Ein lebendes Fossil

kraeuterAckerschachtelhalm

Vor über 300 Mio. Jahren, zur Zeit als die riesigen Dinosaurier unsere Erde besiedelten, gab es auch unter den Schachtelhalmgewächsen Pflanzen, die gigantische Ausmaße erreichten. Die Ahnen des Schachtelhalms, sogenannte Calamiten wuchsen über 30 Meter hoch in den Himmel. Die Abkömmlinge dieser Giganten befinden sich auch heute noch unter uns.

Der bekannteste und wertvollste Vertreter der Familie der Equisetaceae (Schachtelhalmgewächse) ist „Equisetum arvense“. Der Name stammt aus dem Lateinischen von „equus“ = Pferd und „seta“ = Schwanz ab. Im Volksmund wird der Ackerschachtelhalm auch Pferdeschwanz, Scheuergras oder Zinnkraut genannt. Letzteres rührt von seiner früheren Verwendung zur Reinigung von Zinngeschirr aufgrund der Scheuerwirkung seiner kristallinen Kieselsäure her.

Ackerschachtelhalm
Quelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomè - Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz - 1885, Gera, Deutschland

Eine Pflanze - zwei Gesichter

Charakteristisches Merkmal ist der Stengel, der aus einzelnen Segmenten besteht, die wie ineinander gesteckt sind. An den Verbindungsstellen findet man ein den Stengel umfassendes Blättchen mit lanzettähnlichen braunen Spitzen. Der Ackerschachtelhalm ist eine mehrjährige Sporenähre, die im Frühjahr fruchtbare braune Sporenträger austreibt. In diesem Stadium ist er eher unbekannt. Erst im Sommer folgen die unfruchtbaren grünen Astquirle, die für Heilzwecke geeignet sind. Die kantigen Seitenäste sind am Stengel quirlförmig angebracht und ebenfalls deutlich gegliedert. Verbreitung findet der Ackerschachtelhalm auf der gesamten Nordhalbkugel. Dabei wächst er bevorzugt in Sand- und Lehmböden in Grundwassernähe, kann aber auch weit über einen Meter lange, unterirdische Triebe verzweigen, um sich zu versorgen.

Vorsicht vor Verwechslungen

ackerschachtelhalm-sumpfEin naher, aber giftiger Verwandter ist der Sumpfschachtelhalm (Equisetum palustre). Dieser enthält Palustrin, ein Alkaloid, das für manchen Pflanzenfresser schon tödlich endete. Bei der Unterscheidung der beiden Arten ist Vorsicht geboten, denn diese kleinen

Differenzierungen sind für den Laien absolut schwer erkennbar. In der Heilkunde findet nur der Ackerschachtelhalm Verwendung, von dem keine negativen Auswirkungen bekannt sind.

Zubereitungsarten

Die bedeutendsten Inhaltsstoffe sind Kieselsäure (ca. 6-9%), Flavonoide und Kaliumsalze. Man sammelt von Mai - Juni die frischen grünen Sommersprossen, solange die Kieselsäure noch löslich enthalten ist. Auch nach der Trocknung müssen die Blätter grün aussehen. Eine mittlere Tagesdosis beim Pferd entspricht ca. 30 g. Wer den Aufwand scheut, kann auch Pulver oder Extrakte vom Ackerschachtelhalm kaufen. Für Wickelanwendungen gibt man 10 g Pulver in 1 l Wasser. Kocht man 5 Eßlöffel mit ca. einem 3/4 l Wasser 15 Minuten ab, läßt das Ganze über Nacht stehen, und seiht erst am nächsten Tag ab, ist besonders viel Kieselsäure in dem bindegewebsentschlackenden Sud enthalten. Für die harntreibende Anwendung wird das Pulver nicht mit kochendem Wasser übergossen.

Nicht nur sauber, sondern rein

ackerschachtelhalm-hainDie harntreibende Eigenschaft sorgt für eine Reinigung der ableitenden Harnwege, ohne den Elektrolythaushalt zu beeinträchtigen. So kann Schmerzen beim Urinieren, Blasenschwäche, Blasenentzündung, mangelnder Nierentätigkeit, Nierengrieß und Nierenentzündung begegnet werden. Schachtelhalm dient also der Entschlackung des Organismus. Dadurch hat man auch noch einen stoffwechselaktivierenden und immunstabilisierenden Effekt. Die Anwendung als Wickelanwendung hat sich vor allem bei Hautgeschwüren und -entzündungen bewährt.

Silizium – wichtiger Bestandteil des größten Organs im Körper, dem Bindegewebe

Für die hervorstechendsten Eigenschaften des Ackerschachtelhalms ist das enthaltene Silizium (Kieselsäure) verantwortlich. Silizium kann vom Organismus nicht selbst gebildet werden, daher ist eine Zuführung von außen obligat. Silizium kräftigt, festigt und reinigt das Bindegewebe. Es kommt daher dem Knochen- und Knorpelaufbau sowie der Festigkeit und Elastizität der Sehnen zugute. Auch für die Stärkung von Fell, Haut, Hufen und Zähnen leistet der Ackerschachtelhalm wertvolle Dienste. Bei einer Neigung zu Krampfadern ist er ebenfalls angesagt.

Bei diesen vielfältigen Eigenschaften kann man die Pferde nur beglückwünschen, in deren Speiseplan der Ackerschachtelhalm vertreten ist.

Christine Bauer