Die Fütterung von Kräutern in der Pferdeernährung macht prinzipiell Sinn
Struktur- und artenarme Wiesen, vitalstoffarme Grundfutter und einseitige Mineralisierungen machen die tägliche Futterration des Pferdes immer einseitiger. Mit dem Bestreben, die Fütterung immer kostengünstiger zu machen, werden auch Futterrezepturen vereinfacht.

Pimpinellenblüte
Dabei unterscheidet sich die Pferdefütterung in einem Punkt wesentlich von der Nutztierhaltung: Pferde sollen als Partner des Menschen länger und vitaler leben als ländliche Masttiere und nicht einfach nur "satt" gefüttert werden.
Daher muß in der Pferdefütterung grundsätzlich umgedacht werden. Während die Fütterung im Pensionsstall im Preis inbegriffen ist, werden die Tierarztkosten vom Pferdehalter selbst getragen. Irgendwann wird schmerzlich klar, daß Einsparungen im Bereich der Fütterung mit Tierarztrechnungen heimgezahlt werden.
Kräuter als Ergänzung der heutigen Pferderation

Salbei
Mittlerweile ist es üblich, daß Pferdebesitzer beifüttern. Hier kann durchaus ein sinnvoller Nährstoffausgleich zur ausschließlich sättigenden Pensionsfütterung stattfinden. Interessant sind dabei kräuterhaltige Produkte. Kräuter dienen als Lieferanten wertvoller Vitalstoffe. Dazu gehören die sogenannten Sekundären Pflanzenstoffe. Darunter verstehen wir ganz einfach ausgedrückt alle Pflanzenbestandteile, die die Pflanze entweder gut riechen, gut aussehen oder gut schmecken lassen. Die Geschmacks-, Geruchs- und Formenvielfalt der Kräuter läßt auf den hohen Gehalt an Sekundären Pflanzenstoffen schließen, deren enorme Bedeutung in der Ernährung erst seit 1995 wissenschaftlich bewiesen wurde. Anhand der verschiedenen Stoffgruppen und deren Wirkungsbereichen wird klar, wie vielfältig und multifunktional der Kräutereinsatz sein kann.
Flavonoide
Kräuter sind reich an sogenannten Bioflavonoiden, wie Citrin, Rutin, oder Flavonolen, die u.a. befähigt sind, die Histaminausschüttung zu bremsen. Aber auch Entgiftungs- und Abwehrreaktionen gehören zu den Aufgaben der Flavonoide. Kräuter wie Löwenzahn, Minze, Ringelblume, Salbei, Schafgarbe und Birkenblätter sind reich an Flavonoiden.
Flavone
Flavone sind gelbe Farbstoffe und sind eine Unterart der Flavonoide. Sie kommen z.B. in Kerbel, Heidekraut, Hirtentäschel, Birkenblätter, Holunderblüten, Lindenblüten und Ginster vor. Sie wirken teilweise recht unterschiedlich. Einige unterstützen die Wirkung des Vitamin C, andere wirken auf Herz, Kreislauf und Leber. Manche haben eine diuretische (harntreibende), gefäßerweiternde, blutdrucksenkende, blutgerinnunghemmende oder galleanregende Wirkung.

Holunder in der Blüte, Quelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomè - Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz - 1885, Gera, Deutschland
Ätherische Öle
Zu den Sekundären Pflanzenstoffen gehören z.B. auch die leicht flüchtigen Ätherischen Öle, die teilweise sehr starke gesundheitliche Funktionen im Körper ausüben. Denke man nur an die schleimlösende und antibakterielle Wirkung von Thymian oder an die wohltuende Wirkung von Thymian, Salbei, Lavendel oder Fichte.
Gerbstoffe
Gerbstoffe sind häufig in Wurzeln und Rinden, aber auch in Blättern anzutreffen. Sie wirken adstringierend (zusammenziehend) und antimykotisch (pilzfeindlich) und wirken äußerst positiv auf die Verdauung. Gerbstoffe findet man z.B. in Eichenrinde, Brombeerblättern, Frauenmantel oder Hamamelisblättern.
Bitterstoffe
Bitterstoff ist ein Sammelbegriff für alle bitter schmeckenden Kräuter. Sogenannte "Magenbitter" werden gerne als alkoholische Zubereitung in der menschlichen Ernährung eingesetzt, um Appetit und Verdauung anzuregen und wirken vorwiegend im Magen-Darm-Leber-Galle-Bereich. Bekannte Bitterstofflieferanten sind z.B: Enzian, Löwenzahn, Tausendgüldenkraut, Engelwurz, Hopfen oder Schafgarbe.
Schleimstoffe
Schleimstoffe quellen erst im Wasser auf und fühlen sich dann schleimig an. Sie haben eine erweichende, reizmildernde und einhüllende Wirkung, die sie wertvoll für Entzündungen der Schleimhäute machen. Mit Schleimmitteln kann man einem Reizhusten, Halsschmerzen, Magen-Darm-Katarrhen und manchen Wunden begegnen. Zu schleimliefernden Stoffen gehören z.B: Huflattich, Spitzwegerich, Eibisch, Malve oder Beinwell.
Glykoside
Glykoside sind besondere Zuckerverbindungen. Es gibt hochwirksame und auch giftige Glykoside, die wie z.B. der Fingerhut auf das Herz wirken. Zu den Glykosiden gehören auch Blausäure und das Salicin aus der Weidenrinde (Vorläufer der Salicylsäure (Aspirin)).
Saponine

Baldrian
Das Wort Saponin kommt von Seife, dementsprechend sind Saponine Stoffe, die seifenähnlich wirken. Ein besonderes saponinreiches Kraut ist das Seifenkraut, das früher als Seifenersatz verwendet wurde. In der Heilkunde wirken Saponine schleimhautreizend und eignen sich daher als Brechmittel oder harntreibend. Außerdem beschleunigen sie die Aufnahme anderer Wirkstoffe und sind daher als Beigaben zu Mischtees beliebt. Saponine sind auch in Ringelblume, Linde, Taubnessel oder Thymian enthalten.
Cumarin
Cumarine leiten sich von den Phenolsäuren ab, zeichnen sich durch einen heuähnlichen Geruch aus und finden sich häufig in Dolden- und Rautengewächsen. Cumarin wird erst beim Welkprozess enzymatisch gebildet wird und macht z.B. das typische Aroma des Waldmeisters aus. Häufig sind Cumarine (mind. 500 verschiedene Arten) mit dem ätherischen Öl der Pflanze vergesellschaftet. Einige Cumarine haben eine gerinnungshemmende und damit durchblutungsfördernde Wirkung. Außerdem wirken sie teilweise gegen Insektenbefall z.B. in Mottenkissen. Negativ wirken sich Cumarine aus, die durch Fäulnisprozesse z.B. in angeschimmelten Kleeheu entstanden sind wie das Dicumarol, welches zu blutzersetzenden (hämorrhagischen) Erkrankungen führen kann, oder die als stark leberkanzerogenen Aflatoxine in Schimmelpilzen gebildet werden. Cumarinhaltig sind außerdem Waldmeister, Steinklee, Lavendel oder Labkraut.

Rosmarin
Alkaloide
Alkaloide sind nahezu die wirksamsten Stoffe im Pflanzenbereich. Es handelt sich chemisch gesehen um stickstoffhaltige Basen. Den meisten kann Drogencharakter zugeprochen werden. Sie können stark heilsam bis hin zu tödlich giftig sein, wie z.B. Akonitin (Eisenhut), Atropin (Tollkirsche) und Strychnin (Brechfuß). Zu den Alkaloiden in Genußmitteln gehören Koffein, Nikotin und Teein. Zu den medizininschen Alkaloiden gehören Kodein, Morphin oder Chelidonin.
Mit diesem Ausflug in die Lebensmittelchemie wird deutlich, daß es noch weit mehr Nährstoffe als Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe gibt. Bedarfszahlen für diese Sekundären Pflanzenstoffe gibt es natürlich nicht. Dazu ist auch ihre Anzahl (300.000) viel zu hoch. Aber sicher ist, daß man Kräuter, Ölsamen und Früchte in eine gesunde Rationsgestaltung miteinbeziehen sollte.
A. Returner










