Michael Freund

07IntroDer nette Freund – Portrait eines Weltmeisters

Michael Freund hat den Fahrsport in den letzten Jahren der Öffentlichkeit nahe gebracht. Mit seinen großartigen sportlichen Erfolgen (3-maliger Weltmeister und 9-maliger Deutscher Meister) und seinen bewegenden öffentlichen Auftritten hat er mit seiner fröhlichen Art das Publikum in seinen Bann gezogen.

Wenn die vier Gespannpferde in der Stuttgarter Hans-Martin-Schleyer-Halle auf engstem Raum seinen Anweisungen folgen und schier unmögliche Fahrmanöver mit Leichtigkeit bewältigten, beweist Michael Freund eindrucksvoll eine funktionierende und harmonische Partnerschaft zwischen Pferd und Fahrer. Futterjournal hat ihn auf dem Christinenhof in Dreieich besucht:

Futterjournal:
Herr Freund, Sie sind zur Leitfigur des Fahrsports avanciert. Wie kamen Sie eigentlich dazu?
Michael Freund:
Bei uns ist der Fahrsport Familientradition. Mein Vater ist bereits kurz nach dem 2. Weltkrieg Turnier gefahren. Mein Bruder Fred fährt bereits seit dem 9.Lebensjahr.

Futterjournal:
Ihr Bruder Fred hat es Ihnen zunächst vorgemacht?
Michael Freund:
Fred ist neben seiner Tätigkeit im elterlichen Bäckereibetrieb Fahrlehrer FN und gibt Training- und Fahrkurse. Wir arbeiten gerne zusammen.

Futterjournal:
Sie bringen gemeinsam den Fahrsport weiter und gelten als Vorbild. Was können Sie demjenigen, der Interesse an der Fahrerei zeigt, weitergeben?
Michael Freund:
Neben Fahrkursen für Gruppen geben wir auch Privatunterricht, wir helfen bei der Korrektur von Pferden und bilden auch selbst Pferde aus. Selbstverständlich bieten wir gut gefahrene Pferde zum Verkauf an.

Futterjournal:
Ab wann kann denn ein Pferd eingefahren werden?
Michael Freund:
Im allgemeinen beginnen wir mit 3jährigen Pferden. Nach dem ersten Longieren erfolgt die Arbeit an der Doppellonge. Als nächstes gewöhnen wir die jungen Pferde an das Schleppen von Gegenständen, dazu gehören zum Beispiel Reifen oder Schlitten. Es folgt dann das Anspannen vor den Wagen.

07Freund1

Futterjournal:
In Ihrem Stall befinden sich 20 Boxen. Gehören alle Weltmeisterschaftspferde Ihnen?
Michael Freund:
Früher bin ich mit eigenen Pferden gestartet. Die guten Pferde wurden dann am Ende des Jahres verkauft. Seit mir jedoch vier Pferde vom Förderkreis olympische Reiterspiele (FORS) zur Verfügung gestellt wurden, konnte ich weiter trainieren und wurde so 1992 Viertplazierter bei den Weltmeisterschaften und Mannschaftsweltmeister, 1994 Einzel- und Mannschaftsweltmeister. Das Konzept der FORS ist damit aufgegangen. Dankbar bin ich auch meinem Freund und Förderer Walter Plücker, ein Vierspännerkollege aus Kurhessen. Er stellt mir immer wieder gute Pferde zur Verfügung, es ist eine Art Freundschaftssponsoring.

Futterjournal:
Der Fahrsport ist aufwendig und teuer. Sie haben sicher eine Mannschaft Helfer um sich herum?
Michael Freund:
In meinem Stall arbeiten drei gute Geister, die Pferdepflegerinnen Melanie, Steffi und Torsten. Die jungen Leute misten, füttern und putzen die Pferde, schirren sie auf und spannen sie an. Thorsten ist verantwortlich für die Instandhaltung der Kutschen, das Futterlager und die LKW´s.

Futterjournal:
Wenn man Sie auf den Turnieren oder Shows sieht, haben Sie immer Helfer auf Ihrem Wagen dabei. Welche Aufgabe haben diese Leute, braucht man dazu eine
Ausbildung?

Michael Freund:
Also bei mir fahren Freunde mit, die ihren Urlaub opfern. Ob wir Dressur-, Marathon- oder Kegelfahren, helfen mir die Mitfahrer beim Gewichtsausgleich, sie sagen mir die Kilometerzeiten durch, wissen den Parcour auswendig oder weisen in Hindernissen auf Schwierigkeiten hin. Hilfe wird mir auch beim Reinigen der Turniergeschirre nach jedem Start gegeben.

Futterjournal:
Wie lange trainieren Sie Ihre im großen Sport mitgehenden Pferde pro Tag?
Michael Freund:
Wir trainieren die Pferde während der Saison, also von April bis September 1 bis 2 Stunden pro Tag, im Winter müssen die Pferde nur ihre Grundkondition erhalten, das heißt etwa nur 1 Stunde Erhaltungsarbeit.

Futterjournal:
Fahren Sie bei jedem Wetter? Welche alternativen Trainingsmethoden setzen Sie ein?
Michael Freund:
Prinzipiell fahren wir bei jedem Wetter. Bei Regen fahren wir mit Nierendecken, ansonsten haben wir ein Laufband. Die Pferde werden auch auf dem Dressurplatz geritten oder longiert.

Futterjournal:
Welche Hauptunterschiede sehen Sie zwischen Reiterei und Fahrsport?
Michael Freund:
Der größte Unterschied liegt darin, daß zwischen Reiter und Pferd beim Fahren kein direkter körperlicher Kontakt besteht. Die Peitsche wird da eingesetzt, wo normalerweise der Schenkel des Reiters die Hilfe gibt. Das Pferd wird auch mehr über die Stimme geregelt als in der Reiterei.

Futterjournal:
Sehen Sie grundlegende Unterschiede in der Fütterung von Fahr- und Reitpferden?
Michael Freund:
Nein, sowohl für das Fahr- als auch für das Reitpferd hat die Ernährung eine große Bedeutung für das körperliche und seelische Wohlbefinden. Wichtig ist, daß die Fütterung im richtigen Maß zur Bewegung des Pferdes steht.

Futterjournal:
Kann man ein Fahrpferd von einem Reitpferd unterscheiden?
Michael Freund:
Es gibt prinzipiell keine "Fahr-" oder "Reit"pferde. Allerdings gibt es für jedes Pferd eine Top-Position. Es gibt Stangenpferde, die etwas kräftiger gebaut sind und vielleicht aufgrund ihrer breiteren Brust besser ziehen können und Vorderpferde, die etwas eleganter wirken. Aber es gibt keine Faustregel. Jedes Pferd ist ein Individuum und muß seinen Neigungen entsprechend eingesetzt werden.

Futterjournal:
Herr Freund, Sie haben den Fahrsport in die Halle gebracht, denken wir an Shows bei den Munich Indoors, bei der Verdener Auktion, in Bremen, Dortmund oder Stuttgart.
Michael Freund:
Ich freue mich, daß in diesem Jahr zum ersten Mal der Weltcup im Fahren stattfindet. Erstmals in der Geschichte wird in Hallen um den Weltcup gekämpft. Mit 8 Prüfungen, die ausschließlich in Europa stattfinden, wird der Sieger ermittelt.

Futterjournal:
Welches große Ziel haben Sie sich in nächster Zeit gesteckt?
Michael Freund:
Nachdem ich die Qualifikation für den Weltcup gewonnen habe, werde ich in Schweden, Holland, Frankreich und Deutschland um den Weltcup kämpfen.

Futterjournal:
Dabei wünschen wir Ihnen alles Gute und viel Erfolg, Herr Freund! Wir bedanken uns für das Gespräch und die von Ihnen geopferte Zeit.

Michael Freund ist gleich am nächsten Tag mit seiner Equipe nach Oldenburg gefahren.

Dr. Susanne Weyrauch

07Freund2

Steckbrief Michael Freund

Geboren: 16.9.1954 in Frankfurt
Die Eltern führten eine Bäckerei mit Landhandel. Der Bruder Fred begann bereits mit 9 Jahren zu fahren, Michael hingegen ist bis 17jährig der Beifahrer seines Bruders Fred gewesen und geritten.

4.9.1996: Michael Freund heiratet seine Frau Sonja, eine früher aktive Springreiterin.
Am 11.9. wird sein Sohn Marko geboren. Eine frühere Hochzeit war aufgrund der Weltmeisterschaft nicht möglich. Der nun fünfjährige Freund fährt bereits zweispännig mit Shetlandponies.