Mariendistel – Heilerin aus Afrika

kraeuter-mariendistelAls sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: 'Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich es dir sage; denn es ist beschlossen, daß Herodes das Kindlein sucht, um es umzubringen.' Und er stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten.

So steht es im Evangelium des Matthäus geschrieben. Die Legende erzählt, daß Maria einen Platz der Ruhe suchte, als das Jesuskind während der Flucht gestillt werden mußte. Sie ließ sich im Schutz der dornigen Blätter einer Distel nieder. Während sie dort ruhten, fielen einige Tropfen der kostbaren Muttermilch über die grünen Blätter der Distel, wodurch sie sich marmorartig weiß verfärbten. Und so kam die Mariendistel zu ihrem Namen. Auch die Bezeichnungen Liebfrauendistel und Milchdistel rühren von dieser Legende.

Unter der Sonne gereift

kraeuter-logostuteIhren Ursprung hat die Pflanze im Mittelmeerraum, Südeuropa und Nordafrika. Heute ist sie auch in Nord- und Südamerika sowie Australien verbreitet. Silybum marianum zählt zur Familie der Korbblütengewächse und erreicht eine Größe von 1,5 m. Die stark gewellten Blätter sind marmorartig von weißen Adern durchzogen. Die Früchte sind braunschwarz glänzend und bestehen zu ca. 25% aus Eiweiß und ca. 25% aus linolsäurereichem Öl. Außerdem enthalten sie Flavonoide, Bitterstoffe, ätherisches Öl, Harze, Tyramin und Histamin. Interessant wird die Mariendistel durch einen besonderen Wirkstoffkomplex, das Silymarin, bestehend aus Silibinin, Silybin, Silychristin und Silydianin. Diese Stoffe fallen unter die chemische Bezeichnung "Flavolignane" und gehören mit ihrer antioxidativen Wirkung zu den Sekundären Pflanzenstoffen.

Leberschutz durch die Mariendistel

kraeuter-mariendistel2Die Leber ist als Filter zwischen Darm und Blutkreislauf geschaltet. Über die Pfortader werden die verdauten Nahrungsbausteine, darunter auch giftige Substanzen aufgenommen, gespeichert, ausgeschieden oder weitergegeben. Unter den Begriff Gifte fallen auch Stoffe, die während der Verdauung als Abbauprodukte entstehen. Dazu gehört als klassisches Beispiel der Ammoniak als Zwischenprodukt aus der Verstoffwechselung von Eiweiß. Pferde leiden bei einer eiweißlastigen Fütterung auf der Basis von Gras, Hafer oder Silage unter großen Anflutungen von Ammoniak, der über die Leber in Harnstoff umgewandelt wird. Ammoniak ist ein Zellgift und zerstört auch Leberzellen.
Aber auch zu fette und zu reichliche Fütterung belastet die Leber ebenso wie Färbe- und Konservierungsmittel, bzw. Alkohol als Resultat von Fehlgärungen im Dickdarm.

Gesunde Leber – gute Laune

Der Leber obliegt auch die Kontrolle über die Blutzusammensetzung, die für eine reibungslose Hirnfunktion maßgeblich ist. Leberstörungen führen so nicht nur zu bekannten Symptomen wie Müdigkeit, Energielosigkeit und Appetitmangel, sondern im weitesten Sinne auch zu psychischen und geistigen Fehlleistungen bzw. Verhaltensstörungen. Wenn die Leber krank ist, ist der ganze Körper krank.

Doppelte Wirkung auf die Leber

Die Mariendistel wurde schon vor über 2000 Jahren bei den Griechen und Römern zur Heilung von Leberschäden verwendet. Die heilende Eigenschaft des Silymarin beruht auf einem dualen Wirkmechanismus: Die Leberzellen werden geschützt und neue Leberzellen aufgebaut.
Silymarin erhöht den Widerstand der Leberzellen gegen Gifte durch Stabilisierung ihrer Zellwand. Weiterhin fördert Silymarin die Bildung neuer Leberzellen.

Im Blut erhöhten Leberwerten (GOT, GPT, MCV, Bilirubin) kann mit der Mariendistel begegnet werden. Selbst bei chronischen und entzündlichen Lebererkrankungen, wie Hepatitis, Leberzirrhose, Leberschrumpfung und Fettleber kann die Gabe von Mariendistel deutliche Verbesserungen bringen. Auch Leberschäden, die durch die Aufnahme von Medikamenten und Umweltgiften entstanden sind, sowie Pfortaderstauung sind erfolgreich beeinflußbar. Für den Menschen kommt auch eine Anwendung bei Schädigungen durch Alkohol und Drogen in Frage. Bei Milz-, Gallen- und Nierenkrankheiten, sowie Krampfadern zeigt sich ebenfalls eine positive Wirkung durch Mariendistel.

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Mariendistel. Quelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomè - Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz - 1885, Gera, Deutschland

So forciert man die Genesung

Der Silymarinkomplex ist in den Früchten der getrockneten Blumen enthalten. Eine erwünschte Dosierung von 2-4g Silymarin pro Tag und Pferd, entspricht der Fütterung einer Menge von ca. 120 bis 150g Mariendistelfrüchten. Als Tee ist die Verabreichung nicht zu empfehlen, da die Flavolignane schlecht wasserlöslich sind und die Konzentration nicht erzielt werden kann. Einziger Nebeneffekt: kann vereinzelt leicht abführend wirken.
Zur Bewältigung sämtlicher Stoffwechselentgleisungen bietet es sich daher an, eine Verabreichung von Mariendistel zusätzlich zu anderen therapeutischen Maßnahmen miteinfließen zu lassen. Das kann einen forcierenden Effekt für die Genesung bedeuten.

Christine Bauer