Quantität statt Qualität

qmedizin2Die Weender Futtermittelanalyse

Pferdehalter, die sich Gedanken zum Thema Futterinhaltsstoffe machen, stolpern immer wieder über die Begriffe: Rohasche, Rohfett, Rohprotein, Rohfaser, Rohwasser und Trockensubstanz.

Bei diesen Begriffen handelt es sich um die Ergebnisse der sogenannten Weender Futtermittelanalyse, die auf jedem Sackanhänger oder Futterergänzungsmittel für Tiere Pflicht ist. Die Futtermittel werden dabei verschiedenen, - dabei recht groben - chemischen Analysemethoden unterworfen. Das Verfahren ist vom ernährungsphysiologischen Standpunkt aus ziemlich veraltet und dient nur als Groborientierung zum Vergleich von Futtermitteln untereinander. Die Vielfalt ernährungsrelevanter Stoffe wird nicht erfaßt.

Rohasche

Zur Ermittlung der „Rohasche“ wird das Futtermittel bei 550° C verbrannt. Die nicht verbrannten Bestandteile (die Asche aus oxidierten Mineralstoffen, Sand oder Ton) geben uns Aufschluß über den Gehalt an anorganischen Substanzen und sollen einen Richtwert für den Mineralstoffgehalt des Futtermittels darstellen. Leider können aber auch Verunreinigungen wie Sand und Staub (siehe oben) den Gehalt an Rohasche erhöhen.

Rohfett

Sämtliche Bestandteile, die in einer Ätherlösung löslich sind, sind fettlöslich und werden in der Weender Analyse als „Rohfett“ bezeichnet. Das heißt aber nicht, daß es sich hier um tatsächlich energieliefernde Fette handelt. Unter den Begriff Rohfett fallen daher u.a. auch Harze und Wachse, die nicht verdaulich sind oder schwerverdauliche, gesättigte Fette. Es wird keine Angabe über die Fettqualität gemacht. Hochwertige leichtverdauliche, kaltgepreßte pflanzliche Öle mit einem hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren fallen genauso unter den Begriff Rohfett, wie schlechtverdauliches gesättigtes Kokosfett oder Fette aus Tiermehlen, z.B. im Hundefutter.

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Der Beipackzettel am Ergänzungsfutter gibt Information über die Ergebnisse der Weender Analyse

Rohprotein

Darunter versteht man alle stickstoffhaltigen Substanzen im Futtermittel. Dazu gehören nicht nur Eiweiße, sondern auch Nitrit- und Nitratverbindungen (z.B. Amide). Ebenso wie beim Rohfett, kann die Weender Analyse keine Ergebnisse zur Eiweißqualität liefern. In der Pferdefütterung ist ein niedriger Proteinanteil mit einem weiten Spektrum an Aminosäuren bei gleichzeitig hohem Gehalt an essentiellen Aminosäuren erwünscht. Ein geringer Rohproteingehalt mit geringem oder einseitigem Gehalt an Aminosäuren führt zum Eiweißmangel. Mindestens genauso nachteilig ist ein hoher Rohproteingehalt z.B. im Zuchtfutter (über 16% ) bei einseitiger Aminosäure-Zusammensetzung. Überschüssige Stickstoffverbindungen werden verstoffwechselt und als Energieträger genutzt. Der Pferdeorganismus wird unnötig belastet.

Rohfaser

Nach Kirchgeßner („Tierernährung“, DLG Verlag Frankfurt) versteht man unter Rohfaser den „in Säuren oder Laugen unlöslichen fett-, stickstoff- und aschefreien Rückstand einer Substanz“. Hier handelt es sich im weitesten Sinne um Cellulose, Pentosane, Lignin und andere „Ballaststoffe“. Da Rohfaser nicht gleich Rohfaser ist, können leider auch hier die für das Pferd interessanten ernährungsphysiologischen Verbindungen nicht unterschieden werden. Ein hoher Rohfasergehalt kann auch durch die Verwendung von Stroh erreicht werden, obgleich Stroh ernährungsphysiologisch wesentlich schlechter für das Pferd als Heu ist.

Rohwasser und Trockensubstanz

qweender2Als Rohwasser gelten alle Stoffe, die nach einer dreistündigen Trocknung des Futtermittels bei 105°C flüchtig sind. Der Begriff Trockensubstanz leitet sich dann rechnerisch vom Begriff Rohwasser ab (Trockensubstanz ist gleich Frischsubstanz minus Rohwasser).

Zusammenfassend handelt es sich bei der Weender Futtermittelanalayse um eine rein quantitative Analysemethode. Unberücksichtigt bleiben tatsächliche Gehalte an Mineralstoffen und Spurenelementen, sowie die Art ihrer Bindungsform, die die Aufnahme in den Körper entscheidet. Sekundäre Pflanzenstoffe, Pflanzenhormone, Enzyme oder Vitamine bleiben ebenso mit dieser Methode unberücksichtigt. Die Qualität eines Futtermittels kann also nicht den Werten eines Beipackzettels entnommen werden. Das macht es für den Käufer von Futtermitteln leider nicht einfacher.

Bei der sogenannten offenen Deklaration gibt zumindest der Beipackzettel Aufschluß, welche Inhaltsstoffe (aufgelistet in der Reihenfolge ihrer eingesetzten Menge) im Futtermittel verwendet wurden.

Dr. Susanne Weyrauch