger Umstand, da diese Chemikalien in Verbindung mit Fruchtbarkeitsproblemen bei Schweinen gebracht wurden. Der Schwarzhafer wird auch nicht zu dicht gesäht. Dadurch sind zwar geringere Erträge zu erwarten, der Pilzbefall (Fusarien) ist dafür geringer, weil mehr Luft durch die einzelnen Pflanzen weht.
Ausbildung auf dem Hof
Die Familie Friedberger bildet Pferde wie Reiter nach ihren Vorstellungen aus. Dabei wird Wert auf die Fähigkeit des Reiters gelegt, sich auf sein Pferd einzustellen und nicht gegen dessen Bewegung, so daß das Pferd die richtige Muskulatur entwickelt. Das Vertrauen zum Reiter hat höchste Priorität. Pferde fühlen laut Friedbergers viele emotionale Regungen schneller als der Mensch. Werden sie zur falschen Zeit gestraft, wird das Vertrauen geschädigt. Aber nur mit diesem Vertrauen kann das Pferd spielerisch gehen, ohne in eine Schablone gepreßt zu werden. Wenn die Reiterei eine Zukunft hat, dann auf diesem Weg. Man kann dieser Familie für die Zukunft nur alles Gute wünschen.
Dr. Susanne Weyrauch










