schleichend ud heimtückisch
Wie entsteht ein Kupfermangel? Trotz der Verfütterung von mineralisierten Kraftfuttern kann bei Pferden ein Kupfermangel entstehen. Oft geschieht dies, wenn Rauhfutter oder Getreide auf sandigen Böden (auch Marsch- oder Moorböden) angebaut wurde. Bestimmte Gegenden können daher als Kupfermangelgebiete erklärt werden.
Dazu gehört z.B. die Rheinebene. Ein Kupfermangel schleicht sich ein. Da sich (nach Prof. Kirchgessner) der größte Kupfervorrat im Körper vor allem in der Leber, den Knochen, der Muskulatur und der Haut befindet, sind im Bereich dieser Körperteile Auswirkungen des Kupfermangels zu befürchten.
Mit dem Auge erkennbar...
Leicht erkennbar stellt sich der Kupfermangel in Form der sogenannten „Kupferbrille“ dar. Die Pferde verlieren die Pigmentierung rund um die Augen bis zu den Nüstern. Es erfordert etwas mehr Sachkenntnis, den Kupfermangel am Fell und der Haut zu erkennen, wenn klare Entfärbungen um die Augen nicht vorliegen. Insbesondere bei Dunkelbraunen oder Rappen zeigt sich der Kupfermangel in deutlichem Hellerwerden des Deckhaares. Bei Füchsen treten zu Beginn des Kupfermangel gerne rosafarbene Punkte oder rosafarbene Schattierungen in sensiblen Hautbereichen - zwischen Augen und Nüstern oder zwischen den Hinterbeinen und unter dem Schweif - auf.
... oder heimtückisch verborgen
Viel heimtückischer ist ein nach außen hin nicht sichtbarer Kupfermangel. Neben Leberschäden, kann der Kupfermangel zu Osteoporose und Arthrose führen. Offensichtliche Schädigungen durch Kupfermangel, wie Verformungen oder erhöhte Brüchigkeit im Knochenaufbau, wurden in Futtermangelversuchen bei Nutztieren hinreichend bewiesen. Sie zeigen jedoch nur die Spätfolgen dieses Mangels und weisen entfernt auf die Beteiligung von Kupfer an der Bildung von Kollagen und Elastin hin.
Nährstoffmängel zeigen sich in verschiedenen Nuancen und in verschiedenster Form und es ist schwer, leichte Mängel früh zu erkennen. Der Übergang vom Mangel hin zu einer „Erkankung“ ist fließend. Ein Kupfermangel kann auch einfach mit Schwäche und Müdigkeit beginnen.

Depigmentierungen können auf einen Kupfermangel hinweisen
Kein Blut und keine Nerven
Wichtige Funktionen im Stoffwechsel übernimmt nicht nur Eisen, sondern auch Kupfer bei der Bildung der roten Blutkörperchen. Die Beteiligung von Kupfer an der Ausbildung des zentralen Nervensystems zeigt, wie wichtig der ausgewogene Kupfergehalt für die nervliche Gesundheit des Pferdes ist. Kupfermangel kann zu Entzündungen und zum Absterben von Nervengewebe führen.
Kupfer greift in das Immungeschehen ein
Kupfer steht im Zusammenhang mit der Darmgesundheit. Beobachtet werden oft sinkende Kupferwerte nach langem Wurmbefall. Bekannt sind auch Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, die einerseits mit Kupfermangel und andererseits mit Darmproblemen in Verbindung gebracht werden. Kupfer ist u.a. am Histaminabbau beteiligt. Tatsächlich zeigen Blutuntersuchungen beim Allergiker gerne enorme Kupfermängel. Als Bestandteil der kupferhaltigen Superoxiddismutase arbeitet Kupfer als Coenzym beim Abfangen von Sauerstoffradikalen. Insgesamt wird deutlich, daß Kupfer einen großen Einfluß auf das Immunsystem hat.
Die Referenzwerte für die Blutserumwerte schwanken von Labor zu Labor. Erfahrungsgemäß sollte der Blutserumwert des Pferdes (und übrigens auch des Menschen) nicht unter 110µg/dl bzw. nicht unter 16 µmol/l fallen.
Kupferbedarf
Der Kupferbedarf eines erwachsenen, 600 kg schweren Warmblutpferdes beträgt 60 bis 90 mg pro Tag. Dieser Bedarf wird i.Allg. nur bei guter Grundfütterung mit Heu und Stroh, ausgehend von einer ausreichenden Kupferverfügbarkeit des Bodens, gedeckt. Anorganische Kupferverbindungen in Kraft- oder Mineralfutter werden unsicher aufgenommen und können einen Mangel nicht ausgleichen. Organische Verbindungen sind anorganischen Verbindungen in jedem Fall vorzuziehen. Zu hohe Calciumgaben bremsen dabei die Aufnahme von Kupfer.
Überdosierung
Bluthochdruck, Nierenleiden und psychische Störungen gelten als die typischen Zeichen für eine Überversorgung von Kupfer, deren Ursache jedoch meistens in einem Zink- oder Manganmangel zu suchen sind.
Dr. Susanne Weyrauch










