Robusthaltung von Pferden ist artgerecht
Robusthaltung von Pferden ist artgerecht, optimal bei Atemwegs- und Gelenksproblemen und zudem scheinbar finanziell günstiger als die Haltung von Pferden in Ställen. Insbesondere Spezialrassen scheinen für die Weidehaltung wie geschaffen.
Pflegeleichte Criollos, rassige Araber, genügsame Haflinger und diverse Mischungen dieser Pferderassen tummeln sich munter auf satten heimatlichen Wiesen. Die Zahl der Pferdebesitzer, die sich ein solches Leben für ihr Pferd wünschen, steigt.
Daß die robuste Pferdehaltung aber nicht immer nur Glück und Zufriedenheit für das Pferd bedeutet, haben viele Pferdebesitzer mittlerweile erkennen müssen. Wind und Wetter ausgeliefert zu sein, ist dabei nicht so schlimm wie z.B. das ständige Traktat durch Fliegen und andere Insekten.
Zamperlfett ...
Eine häufig auftretende Problematik bei der reinen Weidehaltung sind im Sommer übergewichtige oder im Herbst und Winter schwerfuttrige Pferde. Die ununterbrochene Aufnahme von unstrukturiertem, kurzen Gras wirkt bei vielen Pferden zunächst mästend. Die Folgen dieser ungezügelten Eiweißaufnahme bei nicht in der Zucht oder Aufzucht befindlichen ausgewachsenen Pferden sind entweder Überfettung oder Leberprobleme. Später folgen stumpfes Fell und Antriebslosigkeit beim Reiten. Koliken, Mauke und Hufrehe werfen erste Schatten auf die paradiesische Freiheit dieser so gehaltenen Weidepferde.
... oder klapperdürr
Ein gefährliches Zeichen für eine Stoffwechselentgleisung sind Abmagerung trotz Futterangebot, Blähbäuche mit Rippigkeit oder Mäkeligkeit beim Fressen. Beginnend mit Fehlgärungen können dies Zeichen für den Niedergang der Darmflora sein. Koliken und der Zusammenbruch des Immunsystems folgen. Alarmsignale sind Abmagerung im Fellwechsel.
Enzyme brauchen Spurenelemente

Mangelhafte und qualitativ schlechte
Rauhfuttergaben führen zu Koliken.
Foto: Kuczka
Die Leber, das Entgiftungsorgan, ist mit einseitigen Nährstoffanflutungen überlastet. Die Bildung körpereigener stoffwechselaktiver Enzyme läuft auf Hochtouren. Die Enzyme, Katalysatoren des Stoffwechsels, funktionieren nur mit Hilfe eines sogenannten Cofaktors. Zu fast 90% bestehen diese Cofaktoren aus Spurenelementen. Zu nennen wären hierbei Zink, Kupfer, Selen, Mangan, Molybdän und viele andere. Mit dem Anstieg der Enzymtätigkeit steigt auch der Bedarf an Spurenelementen. Wird dieser erhöhte Bedarf an Spurenelementen nicht gedeckt, was bei der Auswaschung unserer Böden kein Wunder ist, sind Ekzemen und Allergien Tür und Tor geöffnet. Damit folgt das nächste Übel: die Attacke der Kriebelmücken kann beginnen.
Ekzem
Zu Fettleibigkeit neigende leichtfuttrige Weidepferde sind leider die geeignetesten Kandidaten für die Ausbildung von Sommerwunden und Sommerekzem. Zum einen werden durch die ständige Beschränkung im Futterangebot - „mein Pferd braucht nur eine Handvoll Kraftfutter“ - durch Zusatzfutter zu wenige Vitalstoffe in die Fütterung miteingebracht. Zum anderen gilt: je mehr Nahrungsangebot vorhanden ist, desto schwieriger wird die Verstoffwechselung der angebotenen Mengen an Stärke, Eiweiß und Fett.
Werden durch ein zu hohes Nahrungsangebot die körpereigenen Entgiftungsmechanismen und –organe (z.B. Leber und Niere) überlastet, zeigen sich Probleme gerne im Hautbereich. Mauke, nicht heilen wollende Wunden, allergische Ausschläge und schließlich Ekzem sind die bitteren Folgen einer einseitigen Überfütterung.

Robustpferde sind gegenüber Nahrungsüberangebot gar nicht so "robust". Foto: Kuczka
Haltung und Fütterung abstimmen
Die Zufütterung von Spurenelementen lindert oft schnell schlimmste Symptome. Aber auch die Zufuhr organisch gebundener Mikronährstoffe kann die meist über Jahre provozierten Mängel nicht ausgleichen, wenn nicht auch Änderungen in den Haltungsbedingungen vorgenommen werden. Dazu gehört die zeitliche Begrenzung des Weideganges - insbesondere in Zeiten starker Vegetation – mit der Möglichkeit, einen mit Rauhfutter versehenen Paddock aufzusuchen.
Allerdings muß bei Rauhfutter in der Pferdefütterung auf Top-Qualität geachtet werden. Schimmelpilz- und schadbakterienbelastete Rohfaser, wie Heu, Silage oder Stroh outen sich eher später als früher als weiterer Spurenelementkiller. Die Leber und der Darm werden auf diese Weise erheblich geschädigt.
Nur ein ganzheitlicher Ansatz kann helfen:
- deutliche Gewichtsreduktion
- Fütterung leberentgiftender Kräuter und Spurenelemente
- homöopathische Umstimmung (Thuja, Sulfur etc.)
- hochwertige Rohfasergaben (Heu zwischen Blüte und Aussamen geerntet)
Vitalstoff-/Energieverhältnis
Viele Robustrassen sind entstehungsgeschichtlich gute Futterverwerter und Arbeitstiere. Saftiges Grün, mangelnder Energieverbrauch durch „Herumstehen“ in Kombination mit zu wenig sportlicher Arbeit verschlimmert den Zustand der Pferde. Selten leiden die Pferde in ihrem Ursprungsland, in dem karge Bedingungen angesagt sind, unter Allergien. Verdeutlichen wir dies: Jahrtausende haben Individuen Zeit gehabt, Systeme zu entwickeln, um in Hunger- oder Notzeiten zu überleben. Keine solche Chance aber besteht in Zeiten des Überflusses! Die Fütterung von Pferden mit geringem Energiebedarf erweist sich als wesentlich schwieriger als die Fütterung von beanspruchten Leistungspferden. Um das Pferd seinen Ansprüchen nach ausreichend vitalstoffreich zu ernähren, genügt nicht allein FDH. Damit ist zwar die Energiezufuhr halbiert, jedoch auch die Vitalstoffzufuhr.
Rauhfutter

Dieses kleine Shetlandfohlen ist
schwerer zu ernähren als man denkt.
Foto: Kuczka
Wer denkt, man könne sein Pferd den ganzen Sommer ohne Heufütterung auf der Weide halten, hat sich geirrt. Pferde benötigen strukturierte Rohfaser für ihre Verdauung. Daher sollte die tägliche Möglichkeit zur Heuaufnahme bestehen. Futterstroh ist nur ein halber Ansatz. Jedoch kann auch Heu unter Futterstroh gemischt werden. Die strukturierte Rohfaser verbessert die Darmflora und ermöglicht damit dem Pferd wichtige Nährstoffe, z.B. Spurenelemente, aufzunehmen.
Düngung
Mäßige, jedoch sinnvolle Düngung, z.B. mit spurenelementhaltigen Düngemitteln. Diese durchaus teurere Lösung liefert stabile und gesunde Grünpflanzen.
Fliegenplage
Wenn der Ekzemer vor Kribbelmücken fast den Verstand verliert oder wie eine afghanische Frau in seine Ekzemerdecke verhüllt ist, sollte die Weidehaltung überdacht werden. Die Stallhaltung mit zeitlich begrenztem Paddock-Gang muß hier nicht die schlechteste Lösung sein. Für echte Tierschützer ein Diskussionsansatz: wo beginnt die Qual der Pferde? Permanentes Traktat durch Insekten contra Langeweile im Stall. Daß Ersteres „natürlicher“ sei, stimmt, aber wir Menschen haben ja auch mal ganz natürlich auf den Bäumen gelebt und tun das jetzt auch nicht mehr.
Dr. Susanne Weyrauch










