Kampf mit dem Kater

katerGegen ein kleines Bier ist nichts einzuwenden

Geben Sie es zu, Sie kennen das Gefühl: Kopfschmerzen, Bewegungsprobleme, Schwindel und Sehstörungen als unangenehme Folge lustig durchzechter Nächte. Das morgendliche Erwachen ruft neben allgemeinen Kopf – und Gliederschmerzen das Gefühl absoluter Reue hervor. Aber jetzt darüber nachzudenken bringt wenig. Der Kater muß weg.

Ausgetrieben soll er werden, mit Hering oder sauren Speisen, Tomatensaft mit Eiern und noch vielen anderen Volksrezepten. Wie kann man aber den Körper richtig unterstützen, wenn Alkohol in großen Mengen zu sich genommen wurde?

Der Alkohol wird über ein schwieriges Enzymsystem Schritt für Schritt in der Leber abgebaut. Dazu erforderlich sind eine Reihe von Spurenelementen (u.a. Zink als Bestandteil des Enzyms Alkoholdehydrogenase) und Vitaminen. Im Allg. geht man davon aus, daß je Stunde 0,1 Promille abgebaut werden.

Magnesium

Alkohol gilt als Magnesiumkiller. Die typischen Katersymptome ähneln den Magnesiummangelsymptomen frappierend. Nach einer durchzechten Nacht, und ganz besonders wenn man am Tag vorher Sport getrieben hat, sollte man sich mit einer Magnesiumbrausetablette aus der Apotheke helfen. Achten Sie aber dabei auf eine hohe Bioverfügbarkeit der Produkte und wählen Sie Verbindungen wie Magnesiumaspartat oder Magnesiumcitrat. Abzuraten ist von Billigpräparaten auf der Basis von Magensiumcarbonat oder Magnesiumoxid. Deren abführende Wirkung ist bei manchen Personen stärker zu bewerten als ihr sinnvoller Einsatz als Magnesiumergänzung. Der Vorteil von Brausetabletten ist die zusätzliche Flüssigkeitszufuhr.

Flüssigkeitszufuhr

Und damit wären wir beim nächsten Punkt: Der Wasseraufnahme. Alkohol hat eine stark dehydratisierende Wirkung. Der Körper kann trotz der hohen Flüssigkeitszufuhr durch alkoholhaltige Getränke austrocknen. Bekannt ist der sogenannte „Brand“ nach Alkoholgenuß. Am besten helfen hier Mineralwässer, mit oder ohne Kohlensäure. Tee und Kaffee eignen sich dabei nicht so gut. Vor allem Kaffee regt zur Wasserausscheidung an und gilt als „säuernd“. Während die meisten Obstsäfte ebenso leicht säuern und nur mit Wasser verdünnt zum Einsatz kommen sollten, sind basenbildende Gemüsesäfte besonders empfehlenswert. Hier stellt sich das Wohlbefinden sehr schnell wieder ein.

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Gegen ein kleines Bier ist nichts einzuwenden

Übersäuerung bekämpfen

Das abstrakte Thema „Übersäuerung“ spielt nach Alkoholgenuß eine große Rolle. Als übersäuert gilt man landläufig, wenn man anhand von ph-Meßwertstreifen im Urin einen Wert von unter 5,6 feststellt. In Form von Kaisernatron, Bullrichs Vital Salz oder Backpulver gilt Natriumbicarbonat als klassischer „Entsäuerer“. In natürlicher Form findet man Natriumhydrogencarbonat in Mineralwässern (gut: mindestens 1500 mg/l).

Müssen Schmerzmittel sein?

Nur wenn der Kater zu stark quält, sollte nach der Durchführung der o.g. Maßnahmen ein sinnvolles Schmerzmittel eingenommen werden. Es empfehlen sich Kombinationsprodukte aus schmerzstillender Substanz und Natriumbicarbonat. Am besten fragen Sie dazu IhrenArzt oder Apotheker.

Wenn der erste Hunger kommt ...

... was eine Weile dauern kann, schont man den übersäuerten Körper mit dem Verzehr von Gemüse und Salaten. Getreide und Fleisch wirken säuernd und belasten den Verdauungsapparat, der manchmal durch den Alkohol in Mitleidenschaft gezogen wurde. Eine Minestrone (italienische Gemüsesuppe) oder ein Broccolisüppchen sind zwiebel- oder knoblauchhaltigen Speisen vorzuziehen.

Vorsicht Histamin!

Durch die alkoholische Vergärung enthalten vor allem Bier, Sekt und Wein eine unterschiedliche (der Sauberkeit der Vergärung entsprechende) Menge an adernerweiterendem Histamin. Das als Allergieauslöser bekannte Biogene Amin kann bei empfindlichen Personen zu Kopfschmerzen, Hautveränderungen, Schwindel, verstopfter Nase oder Husten führen. Wer nach Alkoholgenuß solche Nebenwirkungen an sich bemerkt, sollte auf Wodka umsteigen, Bier, Sekt und v.a. Rotwein meiden und die Finger von (ebenso histaminhaltigen) Fischbrötchen oder Käsehappen lassen.

Dr. Susanne Weyrauch