Der Mann mit den starken Nerven
Auf dem Gestüt Wäldershausen im Vogelsberg haben wir Lars Nieberg im August 2002 besucht und uns mit ihm unterhalten.
Futterjournal:
Wir könnten nun über Ihre unzähligen Erfolge als außergewöhnlicher Spitzensportler referieren: Dazu gehört Ihr Erfolg als Deutscher Meister 1995 in Gera, Olympia-Mannschaftsgold in Atlanta 1996 und in Sydney 2000, 1998 Mannschaftsweltmeister in Rom, Mannschaftseuropameister 1997 in Mannheim. Gewinner unzähliger Großer Preise und Nationenpreise, Teilnehmer am Weltcupfinale, und schließlich sind Sie für die Weltreiterspiele in Jerez qualifiziert...
Was uns aber interessiert: Welcher Mensch steckt hinter dem Erfolg? Mit welchen Charaktereigenschaften schafft man den Sprung in die reiterliche Weltelite? Versuchen wir es einfach mal mit Ihrer Herkunft und Ihrem Werdegang:
Lars Nieberg:
Mein Lebenslauf ist eher klassisch, geboren als Landwirtssohn in Niedersachsen, genauer gesagt auf dem väterlichen Ponyhof in Knesebeck, lernte ich Reiten und nahm bereits früh an Ponyturnieren teil.

Führanlage, Reithalle und Paddock
Futterjournal:
Und wie kamen Sie dann zu den Großpferden?
Lars Nieberg:
Mein erstes eigenes Großpferd kaufte mir mein Vater, als ich 13 Jahre alt war.
Futterjournal:
Sie machten Ihre Ausbildung als Pferdewirt bei Herbert Meyer, wie ging es dann weiter?
Lars Nieberg:
Ich verbrachte anschließend u.a. ein Jahr bei Paul Schockemöhle und Achaz von Buchwald, bevor ich durch Herbert Meyer an meine jetzige Sponsorin Katarina Geller gelangte.
Futterjournal:
Privat sind Sie mit der Reiterin Gitta Nieberg verheiratet und haben zwei Kinder. Reiten diese auch schon?
Lars Nieberg:
Die Kinder reiten auch schon, aber es ist ihnen freigestellt, ob sie bei der Reiterei bleiben wollen. Wenn sie Ski fahren oder Tennis spielen wollen, können sie das auch tun.
Futterjournal:
Herr Nieberg, Sie gelten nach außen hin als still und unnahbar, fast etwas arrogant. Was sagen Sie dazu?
Lars Nieberg:
Ich würde mich eher als zurückhaltend bezeichnen und setze mich nicht gerne ins Rampenlicht. Wenn es sich lohnt, sich für etwas einzusetzen, sage ich meine Meinung deutlich. Wichtig ist mir die Sache selbst und meine Arbeit, die ich sehr ernst nehme.
Futterjournal:
Sie gelten als ein typisches Beispiel für Kontinuität und Schaffenskraft. Eigentlich Qualitäten, die sogenannte „Vorbilder der Gesellschaft“ heute nicht mehr unbedingt aufweisen. Was halten Sie für ihre besonderen Qualitäten in diesem Sport?
Lars Nieberg:
Für mich geht es am Montag so weiter, als wäre am Wochenende nichts geschehen, auch wenn ich am Sonntag einen großen Erfolg oder Triumph erlebt habe. Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, ist schnell vom Fenster weg.
Futterjournal:
Manch einer mag Ihnen Ihren Arbeitsplatz auf Gestüt Wäldershausen neiden. Ihre Sponsorin bietet Ihnen Enfaltungsmöglichkeiten und Freiräume.
Lars Nieberg:
Ich habe einen natürlichen gesunden Ehrgeiz. Das Gestüt Wäldershausen hat sich unter meiner Obhut sehr gut entwickelt. Das Deckgeschäft mit den im Sport erfolgreichen Hengsten ist bereits gut angelaufen und man erkennt bereits bei den Youngsters auf der Koppel starke Charaktere für den Sport. Auch die Ausbildung und der Verkauf der jungen Pferde gehört zum Geschäft. Hier müssen Einfühlungsvermögen und korrekte Grundausbildung oberstes Ziel sein. Wir arbeiten mit vier Bereitern, fünf Pflegern, einer Bürokraft und einem Besamungstechniker an dieser Aufgabe.
Futterjournal:
Darf ich Sie nach Ihrem größten Wunsch für die Zukunft fragen?
Lars Nieberg:
Ich habe keine großen Wünsche. Alles soll so bleiben wie es ist, ich wünsche uns allen vor allem Gesundheit. Gesundheit ist für mich das wichtigste Gut für die Zukunft.
Futterjournal:
Lars Nieberg, ein typischer Pragmatiker. Haben Sie eigentlich ein Lieblingspferd?
Lars Nieberg:
Nein, das Pferd das ich gerade reite, ist mein Lieblingspferd. Aber mein Herz hängt besonders an Adlantus As, dem 9-jährigen Hengst von Argentinus. Der ist richtig gut.
Fazit:
Wir konnten heute feststellen: Lars Nieberg ist überhaupt nicht arrogant. Er ist ehrlich, reell und bescheiden. Er ist ein Mensch, der durch Kontinuität und Fleiß nicht nur zu Ruhm und Ehre, sondern auch zu persönlichem Glück und einer befriedigenden beruflichen Zukunft gelangt ist. Ein Mensch mit Qualitäten, die vielleicht vor allem in den nächsten Jahren wieder große Bedeutung erlangen sollten. Wir können viel von ihm lernen.
Dr. Susanne Weyrauch










