Die Hengstreiterin

portrait-ploenzkeIm Gespräch mit Anja Plönzke

Das Gestüt Tannenhof liegt mitten im Taunus. Vorbei am noblen Wiesbaden in Richtung Rüdesheim am Rhein darf man nicht die Abfahrt nach Schlangenbad, einem der typischen Kurorte im Taunus, verpassen. Von dort aus geht die sogenannte Bäderstraße entlang bis tief in das Taunusgebirge, nach Heidenrod-Watzelhain.

Früher wurden auf dem Tannenhof Springpferde gezüchtet, heute findet man hier ein hochkarätiges Grand Prix Team, das sich die Ausbildung von Erfolgspferden auf dem Tannenhof auf die Fahne geschrieben hat. Es reiten Oliver Luze, der Gestütsleiter und Chefbereiter, seine Frau Katrin und schließlich Anja Plönzke, die wir um ein Interview baten.

Futterjournal:
portrait-logostuteFrau Plönzke, wir haben uns nun fast eine Stunde ihre Reitkunst angeschaut und sind beeindruckt von Ihrem Umgang mit dem Hengst Solero. Reiten Sie prinzipiell lieber Hengste als Wallache oder Stuten?
Anja Plönzke:
Ich bevorzuge nicht die Hengstreiterei, aber wenn ein Hengst bereit ist mitzumachen, wird er immer mehr Ausdruck und Eleganz als ein Wallach haben.
Oliver Luze:
Heute genügt es nicht mehr, einen gekörten Hengst auf seiner Station zu haben, sondern er sollte sportliche Erfolge aufweisen können.

Futterjournal:
Man weiß ja, daß Hengste sehr schwierig und auch gefährlich sein können. Auf was muß man besonders achten, wenn man Hengste reiten möchte?
Oliver Luze:
Um einen Hengst in der Dressur zu reiten, sollte man keinen Kadavergehorsam von ihm verlangen, sondern mit Konsequenz und Einfühlungsvermögen arbeiten.

portrait-anjaploenzke2
Auf dem Gestüt Tannenhof ist
Anja Plönzke zu Hause.
Foto: Guido Reicki

Futterjournal:
Und damit hätten wir ja ein paar der höchstens Prinzipien der Reiterei.
Anja Plönzke:
Es nützt nichts, den Hengsten den Willen brechen zu wollen. Statt Härte müssen Einfühlungsvermögen und Stärke vom Reiter mitgebracht werden. Ich bin allerdings froh, daß unsere Hengste so brav sind. Natürlich gehört ein bißchen Frechheit und Buckeln dazu. Das ist erlaubt. Allerdings sollten sie schon in ihrer Jugend in die richtige Bahn gelenkt werden.

Futterjournal:
Apropos Bahnen gelenkt. Wer hat Sie, Frau Plönzke, in ihre reiterliche Laufbahn gelenkt?
Anja Plönzke:
Eigentlich durch meinen Vater. Er ist mit Pferden aufgewachsen. Nach seiner langjährigen Tätigkeit im Softwaregeschäft leitet er heute - er ist mittlerweile 65 Jahre - eine Unternehmensberatung und zwei Hotels auf Mallorca. Durch ihn kam ich zur Reiterei. Ich sehe die Reiterei als Hobby, wobei ich durchaus ehrgeizig bin.

Futterjournal:
Haben Sie eine Ausbildung in der Reiterei angestrebt oder haben Sie eine andere Ausbildung genossen?
Anja Plönzke:
Ich habe ursprünglich Betriebswirtschaft studiert. Mit den Deckhengsten Garcon und Chopin (genannt Schoppi) kam ich 1997 auf den Tannenhof. Die Reiterei und mein achtjähriger Sohn nehmen mich aber voll in Anspruch.

portrait-anjaploenzke1
Anja Plönzke mit den Hengsten Solero und Chopin. Foto: Guido Reicki

Futterjournal:
Der Tannenhof und der Hengstfotograf Bernd Eylers sind mit Chromatik XX bekannt geworden. Zum ersten Mal in der Branche ist ein Hengst professionell fotografiert und perfekt vermarktet worden.
Anja Plönzke:
Chromatik und Coriolan haben den Tannenhof bekannt gemacht. Der Tannenhof war das erste hessische Privatgestüt.

Futterjournal:
Wieviele Pferde werden täglich von Ihnen allen geritten?
Oliver Luze:
Anja reitet 5 Hengste pro Tag, meine Frau und ich jeweils 8 bis 10 Pferde.

Futterjournal:
Man hört immer wieder, daß in der Dressurreiterei starke Konkurrenzen herrschen. Bei Ihnen sind drei großartige Reiter in einem Betrieb.
Oliver Luze:
„Gut sein kann man bloß, wenn das Umfeld stimmt“. Das sind die Worte von Plönzke Senior. Bei uns wird der Teamgeist großgeschrieben, es gibt keine Eifersüchteleien.

Futterjournal:
Frau Plönzke, mal ganz persönlich. An welche reiterlichen Events erinnern Sie sich besonders gerne?
Anja Plönzke:
Besondere Freude haben mir die Erfolge in Aachen und Wiesbaden beschert. Es ist ein wirklich tolles Gefühl, bei internationalen großen Events vorne in der Platzierung mit dabei zu stehen.
Chopin hat dieses Jahr zudem mit der deutschen Mannschaft in Hickstead (England) den Nationen-Preis gewonnen.

Futterjournal:
Was begeistert Sie an der Turnierreiterei am meisten?
Anja Plönzke:
Das Schönste ist eigentlich daran, daß man bestrebt ist, mit dem Pferd als Team zusammenzuarbeiten auf einen ganz bestimmten vorgegebenen Zeitpunkt und in dieser Zeit zur Höchstform aufzulaufen. Dem voraus geht natürlich monatelanges Training, in dem man immer wieder versucht, das Pferd stetig zu verbessern. Es macht natürlich Spaß, wenn man Erfolge hat, die dann wiederum zu neuen Taten motivieren.

portrait-anjaploenzke3
Foto: Guido Reicki

Futterjournal:
Sie sind nach England und haben Ihre Jack-Russell-Hündin Meggan mitgenommen.
Anja Plönzke:
Ja, und ich kam mit sieben Hunden aus England zurück. Meggan hat dort einen Freund gefunden. Zwei der Hundebabies habe ich für mich behalten.

Futterjournal:
Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?
Anja Plönzke:
Mein Wunschtraum wäre es, meine Pferde stets erfolgreich und gut zu präsentieren und vor allem immer Spaß mit ihnen und mit meiner Arbeit zu haben. Es wäre natürlich grandios im deutschen Team starten zu dürfen.

Futterjournal:
Dazu wünschen wir Ihnen viel Erfolg. Die Deutsche Mannschaft wäre damit um eine große und vor allem repräsentative Reiterin bereichert.