Heu ist die Basis Nr. 1

02IntroHeu – das Grundfutter Nr.1

Die Ernährung des Pferdes basiert auf der stundenlangen Aufnahme von Weidegräsern mitsamt deren Blüten und Samen. Dabei spielt die Faserlänge des aufgenommenen Grases eine bedeutende Rolle. Erst ab 30 cm gilt Gras als lang genug, um beim Pferd die Verdauung zu optimieren.

Heu, das im wesentlichen nach der Blüte geerntet wird, gilt daher ernährungsphysiologisch gesehen als Futtermittel Nr.1 für Pferde.

02loliumWarum Heu?

Heu dient dem Pferd als soge-nanntes "Strukturfutter". Durch die Aufnahme von Heu wird der Darm mit wertvoller Rohfaser gefüllt. Unter Rohfaser versteht man (entsprechend der Weender Analyse) säureresistente Futterbestandteile (z.B. Zellulose, Hemizellulose, Pektin und Lignin), die nicht wie Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß im Dünndarm verdaut werden können, sondern ausschließlich durch Milliarden von Mikroorganismen im Dickdarm abgebaut werden. Dabei ent-stehen u.a. energieliefernde Essig- und Propionsäure. Das Pferd nutzt also die Rohfaser als Energielieferanten.

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Heu sollte auch bei Weidehaltung angeboten werden

Die Darmbewegung macht den Unterschied

Die Geschwindigkeit und die Art und Weise, mit der das Fut-ter den Darm passiert, ist dabei von großer Bedeutung. Struk-turreiches Futter (z.B. Heu, 1. Schnitt von artenreichen Wiesen) regt die Darmperistaltik (Darmbewegung) an und fördert die Verdauung. Die Darm-passage wird zwar langsamer, aber dafür gründlicher, so daß den Mikroorganismen im Dickdarm genug Zeit zur Aufspaltung der Rohfaserkomponenten zur Verfügung steht. Strukturarmes Futter (z.B. hoher Anteil an jungem Gras oder hohe Getreidemengen in der Ration) beschleunigt die Darmpassage und verringert die Darmperistaltik. Zu grobes Strukturfutter, z.B. Stroh, enthält hohe Gehalte an Lignin, einem auch für die Bakterien schweraufspaltbaren, holzähnlichen Stoff, und verringert die Verdaulichkeit der übrigen Nährstoffe. Kolikgefahr droht, wenn Heu zugunsten Stroh eingespart wird.

Heu als Lebenselixir der Mikroflora

02festucaEine ausgewogene Darmbewegung ist Voraussetzung für die Beschäftigung der dem Pferdekörper in Symbiose lebenden Mikroorganismen. Diese ernähren sich von der Rohfaser und geben dafür flüchtige Fettsäuren als "Treibstoff" an das Pferd ab. Daneben produzieren sie lebenswichtige B-Vitamine, die Darmgesundheit und allgemeines Wohlbefinden des Pferdes stärken.

Der Elektrolytlieferant

Pferde, die ausreichend mit Heu gefüttert werden, verfügen über ein großes Wasser-und Elektrolytreservoir, von dem sie vor allem im Distanzsport oder auf langen Transporten und Turnieraufenthalten profitieren.

Auswirkungen auf den Säure-Basen-Haushalt

Das im allgemeinen kaliumreiche Heu gilt naturheilkundlich gesehen als Basenbildner. Eine rohfaserreiche Fütterung ist für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt von größter Bedeutung und beugt langfristig Verspannungen, Entzündungen, Gelenk- und Verdauungsproblemen, sowie der gefürchteten Hufrehe vor. Das Einspeicheln des Heus im Maul führt zur Sekretion von Magensäften. Dabei wird aus Kochsalz (Natriumchlorid) Salzsäure und Natriumbicarbonat gewonnen. Das Natriumbicarbonat dient der Entsäuerung und Entschlackung des Bindegewebes.

Heuqualität

02Heu4Das im Mai aufschießende Gras sollte als Pferdefuttermittel erst Mitte bzw. Anfang Juni geerntet werden. Es ist am Verblühen und beginnt bereits auszusamen. Der Anteil an Rohfaser ist genügend hoch (mind. 20%) und der Rohproteingehalt hat seit dem Schossen konstant abgenommen. Das Verhältnis Calcium zu Phosphor verschiebt sich zugunsten des Calciums und liegt damit für Pferde besonders günstig.

Heubergung

Heu sollte möglichst trocken, staubarm und weitestgehend frei von schädlichem Keimbefall sein. Dies wird erreicht indem

1. das Heu nach der Blüte (Pollenallergie durch Pollenflug vermeiden) und vor dem Aussamen geerntet wird (mit dem Aussamen beginnt die Verrottung des Halmes vom Boden aus),

2. das Heu während der Trocknung nicht mehr als einmal beregnet wird (Staubbildung beim Brechen der Halme durch gehäuftes maschinelles Wenden) und

3. das Heu trocken eingebracht und gelagert wird (Schimmelallergie bzw. Vergiftungen durch Schimmelbildung im feuchten Milieu)

Optimal, aber aus Kostengründen oder arbeitswirtschaftlich gesehen kaum mehr zu machen, ist das Nachtrocknen auf der Tenne oder die schonende Einbringung vom losen Heu mit der Hand. Dabei wird das gemähte, angetrocknete Gras auf Reuter (Holzständer) gepackt. Im Gegensatz zur maschinell betriebenen Bodentrocknung werden Gräser- und Kräuterblätter gebrochen und gehen teilweise verloren.

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Je besser das Heu, desto geschützter der Darm und das Immunsystem

Wenn Heu nicht gefüttert werden darf

Die Aufnahme von Heu trägt bei Pferden zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden bei. Leider gibt es immer wieder Jahre, in denen die Heuernte allgemein denkbar schlecht ausgefallen ist. Das Heu ist verregnet und im schlimmsten Fall verdorben. Alternativen zur herkömmlichen Fütterung müssen auch dann gefunden werden, wenn Pferde aus gesundheitlichen Gründen Heu nicht vertragen. Dazu gehören z.B. Heuallergiker und Pferde mit chronischer Bronchitis, denen jede Staubentwicklung zur Qual werden kann.

Heuwäsche

02Heu3Für hustende und dämpfige Pferde empfiehlt sich das Waschen von (staubigem) Heu, indem es kurz in Wasser eingeweicht und anschließend verfüttert wird. Damit werden Staubpartikel und Pollenreste ausgeschwemmt bzw. gebunden. Ist das Heu aufgrund Schimmelbildung staubig, sollte es sofort aus dem Stall entfernt und entsorgt werden! Sicherheit schafft eine mikrobiologische Analyse bei einer entsprechenden Untersuchungsanstalt.

Silage

Weitestgehend staubfrei sind Anwelk-Grassilagen aus angetrocknetem Gras. Der Energiegehalt und die Verdaulichkeit sind gut. Der Rohfaserwert liegen aber nur bei ungefähr einem Drittel des Rohfasergehaltes von Heu. Es muß also entsprechend mehr Silage gefüttert werden. Bei der Verfütterung von Silage soll die Menge langsam gesteigert werden und im Höchstfall 20 Kilogramm pro Pferd und Tag betragen.

Silage hat den Nachteil, daß bei fehlerhafter Silierung der Schimmelbildung Tür und Tor geöffnet werden. Silage sollte nur von sachkundigen Personen hergestellt und verfüttert werden. Einmal geöffnete Rundballen werden möglichst schnell verbraucht. Halter von allergischen Pferden sollten wissen, daß Silage mehr Histamin enthält als Heu. Je höher der Anteil an Schmutz (Erdteilen) in der Silage ist, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß Clostridien vorhanden sind, Bakterien, die bei Luftabschluß das gefährliche Botulismus-Toxin produzieren.

Produkte der Warmlufttrocknung

02poaEine wetterunabhängige Trocknung von Weidegras zur Vermeidung von Staub, Schimmelbefall, Histaminbelastung und Clostridientoxinen ist die Warmlufttrocknung. Dabei wird das Gras gemäht, geschnitten und schnell bei Temperaturen von etwa 120°C getrocknet. Aber auch hier gilt: Das Trockengut sollte über 30cm hoch sein, so daß der Rohfasergehalt für die Pferdefütterung ausreichend ist. Der natürliche Gehalt an Vitamin A bleibt erhalten, während der Vitamin D-Gehalt niedriger liegt als bei Heu, da die Sonneneinstrahlung beim Trockenvorgang entfällt. Dem niedrigen Proteinbedarf des Pferdes angepaßte Produkte (Proteingehalt 10%) sind zu bevorzugen.

Dr. Susanne Weyrauch

Tabelle 1: Übersicht über besonders rohfaserhaltige Futtermittel und die Deckung des Rohfaser-Tagesbedarfs bei üblichen Aufnahmemengen (bezogen auf einen mittleren Rohfaserbedarf von 2500 g/ Tag für ein 600 kg schweres, mittel belastetes Reitpferd)

Futterart Rohfaser in
g pro Kilo
ca.
übliche angenommene
Aufnahmemenge pro
Pferd und Tag
Deckung des
Tagesbedarfs
an Rohfaser
Weidegras 50 - 60 20 kg 40 - 50 %
Wiesenheu 260 - 300 6 kg 60 - 70 %
Stroh 400 2 kg 30 %
Anwelkgrassilage 80 5 - 10 kg 15 - 30 %
Maissilage 50 5 - 10 kg 10 - 20 %
Heucobs 220 - 260 6 kg 50 - 60 %